Puzzlearbeit in der Schlosskirche

Prötzel (MOZ) Fast zwei Jahre verbrachte die Orgel der Schlosskirche im Eberswalder Exil. Nun ist sie wieder nach Prötzel zurückgekehrt. Dort wird sie an ihrem neuen Standort aufgebaut, die Pfeifen werden eingepasst und schließlich muss die Orgel auch noch gestimmt werden.

 
Aus Meisterhand: Harry Sander montiert die Prospektpfeifen an der Orgel in der Schlosskirche Prötzel.
© MOZ/Nadja Voigt

Die Orgelbauer der Eberswalder Firma Sander und Mähnert haben dieser Tage alle Hände voll zu tun. Es wird geputzt, gestrichen, aufgebaut und eingepasst. Denn die Königin der Instrumente musste komplett überarbeitet werden und bekommt einen neuen Standort. Während sie früher auf der Empore stand, befindet sie sich nun, am Ende der fast dreijährigen Sanierungsarbeiten der barocken Schlosskirche im unteren Teil der Kirche."Gebaut wurde sie von unseren Vorvorgängern in der Eberswalder Werkstatt", erzählt Orgelbauermeister Harry Sander. "Dann haben wir sie für die Zeit der Sanierung ausgebaut und bei uns eingelagert."

Zwei Jahre stand die Orgel in Eberswalde, nun ist sie zurückgekehrt. Doch ist das in den 1950er-Jahren gebaute Modell nicht mehr ganz dasselbe. "Sie war nach hinten über einen Meter länger", erinnert sich Sander. Doch nun ist die Windlade, das Herzstück jeder Orgel, in den Holzkorpus integriert worden. Das spart eine Menge Platz und wirkt sich nicht nachteilig auf den Klang aus. Ganz im Gegenteil. "Das war eine Riesenkiste für die wenigen Register", schmunzelt Harry Sander. Auch von der Optik sei es eben ein sehr einfaches Nachkriegsmodell gewesen und "eher unschön".

Das hat sich nun geändert: Strahlendweiß leuchtet das Instrument seinem Einsatz beim Festgottesdienst am 30. Oktober entgegen. Dann wird die Schlosskirche feierlich wieder in den Dienst gestellt. Dabei wird Generalsuperintendent Martin Herche die Predigt halten und der Strausberger Superintendent Frank Schürer-Behrmann leitet den Festgottesdienst.

Bis dahin haben Harry Sander, Geselle Andreas Müller und Lehrling Julian Sander noch jede Menge vor. "Das ist eine ganz schöne Puzzlearbeit, alles wieder zusammenzufügen", weiß der Meister. "Das ist ein bisschen wie bei einem alten Haus. Da muss man Kompromisse eingehen, während bei einem Neubau alles möglich ist." Aber das sei auch eine schöne Herausforderung für ihn und seine Mitarbeiter.

Während Harry Sander die Prospektpfeifen einsetzt, spielt Andreas Müller schon mal die ersten Töne an. Vorher hat er mit einer kleinen Rolle und viel weißer Farbe die letzten Ecken an der Orgelhülle geweißt. Julian Sander ist derweil mit einer Zahnbürste zu Gange und reinigt die Pfeifen. In nur 14 Tagen wollen die drei den technischen Aufbau, die Intonation und die Generalstimmung über die Bühne gebracht haben. 39 sichtbare Pfeifen im Prospektbereich wurden gestern fertig eingesetzt. Insgesamt sind es 422 und sieben Register. "Die Prospektpfeifen sind alle neu", sagt Harry Sander. Die alten waren aus Zink und wurden nun ausgetauscht.

Bei der sogenannten Nachintonation muss Sander nun darauf achten, dass die Pfeifen alle die gleiche Lautstärke haben. Viel wichtiger aber ist, erklärt der Fachmann, dass die Pfeifen dem Klangcharakter des Registers entsprechen. Als letzten handwerklichen Akt beschreibt Sander die sogenannte Generalstimmung. "Dazu braucht man viel Konzentration, Ruhe und Temperaturbeständigkeit", zählt er auf. Deshalb habe er die anderen Gewerke gebeten, an diesen Tagen nicht in der Kirche tätig zu sein. So kommt der Restaurator nun am Sonnabend, um die Kanzel zu bearbeiten. Noch hängen die Spinnweben daran.

In der nächsten Woche kehren dann auch die restaurierten Särge derer von Eckardstein in die Familiengruft unterhalb der Kirche zurück. "Sie waren die letzten Patrone", sagt Rolf Kaupat, Gründer des Fördervereins Schlosskirche Prötzel und Bürger des Ortes. "Ich bin stolz, dass es uns gelungen ist, die Kirche zu erhalten." Der einzige Wehrmutstropfen sei, dass die Apsis zum Festgottesdienst noch nicht restauriert sein wird.

Märkische Oderzeitung vom 21. Oktober 2011

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