30 Tonnen und viel Holz

Ablauf des Turmspitzenbaus für Groß Lübener Kirche vorgestellt /Weitere Spenden benötigt

GROSS LÜBEN - Riesige Mengen Holz gelangen in den nächsten Monaten nach Groß Lüben. Dreißig Kubikmeter werden insgesamt gebraucht, um den Kirchturm wieder in alter Pracht erscheinen zu lassen. Die alte Spitze stürzte 1984 bei einem Sturm ein. Die klaffende Öffnung, die sie hinterließ, wurde damals nur notdürftig mit einem Flachdach verschlossen. Wie sich der Wiederaufbau der Turmspitze im Einzelnen gestalten wird, war am Dienstagabend auf einer Informationsveranstaltung in der Kirche zu erfahren, zu der der Gemeindekirchenrat als Bauherr eingeladen hatte.

Bereits Anfang Juni soll neben der Kirche zu ebener Erde ein Gerüst aufgestellt werden ebenso wie dies beim Turmspitzenbau in Putlitz vor einem Jahr geschah. Auch damals betreute das Büro IBS aus Hoppegarten das ehrgeizige Projekt, die Kirche wieder zum weithin sichtbaren Wahrzeichen des Ortes umzugestalten. Wie Planer André Degenhardt am Dienstag erklärte, wäre es technisch nicht möglich, die Spitze in 35 Metern Höhe zu errichten. So wird sie nun eingehaust vom Gerüst komplett am Boden erbaut und letztlich mit einem 320-Tonnen-Kran oben auf den Turm gehievt und dort verankert.

Den Löwenanteil des Auftrags haben die Zimmerer abgefasst. Auf achteckigem Grundriss bauen sie die sich nach oben hin verjüngende Hülle der Kirchturmspitze. Anschließend machen sich die Dachdecker ans Werk und verkleiden sie mit Schieferplatten. Dies soll im August passieren. Etwa zur gleichen Zeit wird auch das provisorische Turmdach entfernt und die Mauerkrone vorbereitet, auf der die Spitze später ruhen soll. Dafür wird pilzresistentes Eichenholz verwendet. In einer spektaktulären Aktion, die mindestens eine halbe Stunde dauern wird, soll die fertige Spitze dann etwa Ende September auf den Turm gesetzt werden. Da sie rund 30 Tonnen wiegt, wird sie mit Metallankern im Mauerwerk und an den Deckenbalken befestigt.

Als Bauherr machte Pfarrer Norbert Merten darauf aufmerksam, dass die Kosten des Turmspitzenbaus noch nicht zu hundert Prozent gedeckt sind. Entgegen vorheriger Schätzung verteuere sich das Projekt auf 176 000 Euro. Da dem Antrag auf Fördermittel aus dem Leader-Plus-Fonds ein niedrigerer Wert zugrunde gelegen habe, ergebe sich nun ein Defizit von 12 000 Euro. Zudem habe sich herausgestellt, dass auch die Fassade der Kirche dringend sanierungsbedürftig ist. Da das Gotteshaus während der Arbeiten am Turm ohnehin eingerüstet sei, liege es nun nahe, die Fassade in einem Aufwasch restaurieren zu lassen. Abzüglich eines Anteils von 7000 Euro, das der Kreiskirchenrat bereit wäre beizusteuern, einer Rücklage der Kirchengemeinde von 13 500 Euro und Haushaltsmitteln von 6 500 Euro belaufe sich das Defizit für beide Projekte auf 12 000 Euro. Die Nachbarkirchgemeinden Hinzdorf und Klein Lüben hätten angeboten, das Geld als Darlehen zur Verfügung zu stellen.

Pfarrer Norbert Merten appellierte aber auch an alle Gemeindeglieder, sich mit einer weiteren Spende an den beiden Vorhaben zu beteiligen. "Auch wenn es nur kleine Summen sind, es würde uns sehr weiterhelfen", sagte er.

Bernhard Behrens, Vorsitzender des Fördervereins, wollte wissen, wann Richtfest gefeiert werden könne. Dies sei möglich, bevor die Dachdecker ihre Arbeit beginnen, sagte der Planer. Das sei Ende Juli, Anfang August soweit. (Von Dorothea von Dahlen)

Märkische Allgemeine vom 10. Mai 2012

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