Soldaten retten Gotteshaus

Bundeswehr bewahrt Borkwalder Kirche vor dem Verfall / Fertigstellung zur 100-Jahrfeier geplant

BORKWALDE - Ting, ting, ting. Die Hammerschläge sind weithin zu hören. Hauptfeldwebel Brian Vollrath und Stabsunteroffizier Christoph Ganzert vom Logistikbataillon in Beelitz setzen neue Querstreben unter dem Dach der Waldkirche in Borkwalde ein. Im Innern des Gotteshauses liegen Werkzeuge und Hölzer verstreut auf dem Boden.

Durch das offene Fenster verläuft ein gespanntes Drahtseil. "Damit wurde die Kirche wieder ins Lot gebracht", sagt Sabine Borchert vom Gemeindekirchenrat. Die Erleichterung ist ihr anzumerken. Das Gotteshaus drohte nämlich noch vor kurzem einzustürzen. "Es neigte sich bereits um zwölf Zentimeter nach rechts", berichtet Borchert.

Der Bad Belziger Architekt Mike Enzmann schlug in einem Gutachten ebenfalls Alarm. "Es hätte sicher nicht lange gedauert und die Kirche wäre eingefallen", erklärt Enzmann.

Doch nicht das Fundament, wie zuerst vermutet, sondern die Dachkonstruktion ist das Problem. Ursprünglich war das Gotteshaus mit Dachpappe gedeckt. Dann kamen im Laufe der Jahre Dachsteine und schließlich Beton drauf. Der Aufbau war viel zu schwer.

Die Gemeinde konnte sich eine Sanierung allerdings nicht leisten. Als wieder einmal Salven vom nahen Truppenübungsplatz Brück/Lehnin zu hören waren, hatte Thomas Borchert schließlich die Idee. "Wir bitten die Bundeswehr um Hilfe."

Der angesprochene Militärdekan Utz Berlin war sofort dabei. Der Charme des versteckten Kirchleins hatte es ihm angetan. "Ohne Pfarrer Berlin hätte es nicht funktioniert", sagt Sabine Borchert.

Nach drei Monaten des bürokratischen Hürdenlaufs und dem Abschluss einer Vereinbarung konnten die Soldaten des Logistikbataillons dann schließlich beginnen.

Für die Militärs ist die Aktion eine Übung, denn auch in ihrem Einsatzgebiet könnten solche Tätigkeiten anfallen. Sie bringen momentan Diagonalbalken an, um die Dachkonstruktion zu stabilisieren.

Zur 100-Jahrfeier des Ortes wollen sie mit den Arbeiten fertig sein. "Dann übergeben wir das Gebäude besenrein", sagt Hauptfeldwebel Vollrath.

Der Borkwalder Peter Wolf filmt die Arbeiten und ist begeistert. "Es ist toll, was hier passiert, ich freue mich über die Rettung."

Für die Kirchengemeinde fallen nur geringe Kosten an. "Wir müssen das Gutachten, das Material und etwa 20 Prozent des Bundeswehreinsatzes als Eigenanteil aufbringen", zählt Sabine Borchert auf. Dafür wolle man im Ort noch Spenden sammeln.

Auch Pfarrer Clemens Bloedhorn ist die Freude über die Arbeiten anzusehen. "Es ist wohl einmalig, denn es sind nicht nur die Kirchenglieder, sondern viele andere Borkwalder, die Bundeswehr und der Kulturverein ’Zauche’, die mithelfen", sagt er. "Ohne die Hilfe der Bundeswehr wäre aber das alles nicht möglich gewesen", so der Geistliche. Als Dank an das Logistikbataillon werde die Kirche nun für Feldgottesdienste der Bundeswehr geöffnet.

Als nächstes steht jetzt die Sanierung des Fundaments und der Tragbalken der Waldkirche an. "Aber das hat noch Zeit, es ist alles in den Griff zu bekommen", sagt Sabine Borchert optimistisch. (Von Andreas Koska)

Märkische Allgemeine vom 15. August 2012

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