Altar vor Verfall gerettet

Oderberg (MOZ) Seit Jahren sammelt der Förderverein Wehrkirche Neuendorf für Restaurierungsarbeiten am Inventar der Feldsteinkirche. Aktuelles Vorhaben: Der Frührenaissance-Altar. Die Friede Springer Stiftung übernahm kürzlich den noch ausstehenden Betrag in Höhe von 6774,08 Euro.

 
Attraktion in Randlage: Die Neuendorfer Wehrkirche
© MOZ/Boris Kruse

Am Ende ging alles viel schneller als gedacht. Nur vier Wochen, nachdem der Antrag bei der Friede-Springer-Stiftung eingegangen war, kam die mündliche Zusage per Telefonanruf. Zur großen Freude des Fördervereins um den Vorsitzenden Rudolf Hintze: "Dass die Springer Stiftung die volle Restsumme übernommen hat, ist für uns ein Glücksfall."

Zuletzt war den engagierten Oderbergern finanziell die Puste ausgegangen. Mit Konzerten, Kuchenbasar und ähnlichen Veranstaltungen hatte der Verein in den vergangenen Jahren Spenden eingeworben, um den prachtvollen Altar vor dem Verfall zu bewahren. 17 815,12 Euro hat der Verein so aufgebracht. Auf etwa 25 000 Euro schätzte der Brodowiner Restaurator Volker Ehlich das Vorhaben bereits im Jahr 2007.

Für den letzten Abschnitt fehlte also noch eine beträchtliche Summe. So beschloss der Verein, es einfach mal bei der Stiftung der Verleger-Witwe Friede Springer in Berlin zu probieren, die sich die Förderung wissenschaftlicher, künstlerischer und kultureller Projekte auf die Fahne geschrieben hat. Der Verein reichte einen entsprechenden Antrag ein. Mit dem erwähnten prompten Erfolg.

Der Betrag kommt einem Schatz der Spätrenaissance zu Gute. Um das Jahr 1615 herum wurde der farbenprächtige Altar von einem namentlich nicht überlieferten Künstler gestaltet. Eine Reihe von Gemälden machen seinen besonderen Reiz aus. Im Zentrum des Holzkonstrukts prangt eine detailreiche Darstellung der Kreuzigung Jesu Christi, im oberen Abschnitt ist die Auferstehung zu sehen. In die Seiten sind kleinere Darstellungen der vier Evangelisten eingearbeitet. Als einer von ganz wenigen Altären im Barnim hat er sämtliche Kriege überstanden, den 30-jährigen Krieg ebenso wie den Zweiten Weltkrieg.

Doch die Farbe bröckelte und blätterte schon seit geraumer Zeit. Restaurator Ehlich war es, der rechtzeitig Alarm schlug. Wenn nicht rasch etwas unternommen würde, dann wäre das Kleinod - und nicht nur dieses, sondern die gesamte Kirche aus dem 13. Jahrhundert - bald unwiderbringlich verloren. Die Stadt Oderberg finanzierte in den frühen 90er-Jahren immerhin eine Sanierung des Daches. Bei der Innenausstattung achtet Volker Ehlich in Abstimmung mit dem Denkmalschutz darauf, dass traditionelle Maltechniken zur Anwendung kommen.

Jetzt, da die Altarrestaurierung auf die Zielgerade zusteuert, träumen Rudolf Hintze und seine Mitstreiter schon vom nächsten Vorhaben: "Ein Wunsch ist erfüllt, jetzt hat man neue Wünsche." In naher Zukunft soll die hölzerne Kanzel restauriert werden. Dafür werden wohl noch einmal 15 700 Euro fällig.

Der Förderverein Wehrkirche wurde im Jahr 2006 gegründet. Seither versuchen die Aktiven, "zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen", so der Vorsitzende: Den Erhalt der Bausubstanz wie auch die kostbare Innenausstattung zu sichern und kulturelle Veranstaltungen in die Region zu holen.

Am 21. April findet in der Wehrkirche ein Musikschulkonzert mit der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule "Friedrich Wilhelm von Redern" statt. Beginn ist um 16 Uhr.

Märkische Oderzeitung vom 03. April 2012

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