Mit 3022 Pfeifen die Größte

Orgel der Wittenberger Kirche wird saniert / Wiedereinweihung am 17. Juni

WITTENBERGE - "Soli Deo Gloria" Allein Gott sei die Ehre. Unter diesem Motto wird die festliche Wiedereinweihung der Wittenberger Orgel am Sonntag, 17. Juni, stehen.

Doch zuvor gibt es noch einiges zu tun in der Gemeinde selbst und in Werder bei Potsdam. Dort liegt derzeit die mit insgesamt 3022 Pfeifen größte Kirchenorgel Westbrandenburgs in Einzelteilen in einer flachen Werkhalle. Die Orgelbaufirma Schuke Potsdam hat die Aufgabe, die 1934/1935 vom Wittenberger Orgelbauer Martin Pflug aus Teilen des Vorgängers gefertigte Orgel zu restaurieren.

Unter den jahrelangen Bauarbeiten während der Sanierung der kompletten Stadtkirche von 1872 hat die Orgel besonders gelitten. Während der Bauarbeiten zu Beginn des Jahrtausends stand monatelang das Dach offen. Die Orgel war den Witterungseinflüssen frei ausgeliefert. Von außen mag sie noch recht ordentlich aussehen, ihr Inneres aber ist stark beschädigt. Feuchtigkeit und Staub drangen hinein. "Die Orgel ist stark verdreckt und dadurch auch verstimmt und gedämpft in ihrer Lautstärke", berichtet Johannes Wauer, Kantor und Orgelsachverständiger im Kirchenkreis, über die Schäden. Die elektrische Steuerung, welche noch aus dem Baujahr 1935 stammt, war teilweise derart zerschlissen, dass von ihr akute Brandgefahr ausging. Zwölf der 49 Register lassen sich laut Wauer gar nicht mehr einschalten. Nicht nur das Pfeifenwerk trägt Schäden, auch das in den Taschenladen verarbeitete Leder verschleißt bei 80 Jahren Nutzung.

Die überregionale Bedeutung der Orgel zeigt sich auch darin, dass Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck die Schirmherrschaft für die Renovierung übernommen hat. Er schreibt in einem Grußwort: "Künftig soll wieder die ganze Bandbreite der Orgelliteratur auf ihr erklingen: von der musikalischen Ausgestaltung der Gottesdienste hin zu den großen sinfonischen Orgelwerken, von Orgelführungen für Schulklassen hin zu gemeinsamen Konzerten mit der Kreismusikschule."

Die Bandbreite ist wahrlich groß. So ist die Wittenberger Orgel eine der wenigen Exemplare, die Klangmöglichkeiten sowohl für barocke als auch für romantische Stücke bietet. Sie so zu konstruieren, war zu Zeiten ihrer Erbauung üblich. Diese seltene Besonderheit brachte ihr im Januar vergangenen Jahres den Titel "Orgel des Monats ein", der monatlich von der Stiftung Orgelklang der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vergeben wird. Die Stiftung ist es auch, die durch Förderungen viele Arbeiten an Orgeln erst ermöglicht. Für das Projekt in Wittenberge flossen 10 000 Euro.

Das Vorhaben wurde teurer als zunächst gedacht. Letztlich wurden von der Firma Schuke Potsdam 185 000 Euro veranschlagt. Viel Geld, das sich hoffentlich als sinnvoll eingesetzt erweist, wenn am Nachmittag des 17. Juni die Orgel wieder eingeweiht wird. Die Wittenberger Kirchengemeinde nimmt dies zum Anlass, das jährliche Gemeindefest zu feiern. Nach Festgottesdienst und Kaffeetafel wird um 17 Uhr Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger aus Görlitz ein Konzert auf der frisch restaurierten Orgel geben.

Programm am Sonntag, 17. Juni: 14 Uhr Festgottesdienst in der Stadtkirche Wittenberge, 15 Uhr Kaffeetafel in und an der Kirche, 17 Uhr Orgelkonzert (Von Matthias Sommer)

Märkische Allgemeine vom 11. Mai 2012

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