Großzügige Erbschaft

Ehemaliger Rathenower vermacht Förderverein zum Wiederaufbau von Sankt-Marien-Andreas 50 000 Euro

RATHENOW - Heinz-Walter Knackmuß wollte es zunächst gar nicht glauben. Der Vorsitzende des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche sammelt fleißig Spenden für dieses Projekt und ist auch für ganz kleine Beträge dankbar. Als er jetzt erfuhr, dass ein ehemaliger Rathenower, der in Bonn verstorben war, 50 000 Euro für den Wiederaufbau der Kirche spendete, war er einigermaßen überrascht.

Werner Vogel war am 21. Januar nach einer Operation im Alter von 93 Jahren verstorben. "Ich kannte ihn gut und habe nie damit gerechnet, dass er dem Förderkreis so viel Geld geben will", sagte Knackmuß jetzt.

Nach dem Krieg zog es Werner Vogel in den Westen, wo er zuletzt bei der Bundesbaudirektion als Elektromeister arbeitete.

Das war auch deswegen interessant, weil er so als Handwerker in unmittelbarer Nähe von Bundeskanzler Willy Brandt zu tun hatte.

1982 ging er in Pension, engagierte sich ehrenamtlich im Heimatverein in Bonn-Beuel, im Seniorenkreis, im Sozialwerk der Bundesfinanzverwaltung und der evangelischen Kirche in Beuel. Sein ehrenamtliches Engagement wurde mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. Damals war Roman Herzog Bundespräsident, der ihm den Orden am Bande verlieh.

Doch sein Herz hing nach wie vor an seiner Heimatstadt Rathenow. "Er war einer der wenigen Zeitzeugen, die minutiös beschreiben konnten, wer wo zur Vorkriegszeit in Rathenow gewohnt hatte", weiß Heinz-Walter Knackmuß.

Es war Ehrensache für Werner Vogel, im Jahr 1999 dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow beizutreten. "Er war immer stolz, ein Preuße zu sein und hielt auch an den preußischen Tugenden fest", sagte Knackmuß, der sich gerne an viele Gespräche mit Werner Vogel erinnert. Nach dem Tod seiner Frau zog Vogel in ein Seniorenheim. Und er behielt seinen Humor. "Seine Wohnung hat er immer als Nest bezeichnet, denn ein Vogel habe eben immer ein Nest", erinnert sich Heinz-Walter Knackmuß.

Und nun erreichte den Förderverein die Erbschaftsnachricht. "Obwohl ich oft mit ihm telefoniert habe, hatte er nie angedeutet, dass er den Förderkreis mit Geld bedenken wollte", sagte Knackmuß. "Darum war es schon eine Überraschung, als die Nachricht vom Amtsgericht Bonn kam." Werner Vogel brannte darauf, den Wiederaufbau der Kreuzgewölbe im Chorraum noch mit eigenen Augen zu erleben. "Nun soll das Geld auch dafür verwendet werden", sagte Knackmuß.

Immerhin sei es dem Verstorbenen aber vergönnt gewesen einen guten Teil der Kirchen-Sanierung zu erleben und zu verfolgen. (Von Joachim Wilisch)

Märkische Allgemeine vom 03. April 2012

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