Herrn von Klitzings neue Nase

Borgsdorf (MZV) Caspar von Klitzings Standbild ist unter einer Plane den Blicken der Kirchenbesucher weitgehend entzogen. Der Potsdamer Restaurator Ulrich Schneider, dem der Förderverein bereits einige andere Restaurierungen in dem Gotteshaus anvertraut hat, ist schon bei der Arbeit. Er will das ursprüngliche Aussehen des Grabmals, das vermutlich ebenfalls etwa 400Jahre alt ist, wiederherstellen. Die Kirche selbst ist viel jünger; der klassizistische Stüler-Bau wird im kommenden Jahr 150 Jahre alt.

 
Der alte Mann und sein Restaurator: Ulrich Schneider geht Caspar von Klitzing an die Nase.
Foto: Weißapfel

Das Klitzing-Epitaph stammt aus der Kirche, die früher an diesem Platz stand. "Es steht als Ausstattungsstück aber für sich", erläutert Restaurator Schneider. Er hat vier Farbanstriche auf dem Sandstein gefunden. Mit einem Dampfstrahlgerät bearbeitet er vorsichtig den Stein. Daher hat von Klitzing momentan einen leichten Grünstich. "Durch das Abbeizen entstehen Kupfersalze" sagt Ulrich Schneider. "Der jüngste Anstrich enthält außerdem Bronzepartikel. Da wurde, vermutlich in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, versucht, einen Bronzeeffekt herzustellen." Mit der Denkmalbehörde stimmt er die endgültige Fassung ab.

Auch die Beschädigungen müssen beseitigt werden: Caspar von Klitzing benötigt quasi eine Nasenkorrektur und eine Operation an der Hand. Sein Gewand muss ebenfalls "geflickt" werden. Bei einem Einbruch vor 20Jahren war der Innenraum der Kirche verwüstet und die Grabplatte mutwillig beschädigt worden. "Das sind richtige Hackspuren", sagt Schneider und deutet auf die lädierte Hand der Gutsherren-Nachbildung. Das Geld für diese Restaurierung hat der Förderverein der Pinnower Kirche unter anderem dank einer Spende der Mittelbrandenburgischen Sparkasse schon zusammen. Doch ist noch einiges mehr zu tun bis zu den Jubiläen im kommenden Jahr, beispielsweise die weitere Ausmalung der Wand mit großen Quadern im täuschend echten Marmordekor, wie sie über dem Epitaph schon zu sehen ist. Aus kleinsten noch vorhandenen Partikeln hat Ulrich Schneider Farbe und Struktur der rot umrandeten Quader, die einst den ganzen Raum veredelt haben, rekonstruiert und wieder aufgetragen.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Angelika Krüger-Leißner hat vom Fördervereinsvorsitzenden Klaus Sokol gestern im Schnelldurchlauf vieles über die Kirche, die Arbeit des Vereins und die Restaurierung erfahren.

In der Bundespolitikerin wünscht sich der Verein vor allem eine Fürsprecherin und Ansprechpartnerin für potenzielle Mittelgeber. Förderprogramme richteten sich zurzeit vorwiegend auf die Bausubstanz und den Erhalt der Gebäude, so Angelika Krüger-Leißner. Für eine Denkmalsschutzstiftung, die Landeskonservator Professor Dr. Detlef Karg aufbauen wollte, habe das Land kein Geld gegeben, bedauerte die Politikerin. Sie sagte aber zu, die Pinnower Kirche beim Landeskonservator ins Gespräch zu bringen.

Märkische Oderzeitung vom 01. November 2011

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