Streit um Nutzung der Kirchenruine

Karstädts Bürgermeister Udo Staeck hat den seit gestern vorliegenden Vertragsentwurf mit dem Förderverein Historisches Stavenow über eine Nutzung der Kirchenruine Stavenow gegenüber der ursprünglichen Version drastisch eingekürzt.

Statt Nutzung als Fahrrad- und Autobahnkirche mit der Option, dem Ort angemessen auch kleine Sonderausstellungen, Konzerte, Lesungen oder Theateraufführungen durchzuführen, jetzt die Vorgabe, dass die Kirchenruine "nur für Begehungen zwecks Besichtigung" zur Verfügung stehen soll. "Eine weiterführende Nutzung für Veranstaltungen aller Art ist ausgeschlossen", heißt es in dem neuen Text. Die Vertragsdauer soll von bisher 15 Jahren auf ein Jahr reduziert werden. "Der Nutzungsvertrag verlängert sich automatisch um jeweils ein Jahr, wenn er nicht vom Nutzer ein Vierteljahr vor Ablauf der Vertragsdauer gekündigt wird", so der weitere Wortlaut.

"Auch wenn laut altem Vertrag eine Fahrrad- und Autobahnkirche vorgeschoben wird, soll es eine funktionierende Kirche werden. Dagegen bin ich, denn nach dem Dach kommen noch andere Dinge", mutmaßte das Gemeindeoberhaupt auf der jüngsten Hauptausschusssitzung. "Am liebsten wäre mir, der Verein übernimmt die Kirche für einen Euro. Überhaupt müsste die Gemeindevertretung grundsätzlich klären, was mit der Ruine passieren soll", sagt Staeck.

"Die Gemeinde weiß, dass wir als Verein nicht Eigentümer werden, das haben wir bereits vor längerer Zeit abgelehnt. Die Frage Kauf stand also nicht, als der alte Vertragsentwurf erarbeitet wurde. Auch wusste die Gemeinde von den vorbereitenden Arbeiten wie Holzeinschlag, Architektenauftrag und das Bemühen um Fördermittel. Wenn wir das Gebäude kaufen, müssten wir die Satzung ändern. Darin ist festgeschrieben, die jetzige Struktur zu erhalten. Eine funktionierende Kirche ist nicht unser Ziel", stellte Reinhard Leber klar.

Der neue Vertragsentwurf stellt den Verein, der bereits 3000 bis 4000 Euro in vorbereitende Arbeiten investiert hat, vor eine neue Situation. "Der Bürgermeister will unser Vorhaben eindeutig abwürgen", wertet Leber die veränderten Textpassagen. Allein die Reduzierung der Nutzungsdauer mache die Förderchance zunichte - notwendig seien mindestens zwölf Jahre, um überhaupt in das Antragsverfahren zu kommen.

Mit der Nutzungseinschränkung dürften künftig die Sternfahrten der evangelische Kirchengemeinde Karstädt nicht mehr mit einem Gottesdienst in Stavenow enden, führt Leber weiter aus. "Das alles sind extreme Einschränkungen." Und: Natürlich wollte man auch eine Haftpflichtversicherung abschließen, aber nur für das Betreten des Gemäuers?

Der neue Vertragsentwurf ging Leber erst gestern zu. Umgehend will er den Vorstand zu einer außerordentlichen Sitzung einladen. Denn dem Verein sitzt die Zeit im Nacken, musste er doch die Förderunterlagen am 15. Januar ohne den besagten Vertrag in Neuruppin einreichen und hat nun bis Mitte Februar Zeit, das nachzuholen. Geschieht das nicht, habe der Förderantrag keine Chance auf Bearbeitung, so Leber. "Der Gemeinde entgehen möglicherweise 84 000 Euro, den Eigenanteil erbringen wir. Mit dem Dach wird die Bausubstanz geschützt, weitere Erhaltungskosten werden damit reduziert."

"Es ist erfreulich, was bisher in Stavenow zur Sicherung und zum Erhalt von Kirchenruine, Gruftanbau und Erbbegräbnis durch die Gemeinde Karstädt und den Förderverein passierte", unterstreicht Gudrun Effenberger gegenüber dem "Prignitzer". "Aus denkmalfachlicher Sicht steht dem Wiederaufbringen eines Dachs nichts entgegen. Wir werden alle Planungen, die zu Veränderungen führen, prüfen, ob sie machbar sind oder nicht. Ein neues Dach stellt aber nicht die alleinige Lösung dar. Ebenso wären andere Varianten möglich. Auch der offene Charakter hat seinen Reiz. Ihren Denkmalwert besitzt die Kirche auch ohne Dach. Das sichert der Bausubstanz allerdings einen besseren Erhalt."

Zur Befürchtung des Bürgermeisters, dass aus der Ruine eine funktionierende Kirche wird, meinte Pfarrer Albrecht Preisler: "Das Bauwerk ist auch jetzt eine Kirche, das hängt nicht vom Dach ab oder ob sie der Kircheneigentum ist oder, wie im Fall Stavenow, einer weltlichen Gemeinde gehört." Regulären Gottesdienst habe es bis in die 60er Jahre in Stavenow gegeben.

Der Prignitzer vom 02. Februar 2012

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