Ganz viel geschafft

In den 90er Jahren begann die Sanierung der Kietzer Kirche, jetzt ist sie beendet

KIETZ - Noch sieht es in der Kietzer Kirche aus wie auf einer Baustelle. In dieser Woche kamen jedoch Einwohner der Wische in der Kirche zusammen, um etwas zu feiern die alte Ausmalung ist wieder hergestellt und im nächsten Jahr können nun wieder regelmäßig Gottesdienste stattfinden.

Die Kietzer Kirche ist etwas Besonderes. Auf einer kleinen Anhöhe erhebt sie sich gut sichtbar. Sie ist aber auch von den Ausmaßen her imposanter als die Dorfkirchen der Gegend. Vielleicht hatte sie gerade deshalb im Speergebiet unter dem Grenzregime zu leiden. Fahrzeuge mit benötigtem Baumaterial durften den Einlass ins Sperrgebiet nicht passieren. Bewohner schafften das Material dann irgendwie zur Kirche.

Zum Zustand der Kirche 1990 meinte Pfarrer Wolfgang Nier am Mittwoch, "nach menschlichem Ermessen" war sie nicht mehr zu retten. Das Dach war stark beschädigt, Schwamm hatte sich überall ausgebreitet. Die Zeichen standen auf Abriss.

Es wurde überlegt, die Kirche durch eine kleine Kapelle zu ersetzen, da der Friedhof noch genutzt wird. Sigrid Tietz berichtete, wie es zu einem Sinneswandel kam. Am Stammtisch kamen einige Leute zu dem Schluss: "Das können wir doch nicht zulassen. Das können wir unseren Kindern nicht antun." 1999 wurde der Förderverein gegründet, dem Sigrid Tietz vorsteht. Damit erhielten die bestehenden Pläne und Bemühungen zum Erhalt der Kirche den wohl entscheidenden Schub.

Fast 15 Jahre hat es gedauert, bis die Kirche nun weitgehend saniert ist, meinte Architekt Peter Wieck am Mittwoch. Das sei länger gewesen, als die zwölf Jahre, in der die Kirche von 1892 bis 1894 erbaut wurde. Und er erhob hervor, dass das große Ziel Erhalt und Wiederherstellung der Kirche zu 90 Prozent aus der Region gestemmt wurde. Die Finanzierung trugen weitgehend die Kirchengemeinde Mödlich-Lenzerwische, der Förderverein, der Kirchenkreis Perleberg-Wittenberge, aber auch der Landkreis, die Sparkassenstiftung sowie der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg trugen zum Gelingen bei. Besondere Dank gilt Andreas Draeger, dem Vorsitzenden der Baukommission im Kirchenkreis, der sich verbissen für die Kietzer Kirche eingesetzt habe. Enttäuscht war mancher, dass weder Land noch Bund etwas für die im Grenzgebiet vernachlässigte Kirche beitrugen. 319 000 Euro kostete die Sanierung bislang. Nun sei die Kasse vollkommen leer, erklärte Wolfgang Nier, obwohl noch einiges zu tun bleibe. Schön wäre, wenn auch Kanzel und Chorgestühl restauriert werden könnten.

Wolfgang Nier meinte, die Worte "ganz viel" passten ausgesprochen gut zur Kietzer Kirche. Es sei ganz viel kaputt gewesen, es habe ganz viel Sorgen gegeben, es sei ganz viel Geld nötig gewesen und nun könne man ganz viel Dank sagen.

Die Gäste konnten am Mittwoch die Arbeit von Restaurator Mark Malinowski bewundern. Bereitwillig erklärte er die Restaurierung. Wie neu ausgemalt wirkt die Kirche. Doch hat er 35 bis 40 Prozent der alten Ausmalung erhalten können. Erst bei genauem Hinsehen, erkennt man die Unterschiede zwischen Alt und Neu.

Mit einem Festgottesdienst am Sonntag, 23. September, um 14 Uhr wird das Ende der Sanierung begangen. Am Sonntag, 30. September, ist für 13.30 Uhr eine Kaffeetafel mit besonderen Überraschungen angesetzt. Um 16 Uhr folgt dann der szenischen Opernabend mit "I Confidenti" aus Potsdam. (Von Michael Beeskow)

Märkische Allgemeine vom 18. August 2012

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