Neben der Kirche steht schon der neue Turm

Auf dem Hermsdorfer Friedhof soll Anfang August schon das Richtfest sein

HERMSDORF Auf dem kleinen kirchlichen Friedhof in Hermsdorf (Amt Ruhland) haben die Zimmerer eine hölzerne Kirchturmspitze gebaut. In wenigen Wochen soll er dem über 500 Jahre alten Denkmal sein früheres Antlitz zurückgeben.

 
Hinter der alten Hermsdorfer Kirche wird fleißig gebaut. Kirchturmhaube und –spitze sind gezimmert, freuen sich Reinhard Noack und Christine Bergmann. Möglich geworden ist der Wiederaufbau des 1988 abgerissenen Kirchturmes durch ehrenamtliches Engagement und viele Spenden.
Foto: Steffen Rasche/str1
 

Im Hermsdorfer Kirchweg duftet es nach frisch bearbeitetem Holz. Aus ihm haben die Zimmerleute der Groß Dübener Firma Rösch dieser Tage eine neue Kirchturmspitze gebaut. Die steht jetzt auf dem Kirchhof, umgeben von einem etwa zehn Meter hohen Gerüst und wartet darauf, weiter hergerichtet zu werden. Reinhard Noack ist beeindruckt. "So groß hat die alte Kirchturmspitze von unten nie ausgesehen", steht er am Gerüst und kramt er in seinen Erinnerungen. Die müssen mehr als ein Vierteljahrhundert zurückgehen. Damals ist der Kirchturm abgerissen worden, weil er einzustürzen drohte. Nach der Wende kam der Wiederaufbau lange nicht in Gang. Vor vier Jahren hat der Kirchbauverein, dem Reinhard Noack vorsitzt, begonnen, sich der Erhaltung und des Wiederaufbaus des Bauwerkes anzunehmen und Spenden einzuwerben. Letzten Herbst kam die Fördermittelbewilligung: Der Kirchbauverein hatte den geforderten Eigenanteil durch emsiges Spendensammeln zusammenbekommen. 30 000 Euro sind das bei einem Kostenaufwand von insgesamt 375 000 Euro. Fördermittel und Darlehen helfen beim Finanzieren. Nun geht alles ganz schnell: Schon am 4. August, so bestätigt das Planungsbüro Jähne aus Cottbus, soll Richtfest sein. Zuvor muss die Giebelwand abgebrochen, das Dach geöffnet und der Unterbau für den Turm errichtet werden. Dann kann die Turmspitze aufgegesetzt werden. Auch die alte Glocke ist schon zur Reparatur. Sie wird am gleichen Tag ihren neuen Platz im Glockenturm finden. Christine Bergmann (63) aus dem Gemeindekirchenrat ist mehrmals in der Woche auf dem Friedhof. Hier sieht sie nach dem Rechten und kümmert sich um die Grünpflege. In den letzten Tagen kommen immer mal wieder Zaungäste, um bei den Bauarbeiten zuzusehen. "Ist doch schön, dass so viele daran Anteil nehmen", freut sie sich. Das wird hoffentlich auch zum Richtfest so sein, so hofft Reinhard Noack, und wenn am 9. September die Glocken in Betrieb genommen werden.

Heidrun Seidel

Lausitzer Rundschau vom 26. Juni 2012

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