Auf dem Weg zum Pilgerort

KULTUR: In Bölzke präsentiert sich am kommenden Samstag die frisch restaurierte Kirche der Öffentlichkeit

BÖLZKE - "Schalte doch noch mal kurz die Sicherung aus!" Bildhauer Sebastian Kulisch balanciert auf der Leiter knapp unter der Kirchendecke und hält dabei Schraubenzieher und Kabel in der Hand. Jürgen Sistig findet schnell die entsprechende Sicherung und sorgt damit für die gefahrlose Anbringung des zweiten Lampenschirmes, von denen noch vier weitere auf ihre Aufhängung warten.

Der Kunsthistoriker aus Berlin kennt sich inzwischen bestens aus in der kleinen Bölzker (Stadt Pritzwalk) Fachwerkkirche. Seit zwei Jahren betreut er mit seiner Agentur diePlanung der Dauerausstellung zum Thema Pilgerei, die ab Samstag in dem frisch restaurierten Gebäude zu sehen sein wird.

Mit deren feierlichen Eröffnung und einem Gottesdienst wird die Kirche nun nach umfassenden Sanierungsarbeiten an Hülle, Dach und Innenraum wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. "Es ist genau 25 Jahre her, dass hier Gottesdienst gefeiert worden ist", hat Jean Boué recherchiert.

Gemeinsam mit Susanne Gloger engagiert sich der Bölzker im Vorstand des Fördervereins zum Erhalt der Kirche. Der widmet sich seit 1998 der Sanierung und Nutzung des Fachwerkkirchleins.

Dabei haben die 28 Vereinsmitglieder tatsächlich einen langen Atem bewiesen: Jahrzehntelang hatte sich der bauliche Zustand des Gotteshauses zusehends verschlechtert und war der Verfall mit den zahlreichen kleineren Reperaturmaßnahmen, die der Verein seit seiner Gründung realisiert hatte, nicht mehr aufzuhalten.

1825 auf den Resten der Vorgängerkirche von den Bölzker Bauern eigenhändig errichtet, hatte die Konstruktion gleich nach ihrer Fertigstellung erste Baumängel aufgewiesen. Zur Stabilisierung bekam sie dann schon kurz darauf ihren Backsteingiebel.

Mit Mitteln aus dem Fördertopf des Landwirtschaftsministeriums konnte dann im Januar 2010 endlich die Grundsanierung begonnen werden.

Dabei sei von Anfang an klar gewesen, dass die Kirche vor allem zu einem kulturellen Zentrum werden sollte. Auf der Suche nach einem passenden Nutzungskonzept war Vereinsvorsitzende und Kunsthistorikerin Susanne Gloger dann auf die Nähe zu den Radwanderwegen, des historischen Pilgerweges nach Bad Wilsnack und den beiden ehemaligen Wallfahrtskirchen in Alt Krüssow und Heiligengrabe gestoßen.

So entstand die Idee, das Thema "Wallfahrt" auch für die Bölzker Kirche aufzugreifen. Informationstafeln in ihrem Inneren und im Außenbereich werden über Geschichte und Tradition der Pilgerei informieren.

Hand in Hand mit dem Berliner Planungsbüro arbeitete sie an der inhaltlichen und optischen Präsentation des Themas. Bildhauer Kulisch entwarf die Metallstelen und Glasvitrinen.

Darin wird am kommenden Samstag der Ehrenplatz für ein besonderes "Highlight" reserviert sein, freut sich Susanne Gloger: "Die Brüsenhagener Kirchengemeinde stellt uns die Skulptur einer Maria Selbdritt zur Verfügung."

Nicht nur viele der 65 Bölzker haben tatkräftig mitgetan. "Dieses ganze Projekt war nur möglich, weil uns unglaublich viele Leute unterstützt haben", stellte Susanne Gloger heraus. Auf einer eigenen Tafel sollen daher alle Spendengeber gewürdigt werden. (Von Susanne Liedtke)

Die Bölzker bewiesen einen langen Atem bei der Restaurierung ihrer Kirche:

Als Gutsdorf gehörte Bölzke bis ins frühe 19. Jahrhundert zum Klosterstift Heiligengrabe.
Schriftlichen Quellen zufolge beschwerte sich bereits 1810 der damalige Ortspfarrer über den maroden Zustand des Vorgängerbaus.
Als sich die Klosterherren weigerten, Abhilfe zu schaffen, nahmen die Bölzker 1825 den Bau einer neuen Kirche in die eigenen Hände.
1826 kam eine Glocke hinzu.
Nur den schönen Barockaltar übernahmen sie aus dem Vorgängerbau. In orginaler blauer Farbe prägt er auch jetzt wieder den Innenraum.
Die im Januar 2010 begonne Grundsanierung der Kirche erstreckte sich auf das Fachwerk, Fenster, das Dach und die Turmzier.
Nach der Entkernung wurden im Innenraum Fußboden, Farbgebung und Holzteile erneuert.
Zukünftig wird die Kirche sowohl als Ausstellungsraum, für kulturelle Veranstaltungen und für Gottesdienste nutzbar sein. Sli

Märkische Allgemeine vom 25. August 2011

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