Leiser, heller, Halleluja!

Langener reparieren Fenster, Türen und Wände ihrer Kirche

LANGEN - Ausgetrillert hat sich’s in der Langener Stüler-Kirche. Das Fenster mit den Löchern ist repariert – die Vögel, die diese Schlitze emsig als Einflugschneisen nutzten, müssen nun draußen bleiben. Dafür kann das Licht deutlich besser das Innere des vor 157 Jahren errichteten Bauwerks erreichen, seitdem die altersmatten Scheiben gegen neue ausgetauscht wurden.

Doch das ist nur der Anfang. Gerade mal einen Meter hoch und 70 Zentimeter breit ist das Segment, das in diesem Jahr für 1000 Euro repariert wurde. Aus acht solchen Teilen besteht aber jedes der insgesamt zehn sanierungsbedürftigen Kirchenfenster. "Bei diesen Größenordnungen können wir die Reparatur nur in kleinen Dosen bewerkstelligen", sagt Friedrich Weber, Vorsitzender des Fördervereins Stüler-Kirche Langen. "Wir können nur einmal im Jahr so ein Fensterteil aufarbeiten." Und das auch nur, wenn dem Verein genügend Spenden zur Verfügung stehen.

Damit die Kasse für diese und andere Aufgaben gefüllt wird, veranstalten die Langener zusammen mit dem Berliner Architekten Weber seit 15 Jahren das Wildschweinfest. Rund 600 Gäste kommen Jahr für Jahr bei dieser Benefiz-Fete zusammen. "Dass das Fest so ein Erfolg werden könnte, hätte am Anfang niemand gedacht", sagt Friedrich Weber, der nicht nur Veranstalter, sondern auch Gastgeber ist: Ein Teil der Feier findet direkt auf seinem Hof statt. Berliner machen bei den Gästen aber nur einen kleinen Teil aus. 95 Prozent kommen aus Langen und Umgebung, schätzt der Vereinschef. "Das ist ein absolutes Dorffest", sagt der 71-Jährige. In diesem Jahr aber werden neben einer Geburtstagsgesellschaft aus Wustrau auch zwei größere Gruppen aus der Hauptstadt erwartet: 25 Radfahrer sowie 20 Biker. Die letzteren sind mittlerweile treue Fans der Fete – und eine neue Attraktion. "Das sind keine Hells Angels, sondern Kreativleute, die mit ihren seltenen Motorrädern, das sind so richtig handgemachte Sondermaschinen, hier aufschlagen", sagt Weber. "Die schauen sich viele gerne an."

Weber ist egal, ob die Leute wegen des Wildschweinmahls, der Musik oder letztlich der Maschinen nach Langen kommen. Hauptsache: Sie kommen. Denn nicht nur die Fenster hat der Verein derzeit in der Mache. Auch der Innenraum der Kirche wird gestrichen – für 10 000 Euro. Bis Ostern sollen die Wände des oberen Kirchenschiffs in einem warmen Sandsteinton erstrahlen. Im Sommer ist der untere Teil dran. Außerdem lässt der Verein die Sakristeitüren in Eiche nachbauen. "Und der Boden der Empore muss auch dringend saniert werden. Unsere größte Herausforderung ist aber die Apsis", sagt Friedrich Weber und seufzt. Denn der Altarraum muss für die Frischekur ganz eingerüstet werden – und das kostet. "Das ist eine Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte."

Und dann wäre da noch die Orgel. "Das ist der größte Hit", sagt der Vereinschef. "Die klingt direkt wie die im Straßburger Münster." Allerdings nur, weil die Pfeifen Attrappe sind: Die echten sind weg – der Organist Thomas Brix hat der Kirche eine Digitalorgel spendiert und alle sind von ihrem Klang begeistert. Deshalb steht für Weber fest: "Die Orgel wird nicht angefasst." Die Sanierung würde in Hunderttausende gehen – und das könnten die Langener nicht mit dem attraktivsten Wildschweinfest auffangen. (Von Celina Aniol)

Märkische Allgemeine vom 31. August 2012

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