Die Geldbeschaffer

KIRCHE: Kulturverein und Gemeinde kämpfen gemeinsam fürs Gotteshaus in Wust

120 000 Euro sind noch für die Kirche Wust aufzubringen interessant ist dabei die Liste der Geldgeber: Das Konsistorium der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg, Kirchenkreis, Kirchengemeinde Schmerzke, der Verein KulturWust und mit dem Löwenanteil das Land Brandenburg über das Förderprojekt der Integrierten ländlichen Entwicklung ILE.

Pfarrer Rasmus Gramsch weiß vor allem die Rolle des KulturWust-Vereins zu schätzen: "Alles, was der Verein tut, kommt der Kirche zugute. Er übernimmt praktisch die Funktion des Kirchbauvereins." 8000 Euro haben die Frauen und Männer um das Ehepaar Monika Nebel und Gerhard Schneider bereits für das Sanieren des Kirchturms aufgebracht. Weitere 1000 Euro für das Aufarbeiten der Kanzel aus dem Jahr 1883. Ein Restaurator aus der Nachbarschaft rettet, was zu retten ist. Was fehlt, baut er nach, mit alten Werkzeugen. "So entsteht praktisch ein zweites Original", freut sich Schneider, der aber nicht für den Verein allein die Lorbeeren einheimsen will. "Nur mit unseren Veranstaltungen in der Kirche bekommen wir so viel Geld nicht zusammen, wenn man bedenkt, dass der Reinerlös eines Abends vielleicht bei 150 Euro liegt. Da müssten wir noch viele Diavorträge machen." Vielmehr sei der stolze Betrag vor allem bei Sammlungen unter den Wuster Bürgern zusammengekommen, auch Unternehmen wie Mebra und MBS-Sparkasse gaben größere Beträge.

Jetzt hoffen die Kirchenbewahrer auf viele positive Antworten. Im Dezember steht die Entscheidung des Konsistoriums an, doch ist diese nur eine Formalie, das Geld wurde schon avisiert. Dann dürfte dem ILE-Ausschuss im Januar auch die Entscheidung leichter fallen, hofft Gramsch. Dessen Mitglieder hatten im Frühjahr sich schon einen Eindruck von der Kirche verschafft.

70 000 Euro kostet allein das Sanieren des Turms der im 13. Jahrhundert errichteten Feldsteinkirche, die 1881 ihre neogotische Hülle verpasst bekam. In den Turm dringt Wasser ein und drückt dort die beiden Schalen aus gemauerter Innenwand und Verblendklinkern auseinander. Die Planungen sind im Groben fertig, präzisiert werden können Aufwand und Detailarbeiten erst, wenn das Gerüst steht, sagt Gramsch.

Im Inneren des Gotteshauses sind die Kanzel und der Altaraufsatz noch herzurichten. Es fehlen gescheite Stühle, eine Licht- und eine Temperierungs-Anlage sowie ein so genanntes Galeriesystem. Das sind beispielsweise Bespannungen an den Wänden, an denen Bilder und andere Kunstwerke in Ausstellungen drapiert werden können.

Vor Jahren schon wurde großer Aufwand um die Kirche betrieben. Die DDR hatte das Haus schon Mitte der 70er- Jahre aufgegeben, die Rettungsmaßnahmen gleich nach der Wende kamen zur rechten Zeit Fassade und Spitzbogenfenster wurden repariert, abgedichtet, teilweise ersetzt.

Die Schar der treuen Kirchgänger in Wust ist übersichtlich gemeinsam mit denen in Gollwitz und Neuschmerzke bilden sie eine Kirchengemeinde, die wiederum eine von sechs im Sprengel Brandenburg-Ost/Krahne ist, zu dem allein acht Gotteshäuser zählen. Pfarrer Gramsch ist darum froh um jede weltliche Hilfe: "Wir bilden hier alle eine Lebenseinheit und so eine Kirche ist häufig das Zentrum eines Dorfes." (Von André Wirsing)

Märkische Allgemeine vom 03. November 2011

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