Damit die Glocken schlagen

Kunow (MOZ) Ein toller Erfolg für die Dorfkirche Kunow: Sie wurde zur "Kirche des Monats April" von der KiBa-Stiftung gewählt. Damit verbunden sind 30 000 Euro. Die sind dringend nötig. Der Kirchturm ist einsturzgefährdet.

 
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Zur deutschlandweiten "Kirche des Monats" wurde der gotische Feldsteinbau gewählt, wie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Montag mitteilte. "Wir wollen damit Kunow als gutes Beispiel herausstellen", sagt Reinhard Greulich von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa). "In Kunow gibt es einen unheimlich regen Förderverein. In dieser kleinen Kirchengemeinde ist beinahe jeder Fünfte in dem Verein." Dieses Engagement der Dorfbewohner sei beeindruckend. Zum anderen bestehe dringender Handlungsbedarf, denn der Turm stehe schief, die Kirchenglocken dürfen schon nicht mehr schlagen, weil er so einsturzgefährdet ist. Die rund 800 Jahre alte Kirche in Kunow sei eine sehr typische Feldstein-Dorfkirche, meint er.

Mehr als 50 Mitglieder hat der sehr aktive Förderverein. Seit Jahren kommen Einnahmen aus Festen der Kirche zugute, vor drei Wochen wurde eine neue Broschüre über die Kirche vorgestellt, die an Touristen verkauft wird, die Einnahmen aus dem Verkauf fließen ebenfalls in die Sanierung der Kirche.

Die Kunower Dorfkirche steht auf einem Hügel und ist weithin sichtbar. Sofort ins Auge fällt im Innern der überlebensgroße Taufengel aus Lindenholz mit seinem türkisfarbenen Gewand und den hellgrünen großen Flügeln, das beeindruckende Schmuckstück des Hauses. Die Taufschale in seiner Hand ist vergoldet. Er soll um 1720 entstanden sein. Von Beginn des 18. Jahrhunderts ist die weitgehend original erhaltene Innenausstattung mit Altar und Kanzel. Eine Besonderheit sind die Malereien, viele mit einem Herz als Symbol, auf dem Gestühl der Kirche. 61 "Herzmalereien" sind zu finden, einige mit Bibelsprüchen, kurzen Aufforderungen oder Weisheiten. Es sei einer der umfangreichsten Bilderzyklen dieser Art, so die KiBa-Stiftung.

Allerdings sind die 30 000 Euro ein Tropfen auf den heißen Stein. Insgesamt 820 000 Euro wird die vollständige Sanierung der Kirche kosten. In fünf Bauabschnitten sollen die Arbeiten erfolgen und sechs Jahre dauern. Als Erstes soll nun noch in diesem Jahr mit dem Dach begonnen werden, das undicht ist. Dieser Bauabschnitt wird 70 000 Euro kosten.

Die Kunower Kirche wurde unter mehr als 60 Kirchen aus ganz Deutschland ausgesucht, die bei der Stiftung einen Förderantrag gestellt haben. Seit 1999 hat die Stiftung bereits 22,9 Millionen Euro für Sanierungsvorhaben ausgegeben. Das meiste für Kirchen in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. "Hier besteht der größte Nachholbedarf", so Reinhard Greulich. Denn zu DDR-Zeiten sei zu wenig für die Unterhaltung der Gotteshäuser getan worden.

Die Stiftung finanziert sich aus den Erträgen (Zinsen) des Stiftungskapitals der Landeskirchen von 25 Millionen Euro, Spenden, die beinahe so hoch sind wie die Kapitalerträge, und den Beiträgen der Mitglieder, die im Jahr eine viertel Million Euro ausmachen. "Wir hoffen auch, mit dieser Aktion der Kirche des Monats die Aufmerksamkeit auf die Gemeinde zu lenken", so Reinhard Greulich.

Märkische Oderzeitung vom 03. April 2012

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