Feine Backsteingotik im Havelland

Hochrangige Kirchenvertreter besichtigen die Buckower Kirche

BUCKOW - Anna Meise und Carl Altefrohne studieren Denkmalpflege an der TU Berlin. Den Bauzustand der Buckower Dorfkirche haben sie zum Thema ihrer Masterarbeiten gemacht, an denen sie gerade sitzen. Dazu sind sie vor Ort in Buckow, nehmen die Kirche in Augenschein und erfassen Daten. Unterbrochen werden sie dabei selten. Gelegentlich kommen Besucher, um zu fragen, was sie machen. Am Montag war es anders. Da war in und um die Kirche ungewöhnlich viel Betrieb für einen Wochenanfang. Ulrich Seelemann, Präsident des Konsistoriums der Evangelischen Kirche Berlin- Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Kirchenoberbaurat Matthias Hoffmann-Tauschwitz und Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen waren auf einer Bustour unterwegs. In Buckow bei Nennhausen machten sie Station, um die 1344 erstmals urkundlich erwähnte Dorfkirche zu besichtigen. Friedericke Seim und Christoph Reinicke vom Förderverein Dorfkirche Buckow nahmen die Gäste im Empfang.

Bernd Janowski konnte sich noch gut an das Jahr 2007 erinnern. Damals wurde diskutiert ob die Kirchengemeinde die Buckower Wallfahrtskirche verkaufen soll. Einen Interessenten gab es. Die Kirchengemeinde entschied sich gegen einen Verkauf. Das war auch im Sinne von Ulrich Seelemann. "Wir brauchen unsere Kirchen", sagte er am Montag in der Buckower Kirche, für die sich der vor drei Jahren gegründete Förderverein mit 15 aktiven Mitgliedern engagiert. Er setzt sich für den Erhalt des Bauwer-kes ein und organisiert jährlich in der Kirche fünf oder sechs kulturelle Veranstaltungen. Seit der Gründung des Fördervereins wurde das Außengelände beräumt, Stühle angeschafft, ein Toilettenhäuschen gebaut und ein Wallfahrtsweg angelegt. Historische und bauarchitektonische Forschungsarbeiten wurden unterstützt. In diese Richtung müsse noch mehr getan werden, sagte Christoph Reinicke vor dem Ostportal der Kirche, das dringend eine Sanierung braucht.

Die Kirche zu Buckow ist nicht nur ein bedeutendes Beispiel norddeutscher Backsteingotik, sie ist auch eines der wenigen Zeugnisse mittelalterlicher Wallfahrten in der Mark Brandenburg die man auch den Besuchern der Buga 2015 näher bringen möchte, erzählt Friedericke Seim den Gästen. Verschiedene Geschichten ranken sich um den Bau: Berichtet wird nicht nur von einem im Mittelalter recht beliebten Hostienwunder, sondern auch von einem Jung- oder Wunderbrunnen sowie einer möglicherweise vorhandenen Krypta.

Die Wiederbelebung der Wallfahrtskirche in den letzten Jahren beruht auf bürgerschaftlichem und kirchengemeinschaftlichen Engagement, sagt Thomas Tutzschke, Superintendent des Kirchenkreises Nauen- Rathenow. Um das Gotteshaus zu erhalten, muss aber noch einiges getan werden. Für eine Gesamtsanierung sind einem Gutachten zufolge 378 000 Euro notwendig. Ein erster Fördermittelantrag wurde mit Erfolg gestellt. Auch wenn der Anfang bescheiden wirkt, hat man doch 35 000 Euro zur Verfügung, mit denen man dieses Jahr die Holzkonstruktion des Turmes sanieren und die Elektrik erneuern kann. (Von Norbert Stein)

Märkische Allgemeine vom 29. August 2012

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