In jedem Satz eine Pointe

Neu Zittau. In jedem Satz findet sich eine Pointe, und alles Ernsthafte ist ins Gegenteil verkehrt: Zu einer köstlichen Aufführung von Oscar Wildes Komödie "Bunbury" hatte der Förderverein in die Kirche Neu Zittau eingeladen.

In dem Stück finden sich zwei Brüder auf Umwegen. Außerdem werden Verlobungen gefeiert, und es passiert noch vieles mehr. Gerd Natschinski verarbeitete die Vorlage im Jahr 1964 höchst erfolgreich zum Musical "Mein Freund Bunbury".

Das Ensemble "Theater in der Kirche" gastiert schon seit neun Jahren in Neu Zittau, kann hier jeweils die gesamte Endprobenzeit unter optimalen Bedingungen absolvieren.

Erstmalig hat Elena Brückner die Regiearbeit von Heidi Walier übernommen. Sie konnte ein flüssiges Spiel organisieren, bei dem alle sprachlichen Nuancen der literarischen Vorlage voll zur Geltung kamen. Regisseurin Elena Brückner trat auch auf - sie übernahm die Rolle der Hausdame.

Das Stück wird mit schrecklich schrägen Stimmübungen eröffnet, die Constantin Gieseler als Kammerdiener Lane mit rhythmischen Bewegungen seines Staubwedels kommentiert.Elisabeth Degen (Miss Prism) war eine wundervoll perfekte Gouvernante, als Gwendolen erlebten wir Antje Gospodar, als Cecily Julia Klein, beides feurig-charmante Mädchen, die in dieser Inszenierung auch echte Gefühle produzieren durften.

Als Lady Bracknell, selbsternannte Hüterin aller Konventionen, agierte überzeugend Sabine Sommerfeld. Hannes Lindenblatt und Tobias Grabowski spielten mit Temperament die beiden Kavaliere.

Wie man solche Alibi-Figuren wie Bunbury erfinden kann, wird in dem Stück und in der Aufführung mit Charme vorgeführt. Und dass diese Figuren schließlich verschwinden, sogar sterben müssen, ist ihr Theater-Schicksal.

Zum Schlussbeifall wurde verdientermaßen der ganze ehrenamtliche Mitarbeiterstab auf die Bühne geholt.

Märkische Oderzeitung vom 21. August 2012

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