Majestätisch schlicht: Stendeller Kirche restauriert

Stendell (MOZ) Besonders kaputt war die Kirche in Stendell, allerdings ist sie auch außergewöhnlich alt. Ihre Sanierung war aufwändig. So wurde der Turm komplett abgetragen, in Luckau saniert und wieder neu aufgebaut. Auch der Rest ist jetzt saniert. Am Sonntag feiert die Kirche Wiedereinweihung.

 
Wahrzeichen von Stendell: Das Gotteshaus sei eine "schlichte Kirche", so Rüdiger Lüdke. Die Grundmauern der Feldsteinkirche sind aus dem 13. Jahrhundert. Prächtig strahlt sie nun nach der Sanierung mit einer vergoldeten Kugel
© MOZ/Oliver Voigt

Teile des Dachstuhls stammen aus dem 13. Jahrhundert, die Glocke auch. Das belegen Gutachten. Die Kirche in Stendell wurde wohl um 1250 herum gebaut. So alt wie sie ist, so kaputt war sie auch. Der Hausschwamm hatte sich überall tief eingefressen, so sehr, dass sogar die oberen Schichten des Mauerwerks zerstört waren. Der Turm, durch den das Wasser am meisten drang, war völlig marode, schief und drohte einzustürzen. Der Innenraum hatte Wasserschäden, auch hier drohte es alles einzustürzen. Das Dach war kaputt, die Holzbalken auch vom Pilz befallen.

Vor diesem Bild stand der Freundeskreis Feldsteinkirche Stendell 2002. "Das wollt ihr alles wieder aufbauen?", fragten die Leute ungläubig, erzählt Rüdiger Lüdke vom Freundeskreis. Heute steht er vor einer für 400 000 Euro komplett sanierten Kirche. Geschafft durch das Engagement der gerade einmal 16 Leute des Freundeskreises. Und natürlich der Einwohner des 350-Einwohner-Dorfes. Sie und andere Freunde spendeten bestimmt 10 000 Euro, schätzt Lüdke, allein beim letzten Fest im Mai kamen 2000 Euro zusammen.

Am Sonntag wird nun die Wiedereinweihung gefeiert. Ein langer Weg war es bis dahin. "Allerdings konnten wir immer wieder kleine Erfolge feiern, das half uns durchzuhalten", so Rüdiger Lüdke. 2002 wurde der Turm notgesichert, das Dach etwas abgedeckt, später der Innenraum mit Balken abgestützt. In einer spektakulären Aktion wurde der Turm abgetragen, nicht einfach bei der maroden Verfassung, sorgfältig Stück für Stück dokumentiert, nach Lukau geschickt und dort saniert. Teil für Teil wurde er dann in Stendell wieder aufgebaut. Das neue Holz der Turmverkleidung wird mit der Zeit silbergrau werden. 2010 wurde er neu bekrönt mit einer großen vergoldeten Kugel und der Wetterfahne nach historischem Vorbild. Viele Leute kamen zu dem Bekrönungsfest. Zuletzt wurde das Dach des Kirchenschiffs neu eingedeckt.

Im Innenraum hat ein Restaurator die alte Wandfarbe unter den Farbschichten entdeckt. Mit diesem Cremeweiß wurden die Wände neu gestrichen. Am Traufgesims sieht man jetzt die alten neogotischen Ornamente. "Das ist besonders schön, weil sie wie die Empore und die Innenausstattung aus der gleichen Gestaltungsphase, dem 19. Jahrhundert, stammen", so Architektin Bettina Krassuski. Auch eine Orgel besitzt die Kirche. "Eine schöne kleine Superorgel", sagt Rüdiger Lüdke voller Stolz. Sie ist von 1876 und ebenfalls restauriert. Im Innenraum hängen nun wieder die Kronleuchter und sie sind mit weißen Kerzen bestückt. Die Kirchenglocke aus dem 13. Jahrhundert läutet. Die zweite wurde im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Die Kirche wird nun wieder als Sommerkirche für Gottesdienste genutzt, erzählt Pfarrerin Monika Harney. Etwa alle sechs Wochen findet in Stendell einer statt. "Bewusst haben wir aber auch ein paar Bänke entfernt, damit Platz ist für andere Veranstaltungen wie zum Beispiel Vorträge", sagt Rüdiger Lüdke.

Märkische Oderzeitung vom 26. Juli 2012

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