Hausputz im Kirchenschiff

JUBILÄUM: Das Gotteshaus in Dranse wird 150 Jahre alt / Festpredigt hält Altprior des Mutterklosters vom Mönchshof

DRANSE - Die Botschaft steht ganz oben auf der Einladung: "Unsere Kirche soll Mittelpunkt unseres Dorfes Dranse bleiben." 150 Jahre ist sie jetzt alt, und das wird am Wochenende ganz groß mit einem Konzert, mit einem Festgottesdienst und einer großen Kaffeetafel gefeiert. Eingeladen dazu hat nicht nur die Kirchengemeinde im Dranser Land, sondern auch der Ortsbeirat und der Dorfclub. Das große gemeinsame Ziel lautet, die Dorfkirche zu erhalten. Denn auch wenn man es dem attraktiven Ziegelbau mit seinem 36 Meter hohen Turm von außen nicht ansieht Ė von innen macht sie nicht viel her. Doch man ist dabei, das "Dornröschen" aus seinem Schlaf aufzuwecken Ė mit Hebebühne, Schaufel und Besen und jeder Menge Wasser. Denn zum Festgottesdienst am Sonntag werden viele Gäste erwartet, und da sollís, so weit wie nur irgend möglich, schön sein. Zwar ist nicht zu übersehen, dass Putz von den Wänden gebröckelt ist und dass oben in der Deckenvertäfelung etliche Bretter fehlen. Aber man wird weder Bauschutt finden noch muss man fürchten, dass lose Bretter von der Decke herabstürzen.

Gleich nach der Wende wurden etwa 200 000 Euro in die Sanierung der Hülle investiert. Deswegen macht die Dorfkirche auch einen recht guten Eindruck. Von außen. Was das Innere betrifft, so hat man leider den Anschluss verloren. Die Aufbruchzeit nach der Wende, als Fördermittel wie Milch und Honig flossen, ist lange vorbei, und deswegen wirdís die Kirchengemeinde nicht so leicht haben, ihr Gotteshaus wieder in Schuss zu bringen.

Ein Anfang ist aber gemacht. Nachdem in den 1950er Jahren der alte Kuhstall auf dem Hof des Pfarrhauses ausgebaut wurde und fortan fürs Gemeindeleben und die Gottesdienste genutzt wurde, nutzte man die Kirche nur noch äußerst selten. Anfang Mai 1945 waren zwei russische Panzergranaten eingeschlagen, eine in den Turm, eine in ein Fenster. Erst nach Jahren konnten die Schäden repariert werden, da war die Feuchtigkeit schon ins Gebäude eingezogen. Die letzte Konfirmation war 1972. Erst wieder im Jahr 2006 fand anlässlich einer Hochzeit ein Gottesdienst darin statt und vor etwa zwei Monaten war eine Trauerfeier in dem Gotteshaus.

Vor etwas mehr als anderthalb Jahren schritten die Dranser dann zur Tat. In Vorbereitung eines Krippenspiels machten sie die Kirche sauber. "Es war knackevoll", erinnert sich Anke Tusche. "Menschen über Menschen. Die saßen sogar ganz hinten unter der Empore. Dort hatten wir gar nicht sauber gemacht." Die nächste Veranstaltung war vor ziemlich genau einem Jahr ein sehr gut besuchtes Bläserkonzert. Die Leute kamen zum Teil von sehr weit her. Solche Erfolge ermutigen die Dranser. Immerhin ist ihre Kirche diejenige im Dranser Land, die den meisten Besuchern Platz bietet. 200 Leute passen gut und gerne hinein, jeweils acht in eine Bank.

Zum Festgottesdienst am Sonntag hat sich der Altprior des Klosters Amelungsborn, Superintendent Christian Klatt, angekündigt. Er wird auch die Predigt halten. Das Kloster Amelungsborn (Niedersachsen) war im Mittelalter für den Mönchshof Dranse (gegründet 1233) das Mutterkloster.

Bis zum Wochenende ist noch ein bisschen zu tun in der Dranser Kirche. Heute um 18 Uhr wird mit Wischeimern und viel Wasser noch einmal großreinegemacht, damit am Sonnabend und Sonntag alles schön ist.

Programm des Kirchenjubiläums: Sonnabend, 13. August, 19 Uhr, festliches Konzert mit dem Klarinettenquartett "Quartissimo" aus Berlin; klassische und populäre Melodien; Sonntag, 14. August, 14 Uhr, Festgottesdienst, anschließend Kaffeetafel. (Von Uta Köhn)

Märkische Allgemeine vom 10. August 2011

   Zur Artikelübersicht