Handarbeit in Prädikow

Prädikow (MOZ) Der Förderverein Dorfkirche Prädikow will die einzigartige dörfliche Basilika sanieren. Mit Unterstützung der Dorfbewohner werden Arbeitseinsätze organisiert. Doch werden gerade nach dem Winter erhebliche Bauschäden sichtbar.

 
Manfred Brandes, Gitta Jentzen, Simona Koß, Karin Parduhn und Brigitte Brandes in Aktion.
© MOZ

Karin Parduhn hebt schwer am Kehrblech: Handtellergroße Mörtelstücke liegen darauf. Sie hat sie von der Treppe gefegt, die im Vorraum der Dorfkirche Prötzel zur Empore führt. Der Putz fehlt in der Decke des Vorraums. Das vor Jahrhunderten verbaute Schilf liegt blank vier Meter über der in Sorgenfalten gelegten Stirn von Simona Koß, der Vorsitzenden des Fördervereins Dorfkirche Prädikow. "Wir müssen hier umgehend etwas tun, zuerst werde ich den Verein Alte Kirchen um Hilfe bitten", sagt sie. Das wolle sie gleich in den Osterferien erledigen. Den Vorstand will sie zusammenholen: "Wir müssen wenigstens die Grundsicherung hinbekommen." Die Decke im Vorraum muss halten, denn in zwei Wochen ist das erste Konzert in der Dorfkirche für diese Saison geplant. Natalie Kukshausen soll am 14. April, 17 Uhr, auftreten.

Die Putzschäden träten meist nach dem Winter auf, wenn die eingedrungene Feuchtigkeit ihre Wirkung zeigt, sagt Simona Koß: "Solange das Dach nicht saniert ist, regnet es eben immer mal wieder rein", sagt sie mit Blick nach oben.

Währenddessen fegt Brigitte Brandes den Altarraum. Die Kanzel steht an der Seite, ursprünglich hat die Prädikower Dorfkirche einen Kanzelaltar wie auch die in Ruhlsdorf, dem Strausberger Vorort. Brigitte Brandes ist von Anfang an im Förderverein. Sie habe auch alle Arbeitseinsätze und Veranstaltungen mitgemacht, sagt die 72-Jährige: "Ich bin doch immer da, und es ist schön, wenn etwas los ist im Dorf." Karin Parduhn ist hingegen nicht im Verein. "Ich bin einfach so als Dorfbewohnerin hier. Die Kirche ist doch das Dorfzentrum, es gibt doch keinen Laden und keine Gaststätte mehr auf den Dörfern." Sie ist in Prädikow geboren, hat einige Jahre in Strausberg gelebt und 1998 mit ihrem Mann im Heimatdorf ein Haus gebaut. Das ist offensichtlich fertig, denn Ralf Parduhn verlädt auf dem Bürgersteig den zusammengefegten Kehricht in die Schubkarre. Auch Brigitte Brandes' Mann ist mit dem Laubbesen im Kirchgarten zugange.

Neben der Dorfkirche schlängeln sich die Wege zwischen Kräuterbeeten. Jetzt, wo Bäume und Sträucher, vor allem aber Gestrüpp, noch unbelaubt sind, ahnt man den Kirchsee hinter dem Friedhof. "Wir wollen am Rand des Kirchgartens noch etwas gegen das Gestrüpp unternehmen, damit man den See vielleicht auch wieder sehen kann", sagt Simona Koß. Zunächst aber will sie mit ihrem Verein die Aufsteller mit Informationstafeln neu installieren. Das Geld für das Holz dafür haben sie vom PS-Lotteriesparen der Sparkasse im vorigen Jahr bekommen. Für den Arbeitseinsatz im Juni hat sie geplant, die an der Friedhofsmauer lehnenden alten Grabsteine zu bergen und neu aufzustellen. Sie erzählen Dorfgeschichte.

Hans Weiland blickt von seiner Arbeit an der Harke auf: "Wenn wir uns nicht bewegen, passiert doch nichts", sagt er. In dem Moment betritt Uwe Großkopf den Kirchgarten. Simona Koß führt den Eggersdorfer Architekten, der sich für den Erhalt alter Kirchen engagiert, gleich in den Vorraum. Neue Arbeit.

Märkische Oderzeitung vom 02. April 2012

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