Sie bimmelt bis es klimpert

SANIERUNGSFALL: Sewekower sorgen schon selbst dafür, dass ihre Kirche im Dorf bleibt

SEWEKOW - Diese Sparbüchse könnte wohl alleine schon einen ordentlichen Geldbetrag bei Sammlern erzielen. Ein maßstabgerechtes Modell der Dorfkirche Sewekow wurde von den Beschäftigten in den Werkstätten der Stephanus-Stiftung hergestellt. Bis ins Detail ist das Modell nach den echten Bauzeichnungen der Sewekower Kirche nachgebaut worden.

Mit geschickten Fingern haben das die gewandten Modellbauer dabei sogar sprichwörtlich auf die Spitze getrieben und in dem nachgebauten Kirchturm tatsächlich ein klingendes Glöckchen aus Metall reingehängt. Bei jeder Handbewegung mit der Sparbüchse, wenn jetzt Geld eingeworfen wird, erklingt die kleine Metallglocke. Und das geschah jüngst beim "Tüffel-Fest", zu dem der Ur-Sewekower Erhard Nöhmke zum zweiten Mal auf seinen Bauernhof eingeladen hatte, recht oft.

Ohne viel Werbung hatte Nöhmke wieder einmal zu sich eingeladen. Mit den Dorfbewohnern plauderte er über längst vergangene Zeiten der bäuerlichen Einzelwirtschaften in Sewekow, den Alltag in der Landwirtschaft und natürlich über alles rund um die Kartoffel auf Plattdeutsch heißt sie "Tüffel". Viel wurde erzählt und manches gezeigt. Und so wurde dabei viel plattdeutsch geredet und synchron für die Laien hochdeutsch übersetzt. Nöhmke und die anderen alten Leute im Dorf haben viele Geschichten auf Lager, was sich mit Kartoffeln anfangen lässt. Sie erzählten nicht nur davon, sondern ließen allerlei, vom Schnaps bis zum Puffer, probieren. Zudem ist der Hof der Eheleute Nöhmke auch voll von alten landwirtschaftlichen Gerätschaften. Schließlich gibt es ja unter dem Dach von Gudrun Nöhmkes Bauerncafé ein prall gefülltes Museum. Und wenn es bei aller Erzählerei rund um Heimat, Dorfleben und urige Geschichten geht, dann gehört selbstverständlich auch dazu, dass die Dorfkirche ins Spiel gebracht werden muss. Denn sie war schon immer ein zentraler Ort im Dorfleben, früher, gestern und heute.

Nun sind die Einwohner wegen des dringend sanierungsbedürftigen Zustandes ihrer Dorfkirche besorgt. Das brachten sie auch beim "Tüffel"-Fest deutlich zum Ausdruck; auch dass sie noch mehr Einsatz vom Kirchenbauamt in Berlin bei der Geldbeschaffung erwarten und sie wollen ihren eigenen Beitrag dazu leisten. Keine leeren Worte: während des Festes kam die neue Sparbüchse zum ersten Mal zum Einsatz und die fast 100 Sewekower bei Nöhmkes Tüffelfest haben klingendes und knisterndes Geld spendiert. Dabei machen sie absichtlich einen Unterschied. Diese Geldspenden sind jetzt von den Dorfbewohnern und werden als sogenannte Eigenmittel auf einem großzügig von der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin bereitgestellten kostenfreien Spendenkonto gesammelt. Das soll die evangelische Kirche und ihr Kirchenbauamt motivieren, gleichfalls engagiert Eigenmittel sowie eine ordentliche Summe Fördermittel zu beschaffen. So soll die Dorfkirche noch rechtzeitig als Gotteshaus und in gleicher Weise als Kulturstätte des Dorfes gerettet werden. (Von Gerd-Peter Diederich)

Märkische Allgemeine vom 01. Oktober 2011

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