Guben Trommelt für ein Jahrhundertprojekt

GUBEN Der Wiederaufbau der einstigen Gubener Stadt- und Hauptkirche begeistert auch internationale Fachleute. Bei einer Tagung in der Berliner Akademie der Künste rührten die Projektmacher erfolgreich die Werbetrommel.

 
Derzeit werden in den Kirchturm die Fenster eingesetzt, bevor die Bauarbeiten für den Winter unterbrochen werden müssen.
Foto: Jörg Ciszewski

Für Anna Dziadek und Janusz Gajda von der Gubiner Bauhütte war der Ausflug in die deutsche Hauptstadt eine Bestätigung ihrer Arbeit. Das Berliner Konferenzprogramm zur Rekonstruktion historischer Stätten war hochrangig. Fachleute gaben Auskunft über die Wiederherstellung der historischen Altstädte von Warschau, Danzig oder Breslau. Doch wirklich Neues hörten die Teilnehmer in der Akademie der Künste aus Gubin. "Nachdem wir das Projekt für den Wiederaufbau der einstigen Stadt- und Hauptkirche vorgestellt haben, sind wir von Architekten und Wissenschaftlern angesprochen worden. Die waren überrascht und sehr interessiert, was bei uns an der Grenze entsteht", sagt Anna Dziadek, die die Bauhütte an der Gubiner Kirchenruine leitet. Die Präsentation hatte Barbara Bielinis-Kopec, Konservatorin aus Zielona Gora, übernommen. Die einstige Kirche, deren Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert reichen, soll ein deutsch-polnisches Kultur- und Informationszentrum werden. Das Gutachten der Denkmalschützer liegt nach knapp zehn Monaten Arbeit vor. Auf die Restauratoren kommt für die sachgerechte Sanierung noch viel Arbeit zu. Der Kirchturm soll im kommenden Jahr zum Frühlingsfest an der Neiße im Juni erstmals begehbar sein. "Das ist ein einmaliges Projekt in der Grenzregion", so Günter Quiel vom Förderverein zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche, der in der vergangenen Woche das Vorhaben der Deutsch-Polnischen Stiftung für Kulturpflege und Denkmalschutz in Görlitz präsentierte. "Es ist wichtig, dass wir die Werbetrommel rühren", so Quiel. Das Projekt ist bereits in Brüssel im Europäischen Parlament präsentiert worden und soll im Frühjahr 2012 auch im Warschauer Parlament vorgestellt werden.

Damit auch in der Bevölkerung von Guben und Gubin ein größeres Bewusstsein für das Bauwerk geschaffen wird, wirbt Monika Wachsmann vom Förderverein um Unterstützung. "Wir suchen Menschen, die die Arbeit an der Kirche mit der Kamera dokumentieren, um sie der Nachwelt zu erhalten." Interessierte könnten sich im Infozentrum in der Berliner Straße melden.

Im Rahmen des Gubener Weihnachtskalenders lädt das Infozentrum am 15. Dezember ein. Unter dem Motto "Weihnachten beim Nachbarn" öffnet die Einrichtung vormittags für Kinder der Gubener Kita Regenbogen und der Gubiner Kita Nr.1 die Türen und am Nachmittag zwischen 14 und 18 Uhr präsentiert das Infozentrum der Stadt- und Hauptkirche sich und seine Arbeit bei Kaffee sowie deutschem und polnischem Gebäck.

Einen Weihnachtsmarkt auf dem Platz vor der Stadt- und Hauptkirche organisieren am 17. Dezember der Förderverein, die Stiftung Fara Gubinska, das Gubiner Kulturhaus und der deutsch-polnische Frauenverein "Nysa". Zwischen 12 und 16 Uhr gibt es auf dem Weihnachtsmarkt Leckereien, Weihnachtslieder und eine polnische Dudelsackkapelle lädt ein zu einem musikalischen Umzug durch die Doppelstadt.

Von Jörg Ciszewski

Lausitzer Rundschau vom 24. November 2011

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