Frühlingserwachen

Sanierung der Neuruppiner Klosterkirche geht weiter / Der Bau ist bereits 100 000 Euro teurer als geplant

NEURUPPIN - Die Winterpause ist vorbei. Voraussichtlich in der nächsten Woche gehen die Bauarbeiten an der Neuruppiner Klosterkirche weiter. "Wenn das Wetter mitmacht", sagt Pfarrerin Ilona Kretzschmar einschränkend. Vor ein paar Tagen hat sie sich mit dem Architekten abgestimmt und das Sanierungsprogramm für 2012 besprochen. Es ist anspruchsvoll.

Mitte 2011 hatten die Bauarbeiter begonnen, die hundert Jahre alten Türme zu sanieren. Die Turmdächer wurden neu gedeckt, ausgewaschene Stellen zwischen den Ziegelsteinen neu verfugt. Dann wurde es zu kalt, um weiter in windiger Höhe zu arbeiten.

Über Winter hat die Kirchengemeinde die ausgebauten Turmfenster aufarbeiten und die Zifferblätter der Turmuhr in einer Werkstatt in der Altmark sanieren lassen. In wenigen Wochen sollen sie wieder montiert sein. Zuerst werden die Bauleute aber das kleine Zwischendach, die Verbindungsstelle zwischen den Türmen, in Angriff nehmen. Auch dieses Dach muss neu gedeckt werden.

Einige der größten Probleme warten aber noch auf eine Lösung: Die Wände des 750 Jahre alten Kirchenschiffs haben Risse und durch das riesige Dach regnet es an diversen Stellen hinein. Außerdem ist der alte Dachstuhl des langen Kirchenschiffs im Laufe der Jahrhunderte so oft umgebaut worden, dass er jetzt ein Fall für den Holzrestaurator wird. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Ideen für diverse Türmchen oder Dachreiter gegeben; jedes Mal musste der mittelalterliche Dachstuhl angepasst werden, sagt Ilona Kretzschmar. Das hatte Folgen.

Ab Mai oder Juni werden deshalb auch der Chor und das Kirchenschiff eingerüstet. Das Gerüst an den Türmen soll bis zu den Fontane-Festspielen zu Pfingsten aber abgebaut sein. "Das ist unser Ziel", sagt Ilona Kretzschmar.

Die Bauarbeiten werden wohl das gesamte Jahr hindurch dauern. Auf gut eine Million Euro hatten Planer die Kosten vor Beginn der Sanierung 2010 geschätzt. Längst ist klar, dass diese Summe nicht ausreichen wird. Allein die Arbeiten an den Türmen ist rund 100 000 Euro teurer geworden als erhofft.

Etwa 475 000 Euro hat die Sanierung der Kirche samt aller Planungen bisher gekostet. Wie teuer die weiteren Arbeiten am Neuruppiner Wahrzeichen sind, steht frühestens nach der Ausschreibung im April fest. Dass es billiger wird, erwartet niemand ernsthaft. "Wir haben also zwei Möglichkeiten", sagt Pfarrerin Kretzschmar. Entweder schaffe es die Kirchengemeinde, zusätzliches Geld zu sammeln. "Oder wir müssen einige Arbeiten streichen."

Der Anteil, den die Neuruppiner an ihrer Kirche nehmen, ist schon jetzt groß. Rund 87 000 Euro kamen bei Spendenaktionen 2010 und 2011 zusammen. Mit den 28 000 Euro aus den vorhergehenden Jahren ist das ursprüngliche Ziel an Spenden in greifbarer Nähe; nur 40 000 Euro fehlen noch.

Weil der Bau aber teurer wird, sind noch mehr Spenden nötig. Auch 2012 hofft die Kirchengemeinde deshalb wieder auf die Hilfe der Neuruppiner. Im September hatte die Gemeinde eine Spendentombola veranstaltet, bei der unter anderem Werke von Neuruppiner Künstlern zugunsten des städtischen Wahrzeichens versteigert wurden. 2012 könnte es wieder eine Tombola geben, sagt Ilona Kretzschmar: "Wir beraten gerade über diese Idee."

Eines will sie aber auch nicht verschweigen: Mit den jetzt geplanten Arbeiten sind längst nicht alle Schäden an der Neuruppiner Klosterkirche beseitigt. "An der Fassade haben wir fast nichts gemacht", sagt die Pastorin. Auch die Fenster müssten dringend saniert werden. All das hat die Gemeinde für einen zweiten Bauabschnitt vorgesehen. Von dem ist bisher aber völlig offen, wann er stattfinden könnte. Geld ist dafür noch nicht in Aussicht. (Von Reyk Grunow)

Märkische Allgemeine vom 10. März 2012

   Zur Artikelübersicht