Schmucker Mittelpunkt des Dorfes

EINWEIHUNG: Nach zwei Jahren Bauzeit wurde am Samstag die Bölzker Kirche feierlich eröffnet

BÖLZKE - Was hat die Menschen im Mittelalter nur bewegen können, sich auf die langen, teuren und gefährlichen Reisen zu den Wallfahrtsorten in der halben Welt aufzumachen? Zur ihrer Verteidigung gegen Wegelagerer blieb ihnen dabei nur der Pilgerstab in der Hand. Trotzdem wagten sie die abenteuerlichen Wege und kamen zumeist auch wieder wohlbehalten und erleichtert zurück.

Nach damaligem Verständnis hatten sie sich mit dem Erreichen des Pilgerortes nämlich von einem guten Teil ihrer Sünden und dem gefürchteten "Fegefeuer der Hölle" freigekauft. Die Frömmigkeit jener Zeit hat die Menschen im Mittelalter ähnlich geprägt, wie das Konsumdenken unserer heutigen Zeit, erläuterte Archäologin Carina Brumme die Motive der frühen Pilgerer.

Über hundert Gäste lauschten am Samstag interessiert Brummes Ausführungen. Nach Gottesdienst und Dankesworten war der Vortrag der Berliner Archäologin einer der Höhepunkte der Ausstellungseröffnung und der feierlichen Wiedereinweihung in der frisch renovierten Bölzker Kirche (Stadt Pritzwalk). Während der zwei Jahre dauernden Bauzeit hatte sich der Förderverein zum Erhalt der Kirche gemeinsam mit Engagierten aus dem ganzen Dorf um die Sanierung des Gotteshauses bemüht. Von einer eher schmucklosen Kirche sei sie nun zu einem wahren "Juwel" geworden, freute sich Andreas von Scheven vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege mit den Bölzkern.

"Hier ist eine Vision Wirklichkeit geworden", so hieß es auch in den Grußworten des Pritzwalker Bürgermeisters Wolfgang Brockmann. Das ganze Projekt sei von einer "Welle der Unterstützung" getragen worden, so die sichtlich bewegte Vereinsvorsitzende Susanne Gloger: "Unter uns, ich bin schon ein wenig stolz, was wir hier gemeinsam erreicht haben." Nachdem ihr Vorgänger, der Förster Reinhard Helm, 2008 die baupolizeiliche Schließung der Kirche noch gerade verhindern konnte, indem er die Decke mit Kiefernstämmen abstützte, erstrahlt das Bauwerk nun in neuem Glanz.

"Den Stab nehmen ...", unter diesem Motto soll nun die Ausstellung auch moderne Pilger, die der Weg nach Bölzke führt, in Bewegung bringen. So kann jeder auf dem Feldsteinlabyrinth im Außenbereich symbolisch einen kleinen Jakobsweg gehen. In einer Audioinstallation können die Besucher die Erinnerungen einer Pilgerin aus dem 14. Jahrhundert teilen.

Informationen gibt es auch zu den Wallfahrtsorten Bad Wilsnack und Alt Krüssow. Ausstellungsplaner Jürgen Sistig findet: "Durch jahrelange Forschungsarbeit am Petersdom in Rom habe ich selbst einen engen Bezug zum Thema und es war mir ein Anliegen, auch die Pilgerlandschaft der Prignitz darzustellen." (Von Susanne Liedtke)

Märkische Allgemeine vom 29. August 2011

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