Alte Ziegel fürs neue Dach

Alt Krüssow erhält 170 000 Euro Fördermittel für die Eindeckung des Kirchenschiffs

ALT KRÜSSOW - Der Startschuss für den 4. Bauabschnitt an der ehemaligen Wallfahrtskirche in Alt Krüssow (Stadt Pritzwalk) ist gefallen: Die Fördermittelzusage für die Dacheindeckung am Kirchenschiff liegt zwar noch nicht in schriftlicher Form vor, der Vorbescheid gilt jedoch als verbindlich. Damit eröffnete Bauingenieur Andreas Nisse vom Ingenieurbüro Seemann aus Dahlwitz-Hoppegarten am Mittwoch die erste Bauberatung mit Vertretern der beteiligten Handwerksbetriebe, des Gemeindekirchenrates und des Fördervereins. Bis Juni 2013 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Vor acht Jahren fingen die Arbeiten zum Erhalt des Gotteshauses an. Ostfenster, Ostgiebel mit Filialtürmen sowie die Holzkonstruktion am Kapellenanbau sind bereits saniert. Erst im Februar setzte die Planung für den 4. Bauabschnitt ein, erklärte Andreas Nisse. Für die Dacharbeiten stehen Bundesmittel in Höhe von 170 000 Euro aus dem Denkmalschutzprogramm III des Landesamtes für Denkmalpflege bereit. Kirchenbaustiftung, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, der Kirchenkreis Havelberg-Pritzwalk sowie der Förderverein Wallfahrtskirche beteiligen sich an den Kosten, so Fördervereinsvorsitzender Uwe Dummer.

Zimmererarbeiten, Dacheindeckung mit neuen Doppel-Biberschwänzen sowie Maurerarbeiten im Traufbereich stehen nun auf dem Programm. Vor allem im Traufbereich dies ist der Übergang zwischen Dach und Kirchenschiff gestalten sich die Arbeiten schwierig. "Bauingenieur, Bauhistoriker und Denkmalpfleger stimmen ab, welche Steine dort ausgetauscht werden", erklärte Gordon Thalmann von der Denkmalpflege des Landkreises. Das Baugutachten beinhaltet auch, dass der Schwammbefall im Nordbereich der Mauerkrone saniert wird.

Nächste Woche werden die Gerüste an der Südseite der Kirche aufgestellt. Vier Wochen später folgt die Einrüstung an der Nordseite, sagte Andreas Nisse. Gut erhaltene Dachziegel von der Südseite sollen in einem später geplanten Bauabschnitt den Kapellenanbau an der Nordseite zieren. "Es passiert relativ selten, dass alte Dachziegel wieder verwendet werden, aber damit werden wir der Historie gerecht", so Nisse.

"Die Herausforderung an dieser Kirche besteht darin, so wenig wie möglich von der historischen Bausubstanz bei den Arbeiten zu zerstören", ergänzt Andreas Nisse. Die spätgotische Hallenkirche gilt fast vollständig als mittelalterlicher Bau. Der Grundstein stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. (Von Christamaria Ruch)

Mit Einblicken ins Kirchenschiff:

Am Sonntag, 9. September, wird unter dem Thema "Holz" der Tag des offenen Denkmals begangen. Auch die ehemalige Wallfahrtskirche in Alt Krüssow steht dann interessierten Besuchern offen. Der Denkmalstag beginnt dort um 10.15 Uhr mit einem Gottesdienst.

Restaurator Jochen Hochsieder und Bauingenieur Andreas Nisse stehen den Gästen Rede und Antwort zum Bauvorhaben. Mit einer Hubbühne können Besucher an der Südseite des Kirchenschiffes zum Dach hinauf fahren. Dort gibt es Einblicke in das alte Bauwerk: Aufgenommene Ziegel geben den Blick bis in den Dachstuhl aus Eichenholz frei. Darüber hinaus werden Führungen durch die Kirche angeboten, wo auch die mittelalterlichen Holzskulpturen zu sehen sind.

Der Tag klingt mit einem Konzert ab 15 Uhr aus. Cmr

Märkische Allgemeine vom 31. August 2012

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