Riebener Kirche wird zum Dorfzentrum

von Andreas Koska

Letzter Bauabschnitt für ein ungewöhnliches Projekt. Kirche und Vereine planen gemeinsame Nutzung.

 
Entkernt. In der Kirche entsteht auch das Büro des Ortsvorstehers.
Foto: Koska

Beelitz - Das Glas splitterte, nachdem Zimmermeister Christoph Guhlke seinen Richtspruch für den Anbau der Riebener Kirche beendet hatte. Die Scherben sollen Glück bringen. Ortsvorsteher Armin Hilgers strahlte. "Das seit einem Jahr geplante Projekt kommt jetzt greifbar zum Abschluss." Mit dem Richtfest wurde gleichzeitig die letzte Bauphase für die Umgestaltung des Gotteshauses zu einem Gemeindezentrum eingeläutet. "KKKSZ, mit dieser Abkürzung kann ich mir am besten merken, was hier entsteht. Es ist ein sensationelles und wegweisendes Projekt", jubelte Bernhard Knuth, Bürgermeister der Stadt Beelitz, zu der Rieben als Ortsteil gehört. KKKSZ steht für "Kulturelles, kirchliches, kommunales und soziales Zentrum", diese Aufgaben sollen nach der Fertigstellung des Umbaus in den Räumen der Kirche wahrgenommen werden.

Von außen ist die Kirche schon renoviert, im zarten Rosa setzt der Turm ein einladendes Zeichen. Das Kirchenschiff ist im Inneren entkernt. Die Orgelempore ist verschwunden. Sie wird etwa zwölf Meter vorgezogen und wieder neu aufgebaut. Der gewonnene Platz wird zu einen Gemeindesaal für die Dorfbewohner ausgebaut, inklusive Fußbodenheizung, darüber sollen ein kleines Sitzungszimmer und das Büro des Ortsvorstehers entstehen. "Hier wollten wir auch die Sanitärräume und die Küchen errichten, da spielte aber die Denkmalpflege nicht mit", so Hilgers. Deshalb hat man neben der Kirche einen Anbau errichtet. Toiletten, Küche, Heizung und ein Lagerraum werden dort entstehen. Verbunden wird der Anbau mit dem Kirchenschiff durch einen Glaskorridor.

"Es ist eine reine Freude, das Leben wird in die Kirche einziehen und sie wird wieder zum Mittelpunkt des Dorfes", sagte Pfarrerin Beate Koschny-Lemke. Sie ist seit 31 Jahren Seelsorgerin im Ort. Etwa 30 Prozent der 320 Einwohner gehören der Kirchengemeinde an. "Trotzdem, richtig voll ist es hier nur zu Weihnachten", sagt sie und freut sich über die vielfältige Nutzung in der Zukunft.

Für den letzten Bauabschnitt werde mit Kosten von knapp einer Million Euro gerechnet, sagte der verantwortliche Bauplaner Jürgen Götz, der in dem Umbau ein Pilotprojekt sieht. Insgesamt wurden in die Maßnahme eine Million Euro investiert. Die Stadt Beelitz ist mit 25 Prozent der Kosten dabei. 75 Prozent kommen aus unterschiedlichen Fördertöpfen, unter anderem vom Landesamt für ländliche Entwicklung. "Als die Förderzusagen kamen, war der Knoten geplatzt, da wussten wir, dass es erfolgreich weitergehen kann", berichtete Hilgers.

Das neue Zentrum soll unter anderem vom Seniorenklub, der Freiwilligen Feuerwehr und dem Verein "Treffpunkt Leben" genutzt werden. "Treffpunkt Leben" hat mit seinen 60 Mitgliedern den Umbau begleitet und wird wohl als Betreiber fungieren. Der gesamte Komplex soll im nächsten Frühherbst während der Festwoche aus Anlass des 650.Jubiläums des Dorfes am 23. September offiziell eingeweiht werden. Andreas Koska

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 30. November 2011

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