Die Zeit drängt

KIRCHE: Gotteshaus verfällt zusehends, obwohl sich ein Förderverein rührend kümmert / Eine neue Idee

 
Über dem Eingang der Dankeskirche muss ein Netz die Besucher vor herabfallenden Ästen schützen.
Foto: Gerlinde Irmscher

HALBE - Während in der Kirche Groß Köris die Sterne von der Decke funkeln, muss vor der Kirche in Halbe ein Netz aufgespannt werden, damit Besucher sie ohne Gefahr von oben betreten können. Das Gotteshaus ist in einem schlimmen Zustand.

Dabei steht das Gebäude dank des Fördervereins für die Dankes-Kirche unter Denkmalschutz. Er sammelt seit einigen Jahren Geld, um das Haus zu sanieren. "Etwa 20 000 Euro sind inzwischen zusammengekommen", sagt Eckart Köthe vom Verein. 3000 Euro wurden davon schon ausgegeben für ein Sanierungsgutachten. Summa summarum müssen etwa 400 000 Euro investiert werden, damit die Kirche wieder zu einer Kirche werden kann.

Doch die Institution Kirche scheint den Glauben an Halbe verloren zu haben. Manfred Guder ist vom kirchlichen Baubüro des zuständigen Kirchenkreises. "Fakt ist, dass es zu wenig Kirchenmitglieder in dem Ort gibt", so Gruber. Deswegen sei es nur zu verständlich, dass das Geld, das die Kirche zur Verfügung hat, an anderen Orten mit mehr aktiven Kirchenmitgliedern investiert wird.

Wegen dieser Ansicht sind die Halber mehr als enttäuscht. "Von der Kirche erwarten wir Ermutigung und Anerkennung, dass wir ein positives Signal bekommen und nicht immer nur Ablehnung", bringt es Köthe auf den Punkt. Zu gerne würde er hier einen Sinneswandel herbeiführen, zumal sich in Halbe so viele Bürger für die Kirche engagierten. Denn wenn nicht bald etwas geschieht, wird sich der Zustand des Gotteshauses weiter verschlechtern. Der Schwamm frisst sich immer weiter durch. Der Putz fällt herab.

Erst kürzlich besuchte auch der Förderverein Alte Kirchen Gotteshäuser im Landkreis Dahme-Spreewald. Viele der Gäste waren besonders von dem Zustand der Dankes-Kirche entsetzt. Zu denen, die dabei waren, gehörte auch Detlef Klaar, ein passionierter Lokal-Historiker aus Berlin. Zu gerne würde er eine Sanierung des Gotteshauses mit anschieben helfen. Er kam auf die Idee, diejenigen mit um Hilfe zu bitten, die maßgeblich an der Zerstörung des Ortes und auch der Kirche im Zweiten Weltkrieg mitbeteiligt waren. Klaar möchte die ehemaligen Soldaten der 9. Armee ansprechen, die damals in und um Halbe kämpften. "Vielleicht ist heute jemand wohlhabend und würde gern etwas tun, um auch seinen persönlichen Frieden zu finden", meint er.

Viele der einstigen Soldaten sind Mitglied im Förderkreis Gedenkstätte Halbe. Schon einmal griff dieser in seinen Geldtopf und finanzierte den Glockenturm auf dem Waldfriedhof. Edwin Rapp war viele Jahre sein Vorsitzender. "Wir wollten bereits vor zwölf Jahren Schule und Kirche sanieren helfen und eine Gedenkstätte errichten", sagt er. Damals sei es wegen zu vieler inhaltlicher Differenzen nicht dazu gekommen. Die Meinungen über den Vorschlag Klaars gehen weit auseinander. Manche möchten nichts mit den ehemaligen Soldaten zu tun haben. Andere sehen durchaus eine Handlungsmöglichkeit. Unterm Strich bleibt der Faktor Zeit und die drängt. (Von Andrea Müller)

Andrea Müller findet, dass der Vorschlag von Detlef Klaar beachtenswert ist

Rechnen ist nicht alles

Es scheint eine verfahrene Kiste zu sein. Und weil das so ist, verfällt die Kirche in Halbe immer mehr. Was nützt ein Förderverein, wenn er bei Förderanträgen auf die Frage, wie viel Geld die Kirche dazu gibt, "Nichts" hinschreiben müsste. Jeder weiß, dass immer ein Eigenanteil geleistet werden muss.

Nun kommt also ein anderer Vorschlag, der auch nicht nur auf Gegenliebe stößt. Dabei ist doch der Gedanke von Detlef Klaar gar nicht so schlecht. Und dass er umsetzbar ist mit ein wenig Glück und Diplomatie zeigt der Glockenturm auf dem Waldfriedhof in Halbe. Der Förderkreis Gedenkstätte Halbe hat durchaus Ressourcen, die für das Gotteshaus genutzt werden könnten.

Gerade an einem Ort wie Halbe wird doch eine intakte Kirche gebraucht. Hier liegen so unendlich viele Tote begraben, für die jemand vielleicht gern eine Kerze anzünden oder ein Gebet sprechen würde.

Dass die Kirche als Institution hier nur eine Rechnung aufmacht nach dem Schema Kosten durch die Anzahl der Kirchenmitglieder lässt einen wirklich den Glauben verlieren auch wenn das Geld überall knapp ist.

Schön wäre, wenn alle Beteiligten die Argumente noch einmal durchdenken. Vielleicht kommt unterm Strich doch ein anderes Ergebnis heraus als jetzt.

Märkische Allgemeine vom 04. August 2011

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