Hilfe für "Mathilda"

Vortrag über Taufengel in Bölzke / Spenden für Förderkreis Alte Kirchen

BÖLZKE - Von Angesicht zu Angesicht so stand Sigrid Bernitz vor gut zehn Jahren dem Taufengel in der Ostseekirche in Rerik gegenüber. In einem grünroten Gewand und mit einer Muschel als Taufschale in der Hand schwebte dieser Taufengel in dem Gotteshaus und begeisterte die Frau aus Münster (Westfalen). Dieses Schlüsselerlebnis setzte eine neue Leidenschaft in ihr frei seitdem geht Bernitz der Geschichte dieser himmlischen Boten nach.

15 Besucher erlebten am Sonnabendnachmittag in der Kirche in Bölzke (Stadt Pritzwalk) eine Premiere: Die 84-jährige Sigrid Bernitz hielt erstmals einen Vortrag über Taufengel. Unter dem Titel "Taufengel wo gab es die und wo schweben sie noch?" erfuhren die Gäste, wie diese Figuren Einzug in die Kirchen fanden. "Besonders in kleinen Dorfkirchen waren die Taufengel in der Barockzeit vom 17. bis 18. Jahrhundert weit verbreitet und strahlten Anmut aus", erklärte Bernitz zum Auftakt des einstündigen Vortrages. Taufengel gelten als "kunstgeschichtliche Sonderform des Protestantismus", fügte sie hinzu. Oftmals fehlten die finanziellen Mittel für Taufsteine in den ländlichen Kirchengemeinden, ebenso nahmen Patronatslogen viel Platz im Kirchenraum ein aus dieser Not entstanden Taufengel. An einem Seil oder einer Kette schwebten sie lebens- oder überlebensgroß über der Gemeinde und konnten im Falle einer Taufe herabgezogen werden. "Taufengel entsprachen dem barocken Zeitgeist", wusste Bernitz zu erzählen.

Leider brachen nach einer kurzen Blütezeit "schwere Zeiten für diese Figuren an", so Sigrid Bernitz. Dies lässt sich nur mit dem rationalen Zeitgeist begründen, der fortan die Taufengel in ein anderes Licht rückte. Sie wurden schließlich auf Kirchenböden verbannt. Derzeit ist eine weit verbreitete Renaissance in Brandenburg und Sachsen-Anhalt zu beobachten, in der längst vergessene Taufengel wieder ans Tageslicht geholt werden. Eine Taufengelausstellung im Jahre 2006 im Magdeburger Dom zeigte etwa, wie zerstörte Figuren nach einer fachgerechten Restaurierung in neuem Glanz erstrahlen können. Egal ob die Taufengel weibliche, männliche oder sogar kindliche Züge tragen, sie gelten als Mittler zwischen Himmel und Erde. Damit wird zugleich die Verbindung von Gott und dem Menschen versinnbildlicht. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg unterstützt mit der Aktion "Menschen helfen Engeln" die Sanierung ausgewählter Taufengel. Sigrid Bernitz sammelte nach ihrem Vortrag gezielt für "Mathilda", den Taufengel in Segeletz. (Von Christamaria Ruch)

Märkische Allgemeine vom 12. März 2012

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