Bröckelig, aber ohne ernsten Dachschaden

Stüdenitzer Kirchturm bekommt demnächst die Krone zurück

STÜDENITZ - Das Hämmern hallt weit über das Dorf. Viel zu sehen ist allerdings nicht von dem, was sich da am Stüdenitzer Kirchturm tut. Dabei wäre es eine glatte Untertreibung, die seit gut vier Wochen laufenden Arbeiten als Reparatur zu bezeichnen. "Es geht um die Sanierung des Kirchturms von der Spitze bis zu den Fundamenten", erklärt Pfarrer Henning Utpatel. In zwei Bauabschnitten sollen dabei jeweils rund 200 000 Euro verbaut werden. Ein Drittel steuert das Land Brandenburg gemäß dem Staatskirchenvertrag bei; den Rest übernehmen die Landeskirche, der Kirchenkreis, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Stiftung Maßwerk und nicht zuletzt die Gemeinde Stüdenitz-Schönermark.

So viel Aufwand hat gute Gründe. Zwar tat sich an der 156 Jahre alten Kirche in den vergangenen Jahren eine Menge, aber der Turm blieb bislang weitgehend ausgespart. Dabei bröckelt es an ihm unübersehbar. Drei der vier Ziertürmchen (Fialen) am Fuß der Turmhaube beispielsweise waren bereits weg. "Und das, was noch stand, hätte bei einem Sturm jederzeit abstürzen können", so Utpatel. Wind und Wetter haben dem Klinkerbau zumindest äußerlich heftig zugesetzt. Doch die Substanz des Turms gibt offenbar wenig Anlass zur Sorge. Der alte Dachschiefer ist inzwischen entfernt. Das Gebälk weist zwar stellenweise Nässeschäden auf, ist aber grundsätzlich noch standfest. "Wahrscheinlich ist diese Dacheindeckung von 1892", vermutet Pfarrer Utpatel. "Da ist das Kreuz aufgesetzt worden."

Jetzt kam es zur Restaurierung wieder runter. Die Dokumente in der Turmkugel seien leider größtenteils verrottet, berichtet der Pfarrer. Zumindest die Reste habe man aber gesichert.

Inzwischen widmen sich die Firma Thinius aus Dahme und Dachdeckermeister Klaus Jankowski aus Plänitz bereits der Neueindeckung. Sobald das erledigt ist voraussichtlich gegen Ende August sollen auch Kreuz und Kugel frisch aufpoliert wieder auf die Spitze gesetzt werden.

Für dieses Jahr wird es das dann erst einmal gewesen sein. Das Gerüst wird über den Winter verschwinden das ist billiger, als weiter die Miete zu bezahlen. Nächstes Jahr geht es dann weiter. Insbesondere die Klinkerfassade wird Zuwendung verlangen. Viele Formziegel beispielsweise im Bereich der Schallluken sind zerbröselt und müssen aufwendig nachgefertigt und ersetzt werden. Auch die Ziertürmchen sollen neu entstehen. Die letzte verbliebene und inzwischen abgetragene Fiale dient als Muster. Und schließlich sind noch massenweise ausgewaschene Fugen aufzufüllen. Pfarrer Utpatel, in dessen Pfarrbezirk auch noch an den Kirchen in Berlitt sowie demnächst in Rehfeld und Vehlgast gebaut wird, ist heilfroh über die Unterstützung seines Amtskollegen Jürgen Brückner aus Zernitz, der die Turmrestaurierung fachkundig begleitet. Auch der Einsatz des Gemeindekirchenrates sei schlicht unverzichtbar. Fest steht für Utpatel schon jetzt: "Wenn der Turm nächstes Jahr fertig wird, dann ist die Kirche längst noch nicht fertig." Im Altarraum, in der Apsis, an der Kanzel und bei der Wandbemalung stehe noch viel, viel Arbeit aus. Aber zumindest sei die Bausubstanz der Kirche dann gesichert.

Und auf die Hilfe der Stüdenitzer kann Utpatel offenbar jederzeit setzen. Erst kürzlich befreiten sie bei einem Arbeitseinsatz den Rest der Kirchenbänke von der alten grünen Farbe. (Von Alexander Beckmann)

Märkische Allgemeine vom 02. August 2012

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