Kantows Kirche schwebt

DENKMALSCHUTZ: Die morschen Balken sind weg, doch der Bau steht noch

 
Auch am Dachstuhl müssen die Holzexperten der Perleberger Firma Kilimaschewski große Teile der von Pilzen und Insekten zerfressenen Balken ersetzen.
Foto: BECKMANN

KANTOW - Kantows Kirche schwebt. Klingt unglaublich, ist aber zumindest im praktischen Sinne wahr: Kaum ein Teil des historischen Kirchenschiffs ist momentan noch mit dem Fundament verbunden. Und trotzdem steht der Fachwerkbau. Eine Stützkonstruktion aus massiven Kanthölzern sorgt für Stabilität.

Notwendig wurde der technische Kunstgriff, damit die Fachhandwerker die bodennahen Teile des Fachwerks sichern und erneuern können. Viele der Kiefernbalken wurden über Jahrhunderte von Holzschädlingen und Feuchtigkeit stark in Mitleidenschaft gezogen. Da hilft nur noch der Austausch. Darüber hinaus war der ganze Bau im Laufe der Zeit stark abgesackt sein Fundament war den Anforderungen nicht gewachsen. Nun muss die Kirche um rund 30 Zentimeter angehoben werden. Das Fundament wurde bereits erneuert und mit Beton stabilisiert. Wenn die Zimmerer die untersten Schwellen des Fachwerks erneuert haben, wird auch das stützende Mauerwerk wieder errichtet.

Dann hat es sich ausgeschwebt für Kantows Kirche.

Bis dahin soll sich aber auch am Dach noch einiges tun. Auch in diesem Bereich sind viele Balken kaum noch zu retten. Hausschwamm hatte sich ausgebreitet. Zimmerer haben das morsche Holz inzwischen entfernt und passen derzeit neue Balkenköpfe an. Diese Arbeiten sollen bald abgeschlossen sein.

Künftig soll eine Dachrinne die Holzkonstruktion vor Feuchtigkeit und schnellem Verfall schützen. Allerdings verzichtet man in Kantow auf Kupfer an den Traufen: Zu häufig machen Diebe Sanierungsbestrebungen solcher Art zunichte.

1696 wurde das kleine Kantower Gotteshaus eingeweiht. Seit 2006 bemüht sich der "Förderverein Offene Kirche Kantow" um die dringend gebotene Sanierung. Vor allem finanziell erweist sich das Vorhaben als wahre Herausforderung, da sich der Zustand des Gebäudes im Laufe der Bauarbeiten als wesentlich kritischer entpuppte als anfangs befürchtet. (Von Winfried Langhof und Alexander Beckmann)

Unter www.loegow.homepage.t-online.de, Stichwort "Förderverein Kantow", stellt der Verein sich vor. Autor Winfried Langhof ist Mitglied des Vereinsvorstandes.

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Wegträger

Lange sah es so aus, als sollte das Kantower Kirchlein aus dem 17. Jahrhundert das Ende des 21. Jahrhunderts nicht erleben. Die tragenden Teile in der Kirche hatten sich im Laufe der Zeit in Wohlgefallen aufgelöst. Das wiederum erregte das Missfallen jener, die sich zu einem Förderverein zusammenschlossen. Inzwischen haben dessen Mitglieder erreicht, dass es das Haus mit dem Turm weiterhin geben wird. Wie überall in den Dörfern, in denen es Menschen gibt, die eigentlich die "tragenden Teile" sind, muss man vor so viel Unerschrockenheit den Hut ziehen.

Im nebenstehenden Beitrag über Kantow und seine Kirche fällt allerdings ein Nebensatz auf, der zumindest nachdenklich stimmen muss. Da verzichtet man also bei den Klempnerarbeiten an den Traufen auf das weitaus haltbarere Kupfer, nicht etwa aus Kostengründen, sondern aus Angst vor Buntmetalldieben. So weit ist es also gekommen. Bauplanung und -ausführung hängen von Geschäftemachern ab, die sich ihren Profit zusammenklauen. Die Kantower wollen nicht auch noch Zulieferer sein und ziehen schon mal vorsorglich die Notbremse. Verständlich aus ihrer Sicht, aber ein Armutszeugnis für den Rechtsstaat. Der heutige Polizeibericht schreibt dazu gleich noch ein Zusatzkapitel über Wegträger.

Märkische Allgemeine vom 02. September 2011

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