Sanierung ist keine Zukunftsmusik

KIRCHE: Förderpreisverleihung sorgt für gute Vorzeichen für den weiteren Erhalt der Steffenshagener Kirche

STEFFENSHAGEN - Fast ein bisschen versteckt steht das Steffenshagener Gotteshaus (Stadt Pritzwalk) an der Biegung der Durchfahrtsstraße. Die hohen Bäume lassen wenig von der trutzigen Feldsteinfassade aus dem 15. Jahrhundert durchblicken. Mit seiner hell verputzten Fassade mutet der Kirchturm dagegen in der herbstlichen Morgensonne leicht und fast südländisch an.

Der ist allerdings auch gleichzeitig das Sorgenkind der Steffenshagener Kirchengemeinde, die Eigentümerin des Gebäudes ist. Seit Jahren weisen breite Risse und Verschiebungen im Mauerwerk seines Eingangsbereiches auf Schäden in dessen Fundament hin. "Mit den 2500 Euro der Anschubfinanzierung können wir nun das Gutachten zur Schadenskartierung bezahlen", äußert sich erfreut Margit Vogel , die sich als Ortsvorsteherin und Vorsitzende des dortigen Heimatvereins für den Erhalt der Dorfkirche einsetzt. Unterstützung bekommt sie dabei von vielen engagierten Steffenshagener Bürgern. Ob es das wöchentliche Aufziehen der Kirchturmuhr oder die Pflege der Grünanlagen um die Kirche ist seit seiner Gründung im Jahre 1998 haben sich die Mitglieder des örtlichen Heimatvereins auch den Erhalt und die Nutzung ihrer Kirche auf die Fahne geschrieben.

Obwohl die Häufigkeit der Gottesdienste abgenommen hat, wird das Gebäude inzwischen zunehmend auch als kultureller Mittelpunkt des Ortes genutzt. So fanden hier bereits Konzerte, Ausstellungen oder Vorträge statt. Erst zur Eröffnung des diesjährigen Dorffestes am Anfang des Monats hatte die Laaskerin Ingrid Klaß über Erntebräuche in der Prignitz referiert.

Nachdem das Steffenshagener Gotteshaus 1917 nach einem Blitzeinschlag bis auf die Außenmauern niedergebrannt war, wurde es im Jahre 1920 neu errichtet. Den Entwurf für die damaligen Restaurierungsarbeiten hatte Curt Steinberg, der damalige Leiter des Kirchlichen Bauamtes, geliefert. Mit der von ihm ebenfalls entworfenen, üppig mit floralen Motiven bemalten, hölzernen Tonnendecke weist die Steffenshagener Kirche eine weitere bemerkenswerte Besonderheit auf. Allerdings sind dort inzwischen Verschiebungen des Gewölbes festzustellen, die auf Probleme in der Statik hinweisen.

Durch das Gutachten des beauftragten Architekturbüros konnten nun die schlimmsten Schäden dokumentiert werden. "Der Mut zur Sanierung ist da, aber jetzt müssen wir erst einmal wissen, wie wir rangehen können", so Margit Vogel.

Zur feierlichen Überreichung des Schecks war sie eigens nach Niederlehme (Dahme-Spree) gereist. Bevor die ersten konkreten Maßnahmen in Angriff genommen werden, ist als erster Schritt eine Zusammenkunft mit Vertretern des kirchlichen Bauamtes und der unteren Denkmalbehörde des Landkreises geplant. Erst wenn die Kosten für die Sanierung ermittelt sind, könne man die Finanzierung des Vorhabens planen.

Kleinere Maßnahmen wie die Holzwurmbekämpfung im Innenraum im Mai dieses Jahres konnten dank vieler Spendenaktionen des Vereins schon erfolgreich durchgeführt werden.

Um weitere Ideen sind die rührigen Steffenshagener nicht verlegen. So kann sich Margit Vogel vorstellen, dazu auch ehemalige Steffenshagener "mit ins Boot zu holen", wie sie sagt.

Vielleicht kann dann auch eines Tages wieder die derzeit defekte Orgel des bekannten Orgelbauers Alexander Schuke erklingen. "Das ist aber wirklich noch Zukunftsmusik", so Margit Vogel. (Von Susanne Liedtke)

Märkische Allgemeine vom 27. September 2011

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