Aus dem Schlaf erwacht

Nennhausen (MZV) Erd-, Feuer-, Luft- und Wassergeister - die Romantik liebte diese mythischen Gestalten. Rund um Nennhausen fand Friedrich de la Motte Fouqué reichlich Inspiration. Sein berühmtester Wassergeist, die 1811 erschienene "Undine", hätte sich bestimmt wohl gefühlt in der damals noch wald- und wasserreicheren Region.

 
Interessante Details zur Geschichte finden sich auf www.wallfahrtskirche-buckow.de.
© privat

Ob Fouqué die sonderbare Insellage des ehemals slawischen Dorfes Buckow (Gemeinde Nennhausen) erlebte, ist ungewiss. Die ehemalige Wallfahrtskirche sah er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Und ihren Fisch als Wetterfahne. In Zeiten vor der Reformation soll der Turm mit Fackeln in seinem Inneren Wallfahrern den Weg geleuchtet haben, die auf Booten nach Buckow gelangten. Passend zur "Undine" und der damals sehr wässrigen Luchlandschaft soll ausgerechnet ein Wunderbrunnen die Pilger angelockt haben.

Buckower Geschichten faszinieren noch heute. Davon können sich die am 27. August erwarteten Besucher überzeugen. Dabei handelt es sich um Teilnehmer einer Pressereise, die in Berlin beginnt und um 15.00 Uhr die Wallfahrtskirche erreicht. Mit dabei sind unter anderem der Leiter des Kirchlichen Bauamts, Kirchenoberbaurat Matthias Hoffmann-Tauschwitz, und der Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen e.V., Bernd Janowski. Organisator ist die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg (EKBO). Weitere Stationen der Tour sind die Gotteshäuser in Selbelang, Pessin und Zeestow. Die Objekte stehen für Dorfkirchen in verschiedenen Stadien der Sanierung. In Buckow liegt lediglich ein Sanierungskonzept vor, das das Brandenburger Architekturbüro Krekeler Ende 2011 erstellte. Die darin genannten Kosten belaufen sich auf 378.500 Euro. Als dringend notwendig wird die Sanierung der Holzkonstruktion im Kirchturm sowie die Erneuerung der Elektroinstallation erachtet, was den ersten Bauabschnitt darstellen würde. Ein potenzieller Fördermittelgeber, das Landesamt für Ländliche Entwicklung (ILE), hat die Buckower Kirche inzwischen als denkmalgeschütztes Gebäude mit hohem Kulturwert eingeschätzt.

Dass es soweit kam, ist auf das Engagement alteingesessener und zugezogener Bürger auf dem Lande zurück zu führen. Ihnen gelang zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Wiederbelebung, nachdem das Bauwerk ab 1911 in einen Dornröschenschlaf gefallen war. Im Juli 2008 gab es das erste Konzert in der Wallfahrtskirche, 2009 gründete sich ein Förderverein. 2011 wurde der "Buckower Wallfahrtssommer", eine kulturelle Veranstaltungsreihe, aufgelegt. Am 9. September gibt es ein "Junges Konzert für altes Gemäuer". Es ist Teil der Aktionsreihe "Musikschulen öffnen Kirchen" zum "Tag des offenen Denkmals". Im August wurde ein Pilgerweg in Buckow eingeweiht.

Märkische Oderzeitung vom 24. August 2012

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