Schätze in der Kirche

Bei der Fußbodensanierung im Pessiner Gotteshaus fanden Archäologen alte Münzen und Fundamente

 
Nach den archäologischen Untersuchungen wurde der Kirchenboden mit Receyclingmaterial aufgefüllt.
Foto: Andreas Kaatz

PESSIN - Wenn die Gottesdienstbesucher das Geld für die Kollekte hervor holen, kann es schon mal passieren, dass Münzen herunter fallen. Manche verschwinden dann in den Ritzen des Fußbodens, meist auf Nimmerwiedersehen. Irgendwann kommen sie wider Erwarten aber doch noch ans Tageslicht, wie sich nun in Pessin zeigt.

Im östlichen Teil der Dorfkirche wurde nämlich Diana Megel vom Büro Dressler jetzt fündig. Sorgfältig siebte die Archäologin teilweise mehr als 300 Jahre unberührten Sand aus dem Fußboden durch. Außer Keramikscherben und Knöpfen kamen dabei auch einige Münzen zum Vorschein. "Diese datieren vom 16. Jahrhundert bis in die heutige Zeit", sagt die Expertin.

Dass sie überhaupt die Möglichkeit hat, in den Untergrund des Gotteshaus zu schauen, hängt mit einem weiteren Projekt von Förderverein und Kirchengemeinde zusammen. Denn in der Vergangenheit gab der Fußboden immer mehr nach, wurde uneben. Eine erste Sanierung brachte 2009 nur kurzzeitig Abhilfe. Die Ursache blieb unklar. Rieselt da etwa der Sand unterhalb der Bodenziegel durch die Gewölberitzen unbekannter Gruften?

Die Pessiner, in Baudingen mittlerweile erfahren, wollten Gewissheit. So entfernten sie die Fußbodenziegel, anschließend nahm die Firma Lorey aus Paulinenaue die 20 Zentimeter mächtige Sandschicht auf, die die Archäologen dann genau untersuchten. Bei den Arbeiten fand man zwar im nördlichen Gang auch das Gewölbe einer Gruft, das aber unbeschädigt war. Dass der Fußboden nachgegeben hat, hängt offenbar damit zusammen, dass das Erdreich in der Vergangenheit nicht richtig verdichtet worden war. Die Mitarbeiter der Firma Lorey behoben den damaligen Fehler nun. Sie brachten Recyclingmaterial ein, das sie im Anschluss entsprechend verdichteten. Etwas später sollen die Ziegel wieder verlegt werden.

Aber Gruft und Münzen waren nicht die einzigen Dinge, die die Archäologin entdeckt hat. Vermessen und fotografiert wurden zudem auch die zu Tage getretenen Fundamente der alten östlichen Außenmauer der Kirche. Zudem stieß Diana Megel auf Fundamente, die offenbar einem ehemaligen Altar zuzuordnen sind. Aus welcher Zeit dies alles stammt, ist aber noch unklar. Die Pessiner Kirche wurde im Kern in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet, einige Bereiche sollen jedoch wesentlich älter sein.

Geplant ist, auch den Fußboden im westlichen Teil des Kirchenschiffs zu untersuchen. Wann dies soweit ist, kann Andreas Flender, Vorsitzender des Kirchenfördervereins, aber noch nicht sagen. Denn im ersten Abschnitt machen die Bänke mehr Arbeit als geplant. "Wir dachten, dass wir sie einfach wieder aufstellen können", sagt Flender. Doch die alten Sitzmöbel müssen zuvor erst noch aufgearbeitet werden. Die Standsicherheit ist nicht gegeben, der Holzwurm hat seine Spuren hinterlassen, ebenso wie der Schwamm an den Füßen der Bänke. Noch in dieser Woche wollen sich die Denkmalpfleger vor Ort ein Bild von den Arbeiten machen. (Von Andreas Kaatz)

Pessiner Kirche:

Die Dorfkirche gilt als die älteste des Westhavellands und stammt im Kern aus dem 15. Jahrhundert. Der Turm wurde sogar auf einem Feldsteinsockel aus dem 13. Jahrhundert errichtet.
Nicht nur sehr alte Münzen wurden jetzt gefunden, sondern auch DDR-Geld und als jüngstes Zahlungsmittel eine 10 Cent-Münze.
Ein laufendes Projekt des Kirchenfördervereins ist derzeit auch die Schwammsanierung an der Treppe zur Südempore.
Ak

Märkische Allgemeine vom 28. Februar 2012

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