Richtkrone grüßt Kirchenhelm

BAUEN: Gotteshaus in Rieben ist Pilotprojekt in Brandenburg / Verein zur Rettung des Denkmals hat mittlerweile 60 Mitglieder

RIEBEN - Als Bauingenieur Jürgen Götz vor elf Jahren erstmals die Kirche in Rieben betrat, wurde er vom Hausschwamm begrüßt. Von den vier Schmuckgiebeln aus dem 19. Jahrhundert waren nur noch zwei erhalten geblieben. Eine Sonnenblume schlängelte sich durch das Dachgebälk.

Die Blume ist heute das Logo des Fördervereins "Treffpunkt Leben", der sich seit Jahren für den Erhalt des denkmalgeschützten Gotteshauses und seine Weiternutzung sowohl für sakrale als auch für politische, soziale und kulturelle Veranstaltungen einsetzt. Von den knapp 340 Riebenern haben sich bis jetzt rund 60 Einwohner dem Verein angeschlossen. "Treffpunkt Leben" ist Programm: Die Kirche und ihr neuer Anbau, über dem seit gestern die Richtkrone schwebt, soll der gesellschaftliche Mittelpunkt Riebens werden.

Nach der erfolgten Hüllensanierung gehen nun zwölf Baufirmen in den nächsten Wochen und Monaten daran, Kirche und Anbau auszubauen. Dazu wird die Orgelempore vom Giebel in die heutige Mitte des Kirchenschiffes versetzt. Der hintere Teil des Baues erhält ein Obergeschoss, in dem ein Büro für den Ortsvorsteher und ein Mehrzweckraum für Beratungen, den Seniorentreff, Vereinsarbeit oder den Jugendklub untergebracht werden. Im Saal im Erdgeschoss können die Riebener später ihre Maifeiern, Erntedankfeste, Adventsfeiern oder auch bestimmte Familienfeste abhalten. Beide Teile der Kirche werden durch eine mobile Glaswand getrennt, die bei größeren Anlässen zur Seite genommen werden kann, damit wieder das ganze Haus genutzt werden kann. Im Anbau werden die sanitären Einrichtungen, die Strom- und Heiztechnik, eine Küche sowie das Stuhllager untergebracht. Auf der 650-Jahr-Feier des Orts soll das Gemeindezentrum am 23. September 2012 eingeweiht werden.

Mehr als eine Million Euro soll das gesamte Gemeindezentrum am Ende kosten, rund 450 000 Euro allein der Wirtschaftstrakt. Neben der Landeskirche, dem Denkmalpflegeamt des Kreises, dem Gemeindekirchenrat und weiteren privaten Spendern unterstützt auch die Stadt Beelitz mit bis zu 25 Prozent der Ausbaukosten den Umbau. Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis), der das Richtfest gestern im wahrsten Sinne des Wortes einläutete, nannte das Bauvorhaben "sensationell und richtungsweisend".

Knuth hat nicht übertrieben: Der Umbau der Riebener Kirche gilt als Pilotprojekt in Brandenburg für die Mehrfachnutzung von Kirchen. Bei einem bundesweiten Wettbewerb hatte das Riebener Projekt bei der Verleihung in Rostock unter 40 Bewerbern den zweiten Preis erhalten. (Von Heinz Helwig)

Märkische Allgemeine vom 30. November 2011

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