Paten finanzieren Orgelpfeifen

Neuenhagen (MOZ) Der Orgel-Förderverein Insel Neuenhagen verbucht seinen ersten Erfolg. Mit Hilfe von Spenden wird die Orgel der evangelischen Kirche in Neuenhagen gerade saniert. Die Königin der Instrumente erklang nur noch zum Teil.

 
Blick in die Orgel: Orgel-Experte Karl Richter aus Bad Freienwalde hält eine der neuen wertvollen Prospektpfeifen der Neuenhagener Kirche in die Kamera. Sie werden in Handarbeit aus Zinn hergestellt und kosten je nach Größe zwischen 50 und 400 Euro.
© MOZ

Auf der Empore der Neuenhagener Kirche blinkt es. Die 56 vom Kirchenschiff aus sichtbaren Metallpfeifen sind bereits ersetzt worden. Ein großer Teil der Holzpfeifen, die normalerweise nicht sichtbarsind, stehen und liegen ordentlich gestapelt neben dem Instrument. Über insgesamt 500 Pfeifen verfügt das Instrument. Sie verhelfen dem Instrument zu seinem charakteristischen Klang.

"Sie werden alle gereinigt, auf Risse und Spuren des Holzwurms geprüft", sagte Ullrich Gericke, Schriftführer des Fördervereins und Kirchenmusiker der evangelischen Kirchengemeinde Bad Freienwalde. Die Orgel wies große Schäden auf und sei nur noch teilweise bespielbar gewesen, so Gericke. Eines von zehn Registern funktionierte gar nicht mehr.

"Eine Orgel ist eine Maschine mit vielen beweglichen Teilen, die von Zeit zu Zeit erneuert werden müssen", erläuterte Karl Richter, Orgel-Experte aus Bad Freienwalde und ebenfalls Vereinsmitglied. An der Neuenhagener Orgel sei jedoch seit dem Bau 1902 nichts mehr gemacht worden.

Rund 19 000 Euro kostet die Sanierung der Orgel insgesamt. Um die Kirchengemeinde zu entlasten, hat der Orgel-Förderverein Paten für die Metall-Pfeifen des Prospektes gesucht. Sie schlagen mit 7050 Euro zu Buche "Für 52 von 56 Pfeifen haben wir Paten gefunden", so Achim Richter, stellvertretender Vereinsvorsitzender. Sie kosteten je nach Größe zwischen 50 und 400 Euro. Die Originalpfeifen seien 1917 im Ersten Weltkrieg ausgebaut worden, um daraus Kriegsgeräte zu fertigen. Ersetzt wurden sie damals durch Pfeifen aus Zink.Die neuen Pfeifen seien wie die Originalpfeifen aus Zinn, zu 75 Prozent hochlegiert, sagte Karl Richter. Zinn sei ein sprödes Material, das sich gut verarbeiten lasse. Zudem sei Zinn wegen der Klangfarbe von Vorteil. "Obertönige Pfeifen haben einen sehr hohen Klang", erläuterte Karl Richter. Ein großes Problem bereitete den Restauratoren der Holzwurm, dem sie mit chemischen Mitteln zu Leibe rückten.

Das Instrument eine zwei manualige Kegelladen-Orgel mit zehn Registern war 1902 von Paul Bütow aus Königsberg/Neumark, dem heutigen Chojna in Polen, hergestellt worden, sagte Karl Richter. Die Neuenhagener Orgel ist die zweitletzte von ihm erhaltene Orgel. Er galt nicht nur als solider Handwerker, sondern auch als hochbegabter Intonateur. Da die Neuenhagener Orgel nie umgestimmt wurde, klingt sie noch so, wie sie der Orgelbauer konzipiert hatte.

Die Neuenhagener Orgel wird am 8. Oktober um 14 Uhr mit einem Festgottesdienst wieder in Betrieb genommen. Der Berliner Domorganist Professor Andreas Sieling wird um 16.30 Uhr das erste (Benefiz-)Konzert auf der vollständig restaurierten Orgel spielen. Bis dahin haben die Restauratoren noch viel zu tun. So wird außen die weiße Farbe entfernt, die nicht dem Original entspricht.

Danach widmet sich der Verein den Orgeln in den Kirchen Bralitz und Altglietzen, die wesentlich größere Schäden als die in Neuenhagen aufweisen.

Märkische Oderzeitung vom 14. September 2011

   Zur Artikelübersicht