Für Kirche und Kultur

MAZ-Vereinsporträt: Der Förderverein für den Erhalt der Krangener Dorfkirche will alle ins Boot holen

KRANGEN - "Wenn man sich nicht kümmert, passiert auch nichts", sagt Manfred Damerow. Da aber etwas mit der Krangener Dorfkirche geschehen musste, gründete sich 2010 ein Förderverein, in dem neben Manfred Damerow noch 28 andere Mitglieder aktiv sind. Ihnen allen liegt die Sanierung der Kirche am Herzen. Diese wurde am Heiligabend 1837 eingeweiht. Das Gebäude ist ein bemerkenswertes Beispiel der Schinkel-Schule. Der Baumeister vertrat die Ansicht, dass Kirchen keine dunklen Andachtsräume, sondern helle Festsäle sein sollten. Einen lichtdurchfluteten hohen Kirchenraum können die Krangener vorzeigen. Genauso vorzeigbar ist ihr Engagement. "Die Leute im Umkreis identifizieren sich mit der Kirche", sagt Anke Sabo, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Krangen-Molchow und Vereinsmitglied. Von 2004 bis 2006 wurde durch Eigenleistungen und Spenden etliches gemacht: das Dach saniert und neu gedeckt, die Fassade verputzt und gestrichen, der Friedhof umgestaltet, die Friedhofsmauer ausgebessert, die Eingangstür der Kirche restauriert, die marode Saaldecke ausgetauscht. Dachrinnen wurden installiert und zerbrochene Fensterscheiben ersetzt.

"Arbeitskräftemangel haben wir nicht", sagt Anke Sabo. Im Dorf wohnen etliche Handwerker, die immer zur Stelle sind, wenn es etwas zu tun gibt. "Man muss die Leute nur ansprechen. Dann kommen sie mit Hacke und Spaten", sagt Anke Sabo. Viele Helfer kamen nicht nur aus Krangen, sondern auch aus Molchow, Zermützel und Alt Ruppin. "Was wir selber machen können, machen wir selbst", sagt Manfred Damerow. So sind sie ein ganzes Stück weiter gekommen. Die Kirche ist mittlerweile von außen ein Schmuckstück. Doch innen ist noch viel zu tun. Der Verein hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. "Die Kirche soll einmal so aussehen wie 1837." Das heißt, den ehemaligen Sternenhimmel der Kirchendecke wiederherzustellen, den Kanzelaltar zu restaurieren und die originale Farbgebung des Kircheninneren. Doch das liegt in weiter Ferne. Der Verein ist zufrieden, wenn er in diesem Jahr mit seinem dringlichsten Vorhaben loslegen kann: Der Sanierung des Gemeinderaumes. Es war geplant, den Altar vorzuziehen für einen größeren Gemeinderaum. Die Baupläne gab es schon. "Dann stellten wir fest, dass wir dann nicht genug Platz für Veranstaltungen hätten", sagt Anke Sabo. Konzerte, Lesungen, Erntefeste und anderes sollen aber Leben in die Kirche bringen. "Nur mit Gläubigen kann man eine Kirche heute nicht füllen", sagt Manfred Damerow. Schweren Herzens verabschiedete sich der Verein von seinem ursprünglichen Plan. "Es war so, als würde man die geplante Hochzeit einen Tag vor der Trauung absagen", sagt Anke Sabo.

137 000 Euro sind für die Sanierung des Gemeinderaumes, den Einbau von Toiletten, Doppelfenster, neue Elektrik und Fußboden veranschlagt. "Sobald wir Fördermittel bekommen, legen wir los", sagt Anke Sabo." In dem neuen Gemeinderaum ist Platz für eine lange Tafel mit 30 Leuten und eine kleine Teeküche. "Wir sind immer unterwegs und werben für unsere Kirche", sagt Anke Sabo. Dafür sorgt sie schon selbst. Klingeln am Wochenende Radfahrer bei ihr, um sich die Kirche anzusehen, beschreibt sie den Besuchern das Aussehen der zukünftigen Kirche so, dass die das restaurierte Gotteshaus direkt vor Augen haben. Zudem will sich der Verein an der Aktion "offene Kirchen" beteiligen. Manfred Damerow will sich um das Projekt "Theater in Kirchen" kümmern.

Das alles soll neben den Gottesdiensten Leute in die Kirche locken. "Sie soll eine Begegnungsstätte für Christen und Nichtchristen sein", sagt Anke Sabo.

Wenn alles wie geplant läuft, kann der 175. Geburtstag der Dorfkirche bereits mit neuem Gemeinderaum, Toiletten und neuen Dielen gefeiert werden. Zu diesem Anlass haben der Verein und die Kirchengemeinde etwas besonderes vor. "Wir haben den kompletten Ablauf des Einweihungsgottesdienstes von 1837 in unserer Chronik", sagt Anke Sabo. Den wollen sie zur Feier nachstellen. (Von Dagmar Simons)

Märkische Allgemeine vom 28. März 2012

   Zur Artikelübersicht