Das wird Spitze!

Der Turm der Niederlehmer Kirche soll saniert werden / Förderverein organisierte ein Benefizkonzert

NIEDERLEHME - Der erste Schritt ist gemacht. Die Kirche im Königs-Wusterhausener Ortsteil Niederlehme hat eine Heizung bekommen. Nun plant der Kirchförderverein die Sanierung des Turmes. "Knapp 80 000 Euro wird das kosten", sagt Knut Wischmann, Vorsitzender des Kirchfördervereins. Die Summe schreckt ihn nicht ab.

Wischmann und seine jungen Mitstreiter Alexander Gütter und Max Schirrmacher hoffen, dass die Niederlehmer sich für den Erhalt und die Sanierung des evangelischen Gotteshauses begeistern lassen. "Es ist ein Bauwerk, das Niederlehme prägt", sagt Alexander Gütter. "Dabei geht es nicht nur um Religion, sondern ebenfalls um Kulturgeschichte."

Der 22-jährige Max Schirrmacher und der 23-jährige Alexander Gütter kennen sich bestens aus mit der Geschichte der Kirche. Das liegt nicht nur daran, dass sie hier konfirmiert wurden. Sie wollten etwas zur Rettung des Hauses unternehmen und gehörten vor zwei Jahren zu den Gründern des Kirchfördervereins, der inzwischen 22 Mitglieder zählt.

Beim Baubeauftragten des Kirchenkreises Neukölln wurde ein Sanierungskonzept in Auftrag gegeben und ein Etappenplan ausgearbeitet. Vereinschef Wischmann rechnet zwar damit, dass ein paar Jahre ins Land gehen, bis die Kirche von außen und innen für die vorgesehenen 450 000 Euro saniert ist. "Doch wir fangen schon mal an", sagt er zuversichtlich.

Der Turm soll eine neue Haube bekommen. Die Fenster, Zifferblätter der Uhr und die Fassade werden auf Vordermann gebracht. Anträge für Fördermittel gingen in Richtung Sparkasse und zur Friede-Springer-Stiftung. Auch die Oetker-Stiftung wurde um Hilfe gebeten, ebenso die Stadtverwaltung. Beim Kirchenkreis Neukölln ist die Dringlichkeit für eine Sanierung etwas weiter hinten eingestuft worden. Doch auf das Vorrücken wollen die Mitglieder des Förderkreises nicht warten. Am kommenden Freitag ab 18 Uhr findet ein Benefizkonzert statt. Dafür konnte wieder der in Niederlehme geborene und heute in New York lebende Pianist und Komponist Reiko Füting gewonnen werden, der sich schon öfter für seinen Heimatort engagierte. Mit einem Gesangsensemble wird er "barocke Reflexionen" präsentieren.

Wenn in zwei Jahren der 100. Geburtstag der Kirche ansteht, könnte der Turm vielleicht fertig sein, meint Alexander Gütter. Im Idealfall bekommt er sogar neue Glocken. Die vier alten mussten im Ersten Weltkrieg abgegeben werden und die Nachfolger aus Eisenhartguss haben leider einen schlechten Klang. Weil in Berlin-Neukölln kürzlich eine Kirche umgewidmet wurde, ergab sich die Möglichkeit, die Glocken nach Niederlehme zu holen. Von der Größe her passen sie in den Turm. Einziger Makel: Die vierte Glocke fehlt. Doch daran soll der Umzug nicht scheitern.

Neue Aktionen sind geplant. Es kann sein, dass irgendwann, wenn es an die Innenarbeiten geht, auch "Sterne" verkauft werden, wie es für die Kirche in Groß Köris gemacht wurde. Unter dem alten Anstrich sind neben Ornamenten auch Sterne versteckt. Nur zu gern würde man im Förderverein wissen, wie es vor einer Sanierung in den 70er Jahren innen aussah. Doch aus dieser Zeit fehlen die Fotos. "Es wäre schön, wenn jemand, der noch Bilder hat, sie uns zeigen würde", sagt Vereinschef Wischmann. Doch erst mal hofft er, dass am Freitag das Gotteshaus gut gefüllt ist. Um 18 Uhr geht es los. (Von Liane Stephan)

Märkische Allgemeine vom 13. März 2012

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