Nun doch ein Kirchendach für Ruine?

 
So könnte die Dachkonstruktion für die Kirchenruine Stavenow aussehen.
stefan kunzemann
Karstädts Bürgermeister plädiert nach wie vor dafür, dass der Verein die Kirchenruine übernimmt, dennoch gestattet er nun Besichtigungen.
katarina sass

Auf einen Kompromiss zum Nutzungsvertrag Kirche Stavenow einigten sich am Donnerstagabend Ortsbeirat Karstädt, Bürgermeister und Verein zum Erhalt des historischen Stavenow.

Mit der Textkorrektur wird eine weiterführende Nutzung der gesicherten Kirchenruine, außer möglichen Besichtigungen, nicht mehr generell ausgeschlossen. "Darüber hinaus gehende Veranstaltungen sind der Gemeinde als Eigentümer anzumelden", heißt es jetzt. Das Ordnungsamt erteile bei Genehmigung entsprechende Auflagen. In der von Bürgermeister Udo Staeck geänderten Erstfassung, der er im letzten Moment die Unterschrift verweigert hatte (der "Prignitzer"berichtete), sollten nur Begehungen zwecks Besichtigung erlaubt sein. Doch wären dann rein formell auch keine Trauerfeier für den wieder aktivierten Friedhof oder Andachten der Radsternfahrten der Kirchengemeinde Karstädt möglich.

Staeck begründete seine ablehnende Haltung mit dem Argument, dass er keine Ruine übergebe, für die er als Bürgermeister in der Haftung stehe und deren Gefahrenpotenzial bei Veranstaltungen zu Schäden bei Besuchern führen könnte. Sein Standpunkt: Der Verein übernimmt die Ruine für einen Euro und ist damit für alles verantwortlich. "Die Ruine besichtigen können Besucher auch jetzt, wir brauchen kein Dach, nur damit sie trockenen Hauptes in die Kirchenruine gehen. Und nur für eine Besichtigung ist kein Nutzungsvertrag notwendig, auch sollten mögliche Fördergelder dann anderweitig sinnvoller eingesetzt werden", argumentierte Vereinsvorsitzender Reinhard Leber.

Was die Veranstaltungen angehe, ergänzte Vorstandsmitglied Okka de Wall, seien jährlich vier im Gespräch - "drei gibt es jetzt schon, darunter das Aufhängen des Adventssterns und einen Gottesdienst." Aktuell sei sie mit einem Geiger der Berliner Philharmonie im Gespräch, der in Stavenow ein Konzert geben würde. In der zum Teil kontroversen Diskussion machten Reinhard Leber und sein Vorstand nochmals klar, dass die geplante Dachkonstruktion die Gemeinde keinen Cent kostet, einen weiteren Verfall der Ruine verhindere, damit Kosten der weiteren Instandhaltung reduziere und der Verein - nicht die Gemeinde - durch eine Versicherung für mögliche Personenschäden hafte. Dieser Vertrag ist der Kommune vorzulegen.

Übernahme der Kirchenruine nicht aus dem Blick verlieren

Korrigiert wurde auch der etwas unklare Passus der Nutzungsdauer auf jetzt eindeutige 15 Jahre. "Was soll aus der Ruine überhaupt mal werden?", fragte Ortsvorsteher André Lüdemann. Wird der Nutzungsvertrag nicht verlängert, fällt die Zuständigkeit an die Gemeinde zurück. Dann hätte sie auf jeden Fall eine gesicherte Kirchenruine mit höherem Wert, meinte Leber. Man habe aber nicht die Absicht, einen Fußboden einzuziehen, eine Heizung einzubauen, Bänke oder Altar reinzustellen und aus der Ruine eine funktionierende Kirche zu machen, erklärte er auf die Frage, welche Begehrlichkeiten weiter geweckt werden könnten. Da die alten Fensterrahmen vorhanden sind, könne man sich vorstellen, diese wieder einzusetzen. Sollten weitere Spenden eingehen, wären auch andere Vorhaben möglich. Jede bauliche Maßnahme ist jedoch dem Eigentümer anzuzeigen, erforderliche Genehmigungen hat der Nutzer auf eigene Kosten einzuholen.

Das geänderte Papier, dem der Ortsbeirat einmütig zustimmte, geht jetzt den Abgeordneten als Beschlussvorlage für die Gemeindevertretersitzung am 23. Februar zu. Sollte die Mehrheit dafür stimmen - als Alternative liegt auch der Verkaufsbeschluss vor, wird der Nutzungsvertrag umgehend an die Förderstelle in Neuruppin nachgereicht. Ob die beantragten 84 000 Euro Fördermittel bewilligt werden, steht auf einem anderen Blatt. 21 000 Euro hat der Verein bereits als Eigenmittel gesichert. "Der Verein sollte die Kaufoption der Kirchenruine nicht aus dem Auge verlieren", betonte André Lüdemann abschließend.

Der Prignitzer vom 18. Februar 2012

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