"Die Kirche muss im Dorf bleiben"

Sommerausstellung über den Stararchitekten Persius lockte am Samstag viel Besucher nach Brügge

BRÜGGE - "So wie es aussieht, habe ich zu wenig Programmzettel gedruckt. Mit so vielen Leuten hatte ich nicht gerechnet", stellte Pfarrer Christian Ruch am Samstagnachmittag in der Brügger Kirche fest. Mehr als 90 Besucher waren der Einladung des neugegründeten Fördervereins Persiuskirche Brügge (Amt Meyenburg) in das kleine Gotteshaus gefolgt.

Auch Georg Zander, Vorsitzende des Fördervereins, war begeistert: "Wir sind überwältig, dass so viele gekommen sind. Wir wollen die Einwohner für unser Projekt sensibilisieren, denn ohne sie ist die Umsetzung nicht möglich." Diesen Aspekt sprach auch Pfarrer Ruch in seiner Rede an: "Die Sanierung ist erst dann erfolgreich, wenn das Gotteshaus auch mit Menschen und Leben erfüllt ist."

Welchen Schatz die Brügger in ihrem Rundlingsdorf haben, verdeutlichte dann der Perleberger Gordon Thalmann von der unteren Denkmalbehörde. Dieser war es auch, der herausfand, dass es sich bei der Brügger Gotteshaus um das Erstlingswerk des späteren königlich-preußischen Architekten Reinhold Persius handelt. Der Architektensohn hatte zwischen 1864 und 1866 den Bau selbst geplant und umgesetzt.

Patronatsherr Otto August Alexander von Rohr ließ 1862 mehrere Entwürfe für einen Kirchenneubau in Auftrag geben und entschied sich schließlich für den noch relativ unbekannten Architekten Reinhold Persius, Sohn des bekannten "Baumeisters des Königs" Ludwig Persius. Eine Rolle bei der Entscheidung könnte auch gespielt haben, dass ein Bruder des Architekten zur damaligen Zeit Landrat in Kyritz war. Das dortige Landratsamt durfte Persius in den Jahren 1865/66 errichten.

"In den darauffolgenden Jahren entwickelte er sich zum Stararchitekten in Potsdam und Berlin. Die Brügger können von Glück reden, dass sie noch den unbekannten Persius für ihren Bau engagierten. Als königlicher Architekt wäre Persius für die kleine Gemeinde unbezahlbar gewesen", so Thalmann.

Einen Eindruck vom Talent des Architekten konnten die Besucher am Samstag gewinnen. Rund 30 Reproduktionen von Architekturzeichnungen Persiusí waren in der Persiuskirche zu Brügge ausgestellt. Für die Zukunft könnte sich der Förderverein auch eine Dauerausstellung im Gotteshaus vorstellen. "Dafür müssen wir jedoch erst Voraussetzungen schaffen, wie die Sanierung des Dachwerkes. Aber um das zu realisieren, brauchen wir gut 200 000Euro", erzählt Zander. Und selbst damit wären die Sanierungsarbeiten noch lange nicht beendet. Denn auch der Innenraum mit Orgel und Kanzel ist renovierungsbedürftig.

Eine kleine Starthilfe in Form von 1250 Euro bekommt der Verein mit seinen mittlerweile 27 Mitgliedern am 7. September in Steffenshagen überreicht. Sie gehören damit zu den diesjährigen Preisträgern eines Wettbewerbes des Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg.

Spenden an: Förderverein Persiuskirche, BLZ: 16 06 01 22, Volks- und Raiffeisenbank Prignitz, Kontonummer 4 13 74 26. (Von Anne Voß)

Märkische Allgemeine vom 28. August 2012

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