Gefährlicher Holzwurm

In Wagenitz will sich ein Förderverein um die Sanierung der Kirche kümmern

WAGENITZ - Seit mehr als fünf Jahren wohnt Sabine Heinrich in Wagenitz. Schaut sie aus dem Fenster, fällt ihr Blick auf die nur wenige Meter entfernte Dorfkirche mit ihrem gelben Turm. Eine schöne Aussicht, die ihr aber zuletzt immer mehr verleidet wurde. Denn am Turm platzt zunehmend der Putz ab, obwohl die letzte Sanierung noch gar nicht so lange zurückliegt. An einigen Stellen sind schon die roten Ziegel zu sehen.

"Ich konnte verfolgen, wie die Schäden immer mehr zunahmen", sagte sie und wollte etwas dagegen tun. So schrieb sie 2011 einen Brief an Bischof Markus Dröge, um zu erfahren, woher man Geld für eine Restaurierung bekommen könnte. Außerdem legte sie ein paar Fotos bei, die den Zustand der Kirche belegten. Denn nicht nur die Fassade hat gelitten, auch im Inneren des Gotteshauses ist viel zu tun. Ein ähnliches Schreiben ging an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, aber auch Landeskirchenmusikdirektor Gunter Kennel bekam Post aus Wagenitz. Denn die Orgel gibt schon seit etwa 50 Jahren keinen Mucks mehr von sich.

"Ich bekam letztlich zur Antwort, dass es nur über einen Förderverein möglich ist, Geld zu beantragen", sagte Sabine Heinrich. Und sie hat den Rat beherzigt. Mit sechs weiteren engagierten Wagenitzern gründete sie vor wenigen Tagen den "Förderverein Dorfkirche Wagenitz", dessen Vorsitzende sie nun ist.

Sie wollen zusammen ihre Kirche für nachfolgende Generationen erhalten. Doch dazu müssen sie auch den Kampf gegen den Holzwurm gewinnen. Fast überall hat er schon seine Spuren hinterlassen unter anderem auf der Empore, im Orgelbereich und im Turmgebälk. Der Kampf gegen den gefräßigen Nagekäfer wird eine Menge kosten. "Wir wollen den Gemeindekirchenrat dabei unterstützen, Gelder zu beschaffen", sagt Sabine Heinrich. Verbündete hatte sie sich schon lange vor Vereinsgründung gesucht. Bischof Dröge stellte den Kontakt zum Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg her. Seither steht dessen Chef Arnulf Kraft den Wagenitzern beratend zur Seite. "Ich habe ihnen geraten, ein Gutachten anfertigen zu lassen, damit deutlich wird, wie groß die Schäden sind und wie viel die Beseitigung kostet", sagt Kraft. Den abbröckelnden Putz sieht er als nicht so gravierend an, das ließe sich verhältnismäßig kostengünstig reparieren. "Viel schlimmer sind die Schäden im Inneren der Kirche", sagt er und weiß aus Erfahrung, dass es zwei bis drei Jahre dauern kann, bis genug Geld zur Verfügung steht.

Sabine Heinrich wünscht sich zudem, dass auch die Orgel irgendwann wieder hergerichtet wird. Wilfried Fürstenow hat sie noch spielen gehört. "Zu meiner Einsegnung 1956 funktionierte sie noch", erinnert sich das Mitglied des Gemeindekirchenrates.

Nun will der Verein, der erst noch eingetragen werden muss, auch durch Benefizveranstaltungen auf die Kirche aufmerksam machen. Die Einnahmen sollen der Sanierung zugute kommen. Sabine Heinrich ist froh, dass sie Mitstreiter im Dorf gefunden hat. "Die Kirche gehört doch zur Geschichte des Ortes dazu", erklärt sie ihre Motivation. (Von Andreas Kaatz)

Glücksfall

Andreas Kaatz wünscht dem neuen Förderverein für die Zukunft viele Mitstreiter

Wer durch die Luchlandschaft fährt, sieht ihn schon von weitem: den gelben Turm der Wagenitzer Kirche. Über die Jahrhunderte mussten sich die Dorfbewohner immer viel um ihr Gotteshaus kümmern, denn der Zahn der Zeit nagte ständig an Gebälk und Gestein. Zuletzt wurde Anfang des Jahrtausends Hand angelegt. Doch das reicht nicht aus, wie sich zeigt. Der Putz blättert ab und der Holzwurm fühlt sich gefährlich wohl in dem Gebäude.

Da ist es natürlich ein Glücksfall, wenn sich jetzt ein Förderverein gemeinsam mit dem Gemeindekirchenrat des Gotteshauses annehmen will. Dass dies funktioniert, steht außer Frage. Da braucht man nur zu den Nachbarn nach Pessin zu schauen. Der Kirchenförderverein dort ist sehr rührig und hat schon einiges erreicht. Ein paar Mitglieder waren bei der Vereinsgründung der Wagenitzer zugegen, die künftig von den Erfahrungen aus Pessin profitieren können. Dazu zählt aber nicht nur der Umgang mit Behörden und Fördermittelstellen, sondern auch, dass man Geduld haben muss. Nicht alles geht so schnell wie gewünscht. Der Wagenitzer Verein wird einen langen Atem brauchen. Aber je mehr Leute künftig mitmachen, umso wahrscheinlicher ist es, dass man sich bald um die Kirche keine Sorgen mehr machen muss.

Märkische Allgemeine vom 06. Februar 2012

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