Der Kirche wird aufs Dach gestiegen

Mitstreiter zur Sanierung des Sewekower Gotteshauses freuen sich über Fördermittel

SEWEKOW - Ein Stück Papier hält Ingeborg Ruge, Kirchenälteste der Kirchengemeinde in Sewekow fest, wie einen Goldschatz. Es ist der Fördermittelbescheid, den sie nun vom Landesamt für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung bekommen hat. Damit kann für sie und die Interessengemeinschaft zur Rettung der Dorfkirche in Sewekow die Hoffnung auf den dauernden Kirchenerhalt zur Realität werden.

"Mit großer Freude und Dankbarkeit habe ich den Bescheid in Empfang genommen. Damit werden wir nun ein großes Stück weiter kommen", bricht es aus der kleinen Frau heraus.

Viel Nerven, viele Absprachen und viel Überredungskunst hat es Ingeborg Ruge in dem vergangenen einem Jahr gekostet, um alle hellwach für das bedrohliche Bauwerksproblem zu machen. Da nun der Fördermittelbescheid in ihrer Hand liegt, wird es um so dringender, noch intensiver die Eigenmittel einzuwerben, um die Gesamtfinanzierung zur Komplettsanierung des Kirchendaches so hinzubekommen, dass die Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen und zum größten Teil sogar abgeschlossen werden können. Bislang ist es ein knappes Viertel der Eigenmittel durch Spenden in Benefizveranstaltungen und bei Sammlungen zusammengekommen. "Wir werden überall für unsere Sache Gesicht zeigen und noch deutlicher auf das Problem hinweisen. Ich mag eigentlich nicht in der Öffentlichkeit stehen. Aber für diese Sache tun wir nun alles menschenmögliche", kommt die Kirchenälteste nun selbst aus sich heraus. Die Förderzusage kommt zwar plötzlich, doch nicht so überraschend, wie mancher vermutet.

Es handelt sich um Leader-Fördermittel der EU. Im Januar hatte der regionale Leader-Vorstand gemeinsam mit den Mitgliedern die Prioritäten für dringliche Förderungen abgestimmt. Für die Dorfkirche Sewekow hatten damals schon ein Sanierungskonzept, eine Bauzustandsanalyse und auch der Fahrplan für die Eigenmittelbeschaffung vorgelegen. Diese Vorleistungen haben im Leader-Verein so überzeugt, dass die einsturzbedrohte Dorfkirche Sewekow sofort auf Platz eins der Prioritätenliste gesetzt worden war für den Fall, dass der Fördermittelhaushalt bewilligt wird. Dieser ist nun eingetreten. "Nun gibt es kein Zurück mehr", so Daniel Hauke.

Im Heimatverein Sewekow hatte sich eine Interessengemeinschaft zur Kirchenrettung gegründet. Auch mit der vollen Unterstützung durch den Ortsbeirat und Ortsvorsteher Daniel Hauke wurde weiter jeder Cent und Euro für die Spendensammlung eingeworben. Für dieses Engagement hatte es jedoch zuvor einen Initialzünder gebraucht. "Das war der Moment, als uns der auf eigene Kosten der kleinen Kirchengemeinde beauftragte Architekt reinen Wein über den tatsächlichen Bauzustand im Sommer des vorigen Jahres eingeschenkt hatte", sagt Daniel Hauke. Das hatte für einen Schreck im ersten Moment und dann zur Trotzreaktion geführt, dass sich die Mehrheit in dem Ortsteil über die eigene Konfession hinweg zum Erhalt dieser Kulturstätte bekannt hatte.

Gestern gratulierte auch Bürgermeister Jörg Gehrmann aus Wittstock zu diesem Bescheid. Er sichert der Interessengemeinschaft Unterstützung der Stadt zu. (Von Gerd-Peter Diederich)

Jeder kann helfen, dass die Kirche wirklich im Dorf bleibt, meint Gerd-Peter Diederich

Viele Hände

Die Sewekower Dorfkirche ist mehr als nur ein Treffpunkt für die Kirchgänger im Dorf. Mit ihrem Einsatz haben Einwohner in Sewekow die Fördermittelgeber überzeugt. Die Beratung von frühzeitig hinzugezogenen Bauexperten mit ihrer schnellen Erarbeitung fertiger Sanierungsvorschläge tat ein Übriges.

Die ganze, nur 240 Bürger zählende Dorfgemeinschaft machte deutlich, dass die Kirche im Dorf bleiben muss. Dazu stehen sie erst Recht bis zur fertigen Kirchendachsanierung. Jeder hat schon etwas Geld gespendet. Alleine werden es die Sewekower trotzdem nicht schaffen, den gesamten Eigenmittelanteil zusammenzutragen. Sie brauchen Hilfe und sie sind dafür auch dankbar. Denn diese Kirche und weitere Stätten in dem Dorf sind über die Region hinaus bekannte Adressen für Veranstaltungen, die es so nur hier gibt und die deshalb gerne besucht werden. Dafür kann sich jeder Interessent nun in der Stunde, in der es auf die volle Summe der Eigenmittel ankommt, als Freund von Baukultur und Dorfkultur zur richtigen Zeit zu erkennen geben und die Spendenkasse richtig füttern. Ob es die erfundenen Anteilsscheine für Sanierungsspenden sind oder Barmittel in der Büchse, jede Leistung garantiert den Fortbestand der Kultur in diesem Dorf.

Märkische Allgemeine vom 30. Juni 2012

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