Gefahr am Falkenthaler Kirchturm

Falkenthal (MZV) Manchem ist es vielleicht schon aufgefallen: Über Falkenthal erklingt zurzeit zum Feierabendläuten am Freitag nur eine statt der drei Kirchenglocken. Der Grund: Das Mauerwerk im Fachwerk-Kirchturm ist lose und droht herauszufallen.

 
Pfarrer Hans-Joachim Vanselow hat eine neue Sorge: Das Mauerwerk im Turm droht abzustürzen.
© Dzienian

"Eigentlich hätte der Turm gut noch ein paar Jahre halten können bis ich in Rente gehe", sagt Pfarrer Hans-Joachim Vanselow ein wenig selbstironisch. Doch jetzt müssen er und der Gemeindekirchenrat sich mit dem Schaden befassen. "Vor fünf Jahren haben wir das Dach saniert." Schon das hat damals 150000 Euro gekostet und zwei Jahre gedauert. "Der Schaden am Turm war da noch nicht so akut. Aber jetzt ist er es", so der Geistliche. Über die Jahre schwinde nunmal das Holz, sagt er.

Unter 100000Euro ist auch die Sanierung des Turms aus Sicht des Pfarrers nicht zu machen. "Einfach neu ausmauern wird nicht reichen. An einigen Stellen wird man das Fachwerk komplett erneuern müssen." Der Turm des Falkenthaler Sakralbaus heute existiert, ist gut 210 Jahre alt.

Der Glockenschlag ist also aus Sicherheitsgründen etwas minimiert worden. "Zum Gottesdienst läuten wir noch alle drei. Aber beim Feierabendläuten nur noch eine. Man spürt richtig die Vibration, wenn man im Turm in der Glockenstube steht", berichtet der Kirchenmann. Im Turm selbst ist deutlich zu erkennen, wie sich das Mauerwerk nach außen wölbt und Sonne zwischen Gebälk und Ziegeln durchscheint. "Das darf eigentlich nicht sein", so Vanselow.

Aus seiner Sicht gibt es zwei Möglichkeiten: "Erstens; ein Provisorium. Man könnte den Turm verbrettern. Das würde nicht besonders aussehen, aber man könnte das Problem vielleicht 20Jahre hinausschieben. "Der Denkmalschutz soll dem bereits lose zugestimmt haben. "Zweitens; man macht die Komplettsanierung, wenn der Turm danach wieder 100 Jahre halten soll."

Und so wurden Landeskonservator, ein Dachdecker und eine Architektin zusammengetrommelt, um sich den Turm anzusehen. "Wir wollten erst Fakten sammeln, die wir dem Gemeindekirchenrat für seine Entscheidung vorlegen können", so der Pfarrer.

Die Finanzierung eines solch großen Bauvorhabens wird erneut eine große Herausforderung sein. Kirchengemeinden wie die in Falkenthal bekommen jedes Jahr nur ein paar Tausend Euro Baukostenzuschuss von der Evangelischen Landeskirche. "Viel übrig bleibt da nie. Im Moment reden wir über Kissen für die Kirchenbänke", erzählt er und zückt den Taschenrechner. "Das aktuelle Angebot liegt so, dass wir 91laufende Meter bräuchten. Das allein kostet 5000Euro."

Über sogenannte Staatsleistungen besteht die Möglichkeit, dass pro Kirchenkreis eine Kirche mit staatlichen Mitteln gefördert wird. "Man kann ber nicht davon ausgehen, dass wir sofort an die Reihe kommen", so Vanselow. Die Gemeinde müsste zudem Eigenanteil aufbringen. "Kirchen sind Wahrzeichen in den Dörfern. Sie müssen auf jeden Fall erhalten bleiben, obwohl viele in immer schlechteren Zustand sind", sagt er. Noch während des Pressegesprächs kommt ihm plötzlich die Idee: "Vielleicht lässt sich ein Förderverein gründen. Wenn hundert Leute da Mitglied sind, und jeder zahlt zwei Euro im Monat, ließe sich mal eben der Baukostenzuschuss verdoppeln. Es gibt ja Leute, die nicht in der Kirche sind. Und die dürfen leider auch keine Kirchensteuer zahlen", versucht er dem Ärger mit Humor zu begegnen. "Aber vielleicht möchten sie helfen." Die Idee will der dem Gemeindekirchenrat vortragen.

Märkische Oderzeitung vom 26. April 2012

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