Den Kulturschätzen in der Region verpflichtet

Seit zehn Jahren engagiert sich Luckauer Förderkreis für die Instandsetzung und Belebung der alten Gotteshäuser

LUCKAU Am morgigen Sonntag begeht der Förderkreis "Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz" sein zehnjähriges Bestehen. Mit Exkursionen, Fachtagungen, Konzerten und weiteren Aktivitäten wurden die Kirchen belebt und über die Region hinaus bekannt gemacht. Zudem brachte der Verein die Sanierung von Dächern und Gebäuden sowie die Restaurierung der kulturgeschichtlich wertvollen Innenausstattungen voran.

 
Förderkreis-Vorsitzende Annegret Gehrmann im Gespräch mit dem Historiker Angus Fowler, der beim Aufbau des Vereins vor zehn Jahren mit seinen Erfahrungen zur Seite stand.
Foto: B. Keilbach/bkh1

"Mit zwölf Kirchen begann die Arbeit im Jahr 2002. Heute gehören 37 der historischen Bauwerke zum Förderkreis", sagt die Vereinsvorsitzende Annegret Gehrmann.

Die Idee zur Gründung des Förderkreises sei während der Sanierung der Luckauer Nikolaikirche aufgetaucht, denn die vielen kleinen Kirchen in den umliegenden Dörfern seien ebenso sanierungsbedürftig gewesen. "Die einzelnen Kirchengemeinden waren jedoch viel zu klein, um solche Vorhaben personell stemmen zu können", blickt Annegret Gehrmann zurück. So erschien es sinnvoll, die Kräfte zu bündeln. Ziel war es, ein Netzwerk für die Kirchensanierung aufzubauen, dafür engagierte Interessenten zu gewinnen und Spenden zu sammeln.

Unterstützung erhielten die Luckauer Initiatoren dabei vom 1990 gegründeten Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, insbesondere vom damaligen Vorsitzenden, Angus Fowler. Der aus Schottland stammende Historiker setzt sich seit Jahrzehnten engagiert für den Erhalt der alten Kirchen als Zeugnisse deutscher Kulturgeschichte ein. "Während einer Tagung des europäischen Denkmalschutz-Verbundes "Europa Nostra" führte 1993 eine Exkursion nach Luckau. Das war meine erste Begegnung mit der Region und ihren mittelalterlichen Kirchen", erinnert sich Angus Fowler.

Zunächst musste eine breite Öffentlichkeitsarbeit auf den Weg gebracht werden, um die Besonderheit der Kirchen in bekannt zu machen, blickt Annegret Gehrmann auf die Anfänge. Einerseits blieb in vielen der im 12. bis 14. Jahrhundert erbauten Gotteshäuser die historische Ausstattung weitgehend erhalten, war jedoch stark in Mitleidenschaft gezogen. Andererseits sind die kleinen Dorfkirchen wertvolle Zeugnisse regionaler Geschichte. "Oftmals hatten die Vorfahren der Ortsansässigen an der Ausgestaltung der Kirchen mitgewirkt", erklärt die Vereinsvorsitzende. Zudem spiegle sich die Rolle des jeweiligen Patronats wider. Die Landes- und Grundherrn waren früher Schirmherrn über die in ihrem Besitz befindlichen Kirchen und verwirklichten sich in deren Ausgestaltung.Exkursionen im Frühjahr und Sommer jedes Jahres bringen dies nahe. "Menschen aus der Region lernen auf diese Weise die Kirchen in ihren Nachbardörfern kennen. Viele Interessenten kommen auch aus anderen Regionen, wie Berlin und Dresden." Konzerte und andere Veranstaltungen, die es in einzelnen Kirchen bereits gab, wurden zur Reihe "Musik und mehr in den Kirchen der Luckauer Niederlausitz" etabliert. Daraus entwickelten sich Benefizkonzerte, um Geld für verschiedene Projekte einzusammeln. Erweitert wurde diese ab 2004 in Zusammenarbeit mit dem Verein Großräschener Orgelkonzerte und der "Mixtur im Bass", die Musik auf historischen Orgeln darbietet. In Uckro gibt es jährlich einmal "Theater in der Kirche". Der Kontakt zum Kunsthistoriker und Bauarchäologen Dirk Schumann brachte eine Tagungsreihe hervor, die sich Themen der Kirchenerhaltung widmet, mit dem Schwerpunkt Nieder- und Oberlausitz. Gemeinsame Projekte mit dem Luckauer Gymnasium sollen junge Leute an das Thema heranführen. 2011 erschien ein Kalender des Förderkreises mit Schülerfotos aus den Kirchen.

Das Interesse an den historischen Gotteshäusern in der Region sei in den zehn Jahren deutlich gewachsen, resümiert die Vereinsvorsitzende. Auch das Leben in den Kirchengemeinden sei vielfältiger geworden und die niveauvollen kulturellen Angebote vor der Haustür fänden stets guten Zuspruch.

Die Jubiläumsveranstaltung beginnt morgen um 15 Uhr auf dem Pfarrhof in Langengrassau. Um 17 Uhr gibt der Luckauer Kammerchor "Cantemus" ein Festkonzert in der Pfarrscheune. Dort gibt eine Ausstellung über die Projekte des Vereins Auskunft.

Zum Thema:

Der Förderkreis sammelt Spenden, akquiriert Fördermittel und organisiert die Finanzierung von Sanierungs- und Restaurierungsvorhaben. Größte Projekte waren die Kirchen in Bornsdorf und Riedebeck. Außenhüllen, Fenster sowie Dächer wurden unter anderem in Goßmar, Langengrassau und Waltersdorf saniert, Objekte in Schlabendorf restauriert. In der Nikolaikirche Luckau erhielten Kanzel und Altar eine Verjüngungskur, ebenso der Altar in Waltersdorf und die Orgeln in Zieckau und Uckro.

Birgit Keilbach

Lausitzer Rundschau vom 09. Juni 2012

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