Einladendes Gotteshaus

KULTUR: In der Schönebecker Kirche demnächst erstes Konzert nach abgeschlossener Innengestaltung

SCHÖNEBECK - Es riecht nach frischer Farbe, und helles Licht flutet durch die beiden neuen Ostfenster in den Altarraum, als Renate Schulz die niedrige Eichentür der Schönebecker Kirche öffnet. Großgewachsene Besucher müssen wohl den Kopf einziehen, wenn sie das Innere des Fachwerkbaus von 1660 betreten. Dafür werden sie dort von hoher, lichter Weite und freundlichen Farben empfangen.

Decke, Wände und Gestühl leuchten in einem warmen Cremeton, das Rot der Sitzauflagen und des Sisalteppichs auf dem Boden des Ganges schafft eine heimelige Atmosphäre. Und so verwundert es nicht, dass von den Schönebeckern (Gemeinde Gumtow) beim Betreten ihrer Kirche öfter zu hören sei: "Wir gehen wieder in unser Wohnzimmer", erzählt Gemeindemitglied Renate Schulz. Als Vorsitzende der "Initativgruppe Kirche" engagiert sich die Schönebeckerin seit dem Jahr 2005 für die Sanierung des dortigen Gotteshauses.

"Eigentlich sollten damals nur ein paar Schwellen am Turmeingang ausgewechselt werden", erinnert sie sich, aber bei der Besichtigung durch den Denkmalschutz sei dann die Baufälligkeit des ganzen Gebäudes festgestellt worden. Nachdem die umfangreichen Außenarbeiten im Jahr 2009 abgeschlossen waren, sollte nun auch das Kircheninnere in neuem Glanz erstrahlen. Noch zierte es die braun-grüne Bemalung aus den 1980er Jahren. Bei der Sanierung des Mauerwerks in der Ostfassade waren zwei schmale Fenster entdeckt und freigelegt worden. "Zum Glück hatten wir ein altes Foto von 1910, auf dem die Originalgestaltung noch gut zu erkennen war."

Allerdings hätten die Arbeiten an Fachwerk und Dach alle finanziellen Mittel aufgebraucht, so dass die Gemeinde für die Innenausmalung auf eigene Initiative zurückgreifen musste, fügt Ehemann Michael Schulz hinzu: Startkapital für die ersten Farbeimer lieferte dabei das Benefizkonzert der Kreismusikschul-Bigband im Frühjahr vergangenen Jahres. Am kommenden 1. Oktober setzt nun ein klassisches Konzert mit Soprangesang und Piano das Ausrufungszeichen hinter den gelungenen Abschluss der Arbeiten.

Allerdings hatte auch schon während der Renovierungsarbeiten oft laute Musik Anwohner an die Kirche gelockt, berichtet Michael Schulz. "Wir haben ja viel Freizeit hier verbracht und dann bei christlicher Lobpreismusik gearbeitet und laut mitgesungen." Unzählige Stunden verbrachten die Schönebecker und ihre Unterstützer aus der Buchholzer Kirchengemeinde im vergangenen Jahr damit, alte Farbe von Bänken, Decke und Empore abzuschleifen und Wände abzuwaschen. Pinselstrich um Pinselstrich trieben sie die Wiederherstellung des umlaufenden Schmuckbandes und der drei Psalmverse voran. In späteren Fassungen übermalt, waren die Malereien erst beim Entfernen des alten Anstriches wieder zum Vorschein gekommen. Michael Schulz hatte dazu für Farbe und Schriftart Muster angefertigt und diese dann nach Abstimmung mit der Denkmalbehörde per Schablone und Folie auf die Wand gebracht. Jeder hat geholfen, wie er konnte, freut sich Renate Schulz. So haben Frauen aus dem Dorf nach der Renovierung die Fenster geputzt. Und die 94-jährige ehemalige Schönebeckerin Minna Dietzschold häkelte die Spitze der dekorativen Decke, die das Taufbecken der Kirche ziert. So schafft das Engagement für ihre Kirche eine Verbindung über die Generationen hinweg erlebten dort doch Renate und Michael Schulz vorigen Sonnabend erst die Hochzeit ihres Sohnes Robert und die Taufe seiner Frau Susanne. (Von Susanne Liedtke)

Märkische Allgemeine vom 14. September 2011

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