3022 Pfeifen machen Musik

von Barbara Haak

 
Christoph Walter vor dem Instrument, dessen Restaurierung im Herbst beginnt.

WITTENBERGE - Der Vertrag ist unterzeichnet. Der Gemeindekirchenrat hat sich außerdem in der Firma, die der Orgel wieder zu ursprünglicher Klangfülle verhelfen wird, umgesehen. Wenn es Herbst wird nach dem Gottesdienst zum Erntedank in der evangelischen Stadtkirche werden die Fachleute der Orgelbaufirma Schuke Potsdam - ihr Sitz ist in Werder - kommen und sich des 1935 erbauten Instruments annehmen. Christoph Walter als stellvertretender Gemeindekirchenratsvorsitzender und seine Mitstreiter können jetzt erst einmal durchatmen. Alle Weichen sind in Richtung Orgelrestaurierung gestellt.

"Wir gehen von 175 000 Euro als Kosten aus", berichtet Walter. Diese Summe liegt - auch dank Fördergelder - im wesentlichen parat. "Wir haben zahlreiche Spenden bekommen, bitten auch noch weiter um Zuwendungen", sagt Walter. Denn noch kenne man naturgemäß nicht die wirkliche Summe, die es braucht, um die Wittenberger Orgel wieder zu einer wahren Königin der Instrumente zu machen.

Christoph Walter weiß viel und sehr Interessantes für das Instrument zu erzählen, das sich monumental über dem Eingang in das Gotteshaus erhebt. Eindrucksvoll stehen Orgelpfeifen in Reih und Glied und sind doch nur wenige im Vergleich mit den insgesamt 3022 Pfeifen in 49 Registern, die die Orgel in ihrer Gesamtheit ausmachen. Christoph Walter führt um das Instrument herum, öffnet eine schmale Holztür. Sie gibt den Blick ins Innere der Orgel frei. Pfeifen und noch mal Pfeifen - silbrig schimmernde aus Zinnblech und viereckige aus Holz. Dazwischen verläuft eine Art Rohrsystem. Der Fachmann spricht von Kondukten, über die die Pfeifen mit Luft versorgt werden. Von Christoph Walter erfährt man auch, dass so manche Orgelpfeife quasi auf ihren Füßen zusammen gesunken ist. Das ist schlecht für die Luft und damit für den Klang. Auch regelnde Lederventile machen Schwierigkeiten. Der Problem gibt es mittlerweile zahlreiche. Die Orgelbauer aus Werder werden es richten.

Wichtig ist dem stellvertretenden Gemeindekirchenratschef die Feststellung: "Wir lassen unser Instrument rekonstruieren. Am Grundklang wird sich aber keinesfalls etwas ändern." Der Klang ist etwas Besonderes. Als Orgelbauer Pflug in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts die neue, größere Orgel für die Kirche baute, griff er auf Teile des Vorgängerinstruments zurück. Jenes war eine romantische Orgel. Die neuen Register bevorzugen die barocke Klangrichtung. Damit sei das Instrument für romantische wie auch barocke Kompositionen gleichermaßen ausgelegt.

Bevor Ausbau und Reparaturen beginnen, sollen Interessenten am Tag des Denkmals im September Gelegenheit erhalten, Blicke in das Innere der Orgel zu werfen. Am 25. August erwartet die Kirchengemeinde Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck. Er hat die Schirmherrschaft über die Instrumentenrestauration übernommen und sich deshalb zu einer Besichtigung angekündigt.

Der Prignitzer vom 02. August 2011

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