Der gute Geist von Müncheberg

Müncheberg (MOZ) Mit einem Festgottesdienst und nachfolgener Veranstaltung wurde am Freitagabend an das Jubiläum 15 Jahre Sanierungsabschluss in der Stadtpfarrkirche Müncheberg erinnert. Bei der Gelegenheit wurde ein renoviertes Epitaph des ehemaligen Pastors Blasius Bethenius enthüllt.

 
Erinnerungsstück: Pfarrer Dieter Jost, die Chefin der Betreibergesellschaft Ingrid Panse und Fördervereinsvorsitzender Rainer Zaspel (v. l.) haben das Blasius-Epitaph enthüllt.
© Sientje Arzt

"Zeitgemäß" und "richtungsweisend" nennt Generalsuperintendent Martin Hercher bei seiner Festpredigt das friedliche und fruchtbare Zusammenwirken zwischen der Gemeinde, der Kirche und dem Förderverein in Münchebergs Stadtpfarrkirche. Der Wiederaufbau der Ruine wäre vor 15 Jahren ohne diesen Zusammenschluss nicht möglich gewesen. Angeregt wurde die Instandsetzung der Kirche durch den Bundeswehroffizier Oberstleutnant Wilhelm Wessling, dem es damals vor allem wichtig war, den Menschen dieser Stadt "ein Stück Identität" wiederzugeben.

Mittlerweile gehört die Stadtpfarrkirche zum Zentrum und festen Bestandteil religiösen und weltlichen Lebens in Müncheberg: Konzerte, Ausstellungen, Abiturfeiern, Lesungen, Emeritierungen. Alle Lebensbereiche finden sich auf dem ehemaligen Mönchshügel wieder. Es ist ein Ort, "wo der Himmel erblüht", zitiert Pfarrer Dieter Jost, der, vom Müncheberger Posaunenchor klangvoll flankiert, den Gottesdienst einleitete, ein modernes Kirchenlied.

Einig waren sich alle Redner, dass die durch Klaus Block entstandene architektonische Verbindung von Mittelalter und Moderne sowie die Kooperation von Bürgerschaft und Christenheit in Deutschland bisher einmalig und zugleich vorbildlich seien. In Müncheberg zeige sich, so Hercher, "ein guter Geist", der auch ein Geist des Aufbruchs und der Verbundenheit sei. Bürgermeisterin Uta Barkusky und Fördervereinsvorsitzender Rainer Zaspel sprachen von einem weiterer guten Geist, der unermüdlich und einfallsreich die Kirche vor kultureller Vielfalt erblühen lasse: Ingrid Panse - die Einfrau-GmbH, die mit ihren Veranstaltungen das kulturelle Niveau der Stadt nachhaltig geprägt habe und weiterhin beleben werde. Nicht zuletzt durch ihren Einsatz stehe Münchebergs Stadtpfarrkirche seit ihrem Wiederaufbau für eine "Erfolgsgeschichte", so Zaspel.

Ein Ahne ähnlich bewundernswerten Engagements aus dem 16. Jahrhunderts, der ehemalige Pastor Blasius Bethenius, ist an diesem Festtag in Form des mühevoll, wenn auch nicht vollständig renovierten Epitaphs vor der Festgemeinde enthüllt worden. Aufgestellt im Chor - ohne Kopf und doch ganz Ohr - lauschte das steinerne Standbild im Verlauf des weiteren Abends Rednern und Musikern.

Anspruchsvoll führte das Trio Nu:n das Publikum musikalisch vom Mittelalter in die Moderne, verwandelt Lieder Luthers oder von Bingens in eine zeitgemäße Sakralität. Die ungewöhnliche Verbindung von Saxophon-, Orgel- und Gitarrenklängen erlaubt ebenso zart-poetische wie modern dissonante Hörerlebnisse. Die Musiker scheuen auch experimentelle Klangwege nicht, lassen Pingpongbälle auf Klaviersaiten neue Sounds erzeugen oder Löffel auf Gitarrensaiten tanzen.

Mit irischen Liebesliedern und mitreißenden Tanzstücken beendet die beliebte Regionalband celtic affair die gelungene Jubiläumsfeier, bei der sich die Gästre auch dank vieler ungenannter Helfer an einem Büfett mit Wildsuppe, Cremeschnittchen, Kuchen und Brotaufstrich stärken konnten.

Märkische Oderzeitung vom 02. April 2012

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