Caspar von Klitzing hat seine Nase zurück

In der Kirche in Borgsdorf-Pinnow wurde das restaurierte Epitaph enthüllt

BORGSDORF-PINNOW - Die von Friedrich August Stüler erbaute und im Jahre 1862 eingeweihte Dorfkirche im Borgsdorfer Ortsteil Pinnow wird schrittweise restauriert und befindet sich auf dem Wege zu altem Glanz. Am vergangenen Sonntag konnte das von Ulrich Schneider in akribischer Arbeit restaurierte Epitaph für Caspar von Klitzing enthüllt werden. Nun besitzt der vor 400 Jahren (am 8. Mai 1612) Verstorbene und in einem Relief Dargestellte wieder eine Nase, und auch der fehlende Finger wurde ersetzt. Vor allem aber hat sich der Restaurator beim Abtragen von vier, zum Teil grauschwarzen Farbschichten bemüht, den ursprünglichen Farbton wieder herzustellen. Nun strahlt das Epitaph in sandsteingelblichem Ton und fügt sich damit gut in die erneuerte grünbeigefarbene und marmorierte Quadrierung der rückwärtigen rechten Wand.

Die etwa 6000 Euro teure Sanierung konnte der Förderverein Kirche in Pinnow mit seinem rührigen Vorsitzenden Klaus Sokol an der Spitze vor allem durch die finanzielle Hilfe der Mittelbrandenburgischen Sparkasse ermöglichen. Zur feierlichen Enthüllung des Epitaphs hatte der Verein einige der in ganz Deutschland wohnenden Nachkommen der Familie von Klitzing zu Gast. Sie reisten aus Bonn, Frankfurt/Oder, Neubrandenburg und Gosen bei Erkner an, um sich eines ihrer Vorfahren zu erinnern. Und das in so ansprechendem Rahmen in der Stüler-Kirche, wo nicht nur die architektonische, sondern auch die historisch-inhaltliche Form so große Wertschätzung erfahre. Das betonte auch Georg von Klitzing, der das Leben von Caspar von Klitzing (1579 bis 1612) in einer kurzen Reminiszenz beleuchtete.

Viel ist von diesem Rittergutsbesitzer zu Pinnow und Nieder Neuendorf nicht bekannt. Er stammte aus dem mittelmärkischen Adelsgeschlecht der Klitzing, das 1237 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das Stammschloss der Klitzings befindet sich in Dermerthin bei Kyritz. Wie es dazu kam, dass sich eine Linie im Havelland niederließ, ist nicht bekannt. Caspar von Klitzing, mit Lehen in Pinnow und Nieder Neuendorf belegt, musste dafür dem Kurfürsten bei kriegerischen Auseinandersetzungen zu Diensten sein.

Mit den verschiedenen Verzweigungen der Ahnenreihe, dem Wappen und den Persönlichkeiten, die aus der Familie derer von Klitzing hervorgingen, hatte sich auch die aus Borgsdorf stammende und in Berlin lebende Kommunikationsdesignerin Jenny Kucharczyk beschäftigt. Ihre Ergebnisse dokumentierte sie in zwei Anschauungstafeln. Auf ihnen erscheint unter anderem der Name Friedrich von Klitzing (1779 bis 1844). Als preußischer Offizier kämpfte er nicht nur gegen Napoleon, sondern machte sich einen Namen als Flötist und Komponist.

Um auch diesem Vorfahren die Ehre zu erweisen, hatte Klaus Sokol mit Esther Krombholz, Flöte, und Marion Hofmann, Harfe, zwei exzellente Musikerinnen engagiert. Mit technischer Präzision und virtuoser Beschwingtheit interpretierten sie mit "Gesang in der Nacht" ein impressionistisch anmutendes Solostück für Harfe und als krönenden Abschluss eine frühromantische Fantasie in drei Sätzen: komponiert von Friedrich von Klitzing.

Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Kultursonntage findet am Sonntag, 3. Juni 2012, ab 16 Uhr, statt. Es konzertiert der Gemeindechor Borgsdorf-Birkenwerder unter dem Motto: "Alleweil ein wenig lustig ". (Von Rotraud Wieland)

Märkische Allgemeine vom 22. Mai 2012

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