Kirchturmspitze kommt früher und wird teurer

 
Westansicht der Kirche mit Turm nach der Sanierung.
Zeichnung: IBS

Bereits im Herbst dieses Jahres - und damit früher als geplant - könnten die Groß Lübener ihre Kirche mit einem neuen Turm feiern. Bis dahin strebt die ibs - Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung in Hoppegarten die Realisierung des Bauprojektes an. Auf einer Informationsveranstaltung, die diese Woche in der Kirche stattfand, wurde zudem mitgeteilt, dass die Ausschreibungen für die Firmen seit März beendet sind und die ausführenden Handwerksbetriebe feststehen. "Wir bemühen uns, den Turm eins zu eins zum Originalturm nachzubauen", erläuterte Bauleiter André Degenhardt. Dieser war 1984 nach einem Sturm abgestürzt. Seitdem hat die Kirche ein flaches Notdach.

20 Meter hoch soll der neue Turm werden, auf dessen Spitze ein weithin sichtbares Kreuz mit einer Kugel. Die Unterkonstruktion aus Kiefer wird komplett am Boden neben der Kirche angefertigt. Das Holz soll Ende des Monats geliefert werden. Anschließend verkleiden ihn Dachdecker mit hochwertigem Schiefer, so Degenhardt. Als etwas ganz Besonderes bezeichnet er die vier Ecktürmchen am Sockel der Kirchturmspitze. Sie wird es - getreu dem Original - wieder geben, und sie werden den Turm zu einem ganz besonderen Hingucker machen.

Die Planer berücksichtigen außerdem die Gauben an jeder Seite des Turmes. Sie sind zwischen den Ecktürmchen angebracht und beherbergen die Zifferblätter der Turmuhr. Auf ein winziges Detail, das dem Laien kaum auffallen dürfte, wird hingegen verzichtet: "Auf Originalzeichnungen sieht man noch Auslässe sehr weit oben kurz unter der Spitze. Da niemand weiß, wozu sie dienten, lassen wir sie weg", erläuterte Degenhardt.

Im Zuge des Projektes wird auch die Balkenkonstruktion auf dem Mauersockel erneuert. Die sei vor gut 25 Jahren das letzte Mal saniert worden und ist heute marode. Ist das neue Dach auf dem Boden fertig, wird es mit Hilfe eines Krans in einem Stück auf das Mauerfundament gehievt. Degenhardt rechnet Anfang September damit. Doch schon jetzt macht er darauf aufmerksam, dass die Kosten, wie sie vor etwa einem Jahr geplant worden waren, um rund 12 000 Euro steigen werden. Grund seien die erhöhten Rohstoffpreise. Die Deckungslücke eingerechnet, beläuft sich die Bausumme derzeit auf 176 000 Euro, bestätigte Pfarrer Norbert Merten. Das brandenburgische Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung fördert das Vorhaben mit 103 000 Euro. Den Rest des Geldes müsse die Kirchengemeinde aufbringen, so Merten. Um die fehlenden 12 000 auszugleichen, bittet Merten noch einmal inständig um Spenden. "Wir sind darauf angewiesen, es wäre schön, wenn wir die Summe zusammenbekämen."

Steht erst einmal das Gerüst am Turm, lässt die Kirchengemeinde notwendige Reparaturen durchführen, die nicht Bestandteil des Projektes sind. Mit finanzieller Unterstützung vom Kirchenkreis und dem Arbeitskreis "Alte Kirchen" sowie dem Förderverein soll die Fassade in neuem Glanz erstrahlen, Fugen werden ausgebessert, defekte Mauersteine ersetzt. Die hölzernen Schallluken für die Glocken werden ebenfalls saniert. Mit diesen Maßnahmen wird die Kirche rechtzeitig zum 675. Dorfjubiläum 2014 in altem Glanz erstrahlen. Auch die Fassade des Kirchenschiffes ist mit Unterstützung des Landkreises und des Kirchenkreises bereits vor einigen Jahren ausgebessert worden.

Der Prignitzer vom 11. Mai 2012

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