Kirchen in neuem Glanz

Prötzel/Neulietzegöricke (MOZ) Mit Gottesdiensten, Ehrungen und vielen Dankes- und Grußworten sind am Sonntag die Kirchenin Prötzel (Dorfkirche des Monats August 2009) und Neulietzegöricke (Dorfkirche des Monats April 2010) nach ihren Sanierungen wieder in Betrieb genommen worden. Sie sollen künftig auch Kulturstätten sein.

 
Prötzel, 30.10.2011: Wiedereröffnung der Schlosskirche in Prötzel mit einem feierlichen Gottesdienst Pf. Raik Fitzner, Pfarrsprengel Märkische Schweiz
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Wiederinweihung der Kirche Neulietzegöricke Superindendent Roland Kühne und Generalsuperindendent Martin Herche
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1164 Dorfkirchen gibt es im Land Brandenburg, hinzu kommen 700 Stadtpfarrkirchen. Im Amt Barnim-Oderbruch gibt es 13 Kirchen. Und gleich zwei von ihnen, die Schlosskirche Prötzel und die Dorfkirche Neulietzegöricke, strahlen innen und außen in neuem Glanz, sollen künftig nicht nur möglichst viele Gläubige zu Gottesdienst und Andacht einladen, sondern auch die weltliche Gemeinde zu Konzerten, Begegnungen, Kultur.

So der Tenor der beiden Festgottesdienste vom Sonntag, mit denen die beiden Kirchen nach jahrelanger Sanierung wieder in den sakralen Betrieb genommen wurden. Die künftig auch kulturelle Nutzung ist eine Voraussetzung, damit die Europäische Union und das Land Brandenburg die Sanierung fördern. In Neulietzegöricke, dem ältesten Kolonistendorf des Oderbruchs, ist dies schon vorher mit Konzerten geschehen. Die Prötzeler Schlosskirche hingegen, das Gotteshaus der Kirchengemeinde Prädikow, war in einem derart desolaten Zustand, dass der wohl wichtigste Initiator ihrer Sanierung, Eberhard Klemke, sich vor vielen Jahren händeringend an Ortsvorsteher Olaf Kaupat um Hilfe wandte. Es gab eigentlich nur die Alternative, die Kirche abzureißen und Rasen anzusäen oder sie zu sanieren.

Olaf Kaupat gedachte in seiner Rede eines knappen Dutzends Gründungsmitglieder des Fördervereins, die die Vollendung der Sanierung nicht miterleben konnten. So lange hat es gedauert, die Fördermittel und Eigenanteile einzuwerben. Europäische Union und Land Brandenburg steckten 417 00 Euro in die Sanierung, berichtete Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD). Der Superintendent des Kirchenkreises Fürstenwalde-Strausberg, Frank Schürer-Behrmann, sprach von den 80 Kirchen und 50 Gemeindehäusern des Kirchenkreises, für die jährlich 250 000 Euro zur Verfügung stünden. Insgesamt. "Da kämen wir pro Haus auf 2000 Euro, für die Prötzeler Kirche kommt der Faktor 100 hinzu." Förderung kam auch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit Mitteln der Glücksspirale.Generalsuperintendent Martin Herche führte das Gleichnis vom Reich Gottes und dem winzigen Senfkorn aus dem vierten Kapitel des Markus-Evangeliums an, das unscheinbare Senfkorn, aus dem schließlich eines der größten Kräuter sprieße: "Es beginnt ganz klein mit einem, der sagt, wir müssten etwas tun. Dann schließen sich mehrere und schließlich viele diesem Vorhaben an." Er würdigte, wie die ganze Gemeinde, kirchliche wie weltliche, die Sanierung der Kirche vorangebracht haben, wie Spenden und Sponsoring beim Eigenanteil halfen.

Landeskonservator Prof. Detlef Karg bat in seinem Grußwort die Gemeinde dringend darum, das leergezogene Feuerwehrgebäude zwischen Schloss und Schlosskirche abzureißen: "Sie werden erleben, was das für eine wunderbare Raumbeziehung ergibt." Ortsvorsteher Olaf Kaupat nahm den Ball geschickt auf: "Wir haben bereits die Abrissverfügung erwirkt, doch die Brandenburgische Bodenverwaltungs- und -verwertungsgesellschaft als Grundeigentümer will von uns pro Quadratmeter 20 Euro haben. Da brauchen wir wieder ihre Hilfe, Herr Minister", wandte er sich an Jörg Vogelsänger.

Kaupat ehrte Eberhard Klemke mit der ersten Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Prötzel. Mit der Ehrennadel der Gemeinde wurde Rolf Kaupat ausgezeichnet. Als Präsent bekam er einen modernen Computer dazu und den Wunsch nach einer Chronik.

Für Generalsuperintendent Martin Herche, Bundestagsabgeordneten Hans-Georg von der Marwitz (CDU) und Amtsdirektor Karsten Birkholz ging es noch vor der Ehrung der Handwerker weiter nach Neulietzegöricke. Schließlich startete dort vor dem Festgottesdienst eine Foto-Präsentation per Computer-Beamer mit der Chronik der Sanierung. Hella und Wolfgang Mühlberg haben den Ablauf professionell mit der Kamera begleitet und in beeindruckenden Aufnahmen die ganze Dimension dieses Sanierungsvorhabens plastisch gemacht. Landrat Gernot Schmidt (SPD) kommentierte: "Wenn man sieht, wie kurz vor dem endgültigen Verfall das Gebäude stand, möchte man nicht glauben, dass es gelungen ist, die Kirche wieder so in ihrem alten, neuen Glanz erstrahlen zu lassen."

Die Sanierung der genau 171 Jahre und zwei Tage zuvor erstmals eingeweihten Kirche begann mit dem Aufstellen des Gerüstes am 18. Mai 2010. Besonders die vergleichenden Aufnahmen am Schluss der Präsentation zeigen, dass der Bau stellenweise regelrecht skelettiert war,

Die Monate der Sanierung der Kirche im ältesten Kolonistendorf des Oderbruchs waren getrübt von einem Zerwürfnis des Gemeindekirchenrats mit dem früheren Pfarrer Hans-Peter Nitsch. Generalsuperintendent Herche machte in seiner Predigt vom Kanzelaltar keinen Bogen um das heikle Thema: "Ich habe in Zossen Pfarrer Nitsch getroffen. Er hat mich gebeten, Ihnen Grüße auszurichten und zu sagen, es gehe ihm gut." Herche sprach von schweren Monaten im Pfarrsprengel: "Manchmal ist es so, dass man nichts mehr erkennt, was einen hoffen lässt. Hat es noch Sinn, fragt man sich, in der Gemeinde mitzuarbeiten, ja, noch in der Kirche zu sein oder gar, hat es noch Sinn zu glauben?" Und er führte wieder das Gleichnis vom Senfkorn an, das beweise, Gott könne mehr, als die Menschen denken. Superintendent Roland Kühne wies darauf hin, dass Einsprüche gegen die Übertragung der vakanten Pfarrstelle an Nanna Maria Luttenberger bis zum 13. November eingereicht werden könnten.

Märkische Oderzeitung vom 01. November 2011

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