Kirchengeschichte als Puzzlestücke

Beeskow (MOZ) In der Marienkirche sind Fragmente von fünf der historischen Grabplatten übergeben worden. Sie wurden seit 1992 aufwändig rekonstruiert und zieren nun den Eingangsbereich sowie den Chorraum. Außerdem sind in der Kirche zwei Epitaphe der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

 
Freude über ein wiedererlangtes Zeugnis der Kirchengeschichte: Kirchenältester Knut Krüger, Liane Wloch von der Bildhauerwerkstatt, Bärbel Arnold vom Landesdenkmalamt, Kirchenältester Tilman Schladebach, sowie Michael Grahlow und Ramona Roggan von der Vol
© MOZ/Jörn Tornow

Gleich im Eingangsbereich wartet auf Besucher des Gotteshauses eine Bronzeplatte mit Inschrift. Es handelt sich um das Epitaph (Gedenkplatte für einen Verstorbenen) des Bürgers Andreas Greifenhagen, der 1635 in Beeskow verstorben war. Einige Schritte weiter, am Übergang vom Vorraum in das Kirchenschiff, sind links und rechts Bruchstücke von Grabplatten ausgestellt. Sie werden in Erkern präsentiert und von oben angestrahlt, sodass man die Inschriften gut lesen kann. Die eigentlichen Gräber befanden sich einst im Boden der Marienkirche, die 1945 kurz vor Kriegsende fast vollständig ausbrannte. Ausgestellt sind Fragmente der Grabplatten von Eustachius Krachs, sowie die dreier Kinder des Gebhard von Alvensleben, der bis 1625 in Beeskow Amtshauptmann unter dem Kurfürsten Johan Siegesmund war. Unter den Festgästen befand sich auch ein direkter Nachkomme, Reimar von Alvensleben, der Besitzer des Ritterguts Falkenberg bei Fürstenwalde. Er lobte die Arbeit der Konservatoren und bedankte sich bei der Kirche und deren Unterstützern.

An der hinteren Wand des Chorraums steht das größte der neuen Exponate: Die Grabplatte von Johann Friedrich Grust, der bis 1720 als Superintendent in Beeskow eingesetzt worden war. Auch sie ist nur noch fragmentarisch erhalten, wobei die Gesamtheit der Bruchstücke doch einen Eindruck von dem ursprünglichen Zustand zulässt.

Mit der Restaurierung war der Berliner Steinmetzmeister Carlo Wloch beauftragt, dessen Tochter Liane Wloch ihn gestern bei der Einweihung vertrat. Sie appellierte, die Bürger sollten in alten Fotoalben nach Abbildungen der Innenausstattung der Kirche suchen, und diese der Gemeinde zukommen lassen. Auch eventuell erhaltene Bruchstücke der barocken Innenausstattung, die sich in Privatbesitz befinden, sollten den Restauratoren zugänglich gemacht werden.

Bärbel Arnold vom Landesamt für Denkmalpflege erläutert das Konzept der Rekonstruktionen. Demnach wurden die Bruchstücke, die seit 1992 bei Aufräumarbeiten im Schutt der Marienkirche gefunden worden waren, zunächst gesäubert, sortiert, und, nicht zuletzt anhand historischer Fotos, zugeordnet. Danach wurden die Fragmente wie Puzzlestücke auf eine Sandsteinplatte aufmontiert. "Wir haben auf Ergänzungen absichtlich verzichtet. Einerseits aus Kostengründen, andererseits, um die Chance zu lassen, die Platten mit Hilfe zukünftig gefundener Bruchstücke ergänzen zu können."

Die Kirchenältesten Knut Krüger und Tilman Schladebach dankten der Raiffeisen-Volksbank sowie der Stiftung der norddeutschen Genossenschaftsbanken für deren finanzielle Unterstützung. Die Stiftung hatte 7500 Euro gespendet, die Bank hatte zusätzlich 1440 Euro an Spendengeldern eingeworben und für die Wiederherstellung der Grabplatten zur Verfügung gestellt.

Wie prächtig die Kirche im Innere einmal ausgesehen haben mag, zeigt ein vergrößertes Foto des Epitaphen des Theologen Valentin Henner, der 1549 als Superintendent nach Beeskow berufen worden war. Auf einer gut drei Meter langen Stoffbahn, die an der Nordseite des Kirchenschiffes befestigt ist, prangt eine Schwarz-weiß-Aufnahme des mehrgliedrig aufgebauten Wandbildes, das einmal, kunstvoll geschnitzt und farbenfroh bemalt, in der Kirche seinen Platz hatte.

Der Beeskower Musikwissenschaftler Ekkehard Krüger gab zu jedem der ausgestellten Kunstdenkmale eine fachkundige Erläuterung. Er erklärte die Bildprogramme der Epitaphe ebenso, wie die zeithistorischen Hintergründe der bildlich geehrten Personen. Beeskows Pfarrer Tobias Kampf zeigte sich erfreut, in dem Gotteshaus eine weitere Attraktion vorweisen zu können. Er dankte dem Förderverein Marienorgel, der Kirchengemeinde und den Sponsoren für deren Unterstützung. Schladebach ergänzte, mit den Grabplatten und Epitaphen habe die Marienkirche ein Stück Identität wiedererlangt.

Märkische Oderzeitung vom 26. August 2011

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