"Sensenmann"-Epitaph wird restauriert

Booßen (MOZ) Die Wulkower Dorfkirche ist - bis auf den Altar - leer geräumt. Die Innenausstattung musste für die anstehenden Sanierungsarbeiten weichen. Das schwierigste Unterfangen war das Abnehmen des wandhohen barocken "Sensenmann"-Epitaphs. Das hölzerne Denkmal ist wurmstichig und soll restauriert werden. Parallel dazu werden Turm und Mauerwerk saniert.

 
In Einzelteilen: der Frankfurter Restaurator Bernhard Klemm mit den zum barocken Burgsdorff-Epitaph gehörenden Holzplastiken.
© Johann Müller

"Mit dem Ausräumen des Gestühls haben wir schon Anfang März begonnen", berichtet Ingo Kruggel. Der Frankfurter engagiert sich, ebenso wie Hartmut Schwarz, als ehrenamtlicher Helfer der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt (Oder), zu der Wulkow gehört, für die kleine, aber feine Dorfkirche im Lebuser Ortsteil. Und der steht jetzt einiges bevor: Heute sollen die Bauleute der Frankfurter Restaurierungs- und Bau GmbH Friedrich anrücken.

In ihre Hände hat die Kirchengemeinde die dringend nötige Hüllensanierung der Kirche gelegt. Schwerpunkte sind dabei das marode Backsteinmauerwerk an der Westseite des Gotteshauses und die Sicherung des von Rissen durchzogenen Turmes.

Parallel dazu kann endlich auch die Holzdecke im Innern der Kirche saniert, sprich: vor allem entgiftet werden. Denn sie ist zu DDR-Zeiten einst mit dem inzwischen verbotenen Holzschutzmittel Xylotox behandelt worden. Im Zuge der Arbeiten werden zudem einige besonders geschädigte Deckenbalken im Altarbereich erneuert.

Vor allem für diese Arbeiten mussten die wertvollsten Kleinodien der Wulkower Kirche - die beiden Burgsdorff-Epitaphe und ein Christus-Gemälde - abgenommen werden. Während das der Frankfurter Restaurator Bernhard Klemm und seine Helfer für das schlichtere und kleinere Epitaph für Kirchengründer Joachim Erdmann von Burgsdorff selbst bewerkstelligen konnten, war für den "Sensenmann"-Epitaph professionelle Hilfe nötig. Denn das aufwändig figürlich gestaltete Denkmal für den 1713 verstorbenen Kurt von Burgsdorff ist stark beschädigt.

Am Dienstag waren deshalb Experten einer Berliner Spezialfirma nach Wulkow gekommen. Sie haben die Holzplastiken, die in der Vergangenheit immer wieder nur mit Nägeln gesichert worden sind, mit größter Vorsicht vom Epitaph abgenommen. Die Figuren und das gesamte Epitaph wurden in die Werkstatt von Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung nach Breslack bei Neuzelle gebracht. Dort sollen der Blickfang des Denkmals, der geflügelte Sensenmann, der Götterbote, Fischer und die Engel, konserviert und restauriert werden. Die Plastiken gehören zur Darstellung des Motivs "Der Tod ist die Ernte" auf dem Epitaph.

Der Fischer wird seinen fehlenden zweiten Arm, der einst die Kartusche mit dem Namen der Ehefrau des Kirchenpatrons hielt, indes nicht wieder bekommen, weiß Bernhard Klemm. Das habe die Denkmalbehörde so entschieden.Der Altar ist für die Bauphase eingehaust worden.

Während die Finanzierung der Hüllensanierung gesichert ist - dafür erhält die Kirchengemeinde rund 122 000 Euro Fördermittel aus dem Topf für die integrierte ländliche Entwicklung (ILE) - ist die Restaurierung des Sensenmann-Epitaphs finanziell noch nicht "in Sack und Tüten". "Wir haben zwar diverse Anträge auf Förderung gestellt, aber noch keine Bewilligung", sagt Pfarrerin Susanne Seehaus. Doch auch wenn Fördermittel fließen, muss die Kirchengemeinde einen nicht unerheblichen Eigenanteil aufbringen, weiß sie. Susanne Seehaus bittet deshalb die Wulkower und die anderen Freunde der Dorfkirche weiterhin dringend um Spenden. Immerhin werden für die Restaurierung des Epitaphs und eines weiteren Kleinods der Wulkower Kirche - des barocken Taufengels - insgesamt rund 46 000 Euro benötigt.

Der etwa 250 Jahre alte hölzerne Taufengel, der Schutzpatron der Kinder, hatte sich nach dem Gottesdienst am 3. Juli vorigen Jahres aus seiner Verankerung in der Kirchendecke gelöst und war abgestürzt. Dabei brachen ein Flügel und mehrere Finger ab. Die Initiative "Menschen helfen Engeln" hat Unterstützung für die Finanzierung der Reparatur des Taufengels zugesagt, die Bernhard Klemm übernommen hat. Der Engel hat vorerst in der Gertraudkirche "Asyl".

Märkische Oderzeitung vom 12. April 2012

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